Flughund hängt über Kopf am Ast

Zoonose-Tagung Berlin - Woher kommt das Ebola-Virus?

Viren sind ständig im Wandel, das macht sie so gefährlich. Besonders, weil sie auch gerne den Wirt wechseln. Gelingt der Sprung vom Tier auf den Menschen, nennen Wissenschaftler das Zoonose. Auch das Ebola-Virus hat diesen Entwicklungssprung gemacht. Internationale Forscher versuchen diese Entwicklung zu rekonstruieren - und trafen sich dazu auch in Berlin.

Seit fünf Jahren kommen auf dem Symposium der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen in Berlin Wissenschaftler zusammen, um die Verbreitungs- und Entwicklungswege kleinster Oragnismen zu untersuchen: Viren. Ihre Wandelbarkeit macht sie ebenso erstaunlich wie gefährlich, besonders wenn sie ganze Artengrenzen überspringen und schließlich vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

Auf dem Symposium treffen seit 2014 auch internationale Wissenschaftler in Berlin aufeinander, um sich über die Rekonstruktionen verschiedener Viren und ihrer Entwicklungswege auszutauschen. Einer von ihnen ist Dr. Fabian Leendertz, Leiter der Forschungsgruppe "Epidemiologie von hoch pathogenen Mikroorganismen". Er untersucht für das deutsche Robert-Koch-Institut zum Beispiel auch in Westafrika, wie sich tödliche Keime über Tiere auf den Menschen weiterverbreiten, wie es auch bei Ebola passierte.

Dr. Fabian Leendertz auf dem Zoonosensymposium 2014 in Berlin
Dr. Fabian Leendertz auf dem Zoonosensymposium 2014 in Berlin

"Keiner traute dem anderen"

Volkart Wildermuth hat den Ebola-Spurensucher Leendertz nach seiner Arbeit gefragt. Die Situation in Westafrika sei dabei sehr angespannt gewesen, erzählt Leendertz: "Wir sind im April bereits nach Guinea gefahren, um eben festzustellen wo das Virus herkommt, wo sich der kleine zweijährige Junge infiziert hat. Ich arbeite schon seit 15 Jahren in Westafrika, aber die Stimmung war ganz anders als sonst – die Leute sind angespannt, keiner traut dem anderen so richtig, also das ist eine andere Stimmung."

Wie ist es, wenn man als europäischer Forscher dahin kommt – werden Sie mit offenen Armen empfangen oder in den Gebieten dann mit Misstrauen betrachtet?

Leendertz: "Es war sehr divers, also es gab Gegenden, da wurden wir mit Misstrauen empfangen, wobei wir nicht rein als europäische Forscher da waren, wir waren ein Team von 17 Leuten und die Mehrzahl der Kollegen kam aus Guinea selbst. Während wir da waren kam heraus, wo denn der Ausbruch losgegangen ist, in diesem Dorf Meliandou und da haben wir dann zehn Tage verbracht. Und da waren die Leute sehr freundlich, sehr aufgeschlossen und haben gesagt: ja, wir wollen selber wissen wo das herkommt, wir wollen nicht, dass das noch einmal passiert und die haben mit uns die Forschung betrieben."

Wie geht man da vor, wenn man in so ein Dorf kommt, von dem man vermutet: da ist es los gegangen?

Leendertz: "Was wir machen ist mit diesem guineischen Team, was dabei war, monitoren wir die Tierdichte. Das heißt: die laufen durch den Urwald und zählen Spuren usw. von den Tieren, da in den vorhergegangenen Ausbrüchen im Kongo und Gabun ganz oft eine Epidemie unter Gorillas und Schimpansen stattgefunden hat und die Menschen haben sich dann bei den Tieren angesteckt – so eine vorgeschaltete Epidemie, die die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Menschen auch infizieren erhöht. Das wollten wir ausschließen, bzw. schauen, ob das da der Fall war. Also was ich sagen kann ist also, dass wir jetzt nicht über massenweise tote Affen gestolpert sind und dass wahrscheinlich die Affen keine große Rolle spielen."

Dr. Fabian Leendertz
Dr. Fabian Leendertz: "Wir sind nicht über massenweise tote Affen gestolpert"

Wie sieht es bei den Fledermäusen aus?

Leendertz: "Wir sind in die Dörfer gegangen, haben Fledermäuse und Flughunde gefangen und gefragt, wo die Tiere vorkommen und wie die Leute die Tiere jagen und zubereiten. Wir hatten eine Anthropologin dabei, die eben solche Fragen gestellt hat, während wir uns um das Fangen und beproben der Tiere konzentriert haben."

Sind Flughunde da eine Sache, die man gerne isst?

Leendertz: "Flughunde sind von Zentral- bis Westafrika ein beliebtes Essen, teilweise teurer als Hühnchen, das kommt auf die Gegend drauf an. In manchen ist es eher Arme-Leute-Essen, in manchen Gegenden aber eher teuer. Es gibt nicht nur professionelle Jäger, die sind eigentlich relativ selten, sondern eben opportunistisch – während des Kokusnüssepflückens, wenn da eben ein paar Flughunde hängen, dazwischen, werden die eben mit der Machete runtergeholt und dann eben natürlich mit bloßen Händen zubereitet, also jede Menge Blut-Kontaktmöglichkeiten. Das ist aber etwas, was sie ganz zentral bis Westafrika finden. Es gibt auch Studien dazu wie viele Tonnen Flughundfleisch verzehrt werden inzwischen. Das heißt: es ist nicht jeder Flughund jetzt infiziert und eine Gefahr für uns, das ist ein unglaublich seltenes Ereignis, das Virus muss unglaublich selten sein in dem Reservoir."

Wie geht man als Forscher da vor? Ich meine, Sie haben den Verdacht, dass dieses Virus da offenbar gefährlich ist und in den Flughunden steckt – schützen Sie sich da besonders?

Leendertz: "Es ist auch eine lustige Diskrepanz: die Leute schützen sich natürlich nicht, die die jagen und verzehren usw., aber wir schützen uns natürlich um diese kleine Wahrscheinlichkeit, dass das Virus drin ist und das ist ja auch das, was wir suchen, dass uns das infiziert auszuschließen. Das heißt wir haben schon Vollschutzmontur an, ja."

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