Telemedizin-Station meldet erfolgreiche Übermittelung der Daten (Quelle: rbb)

rbb PRAXIS online - Telemedizin in Berlin und Brandenburg

Beim morgendlichen Frühstück selber den Blutdruck messen – das ist für einige Patienten nichts Ungewöhnliches. Wenn das Blutdruckmessgerät aber einen "Sender" hat, der die Werte automatisch an ein telemedizinisches Zentrum im Krankenhaus überträgt schon. Besonders Risikopatienten können davon profitieren.

Den Arzt quasi permanent bei sich zu Hause im Wohnzimmer sitzen haben – die Telemedizin macht es möglich. Dafür bekommen Patienten mobile Messgeräte für u.a. Blutdruck, Blutzucker und fürs Gewicht mit nach Hause. Diese Geräte schicken die Daten automatisch zu einem telemedizinischen Zentrum ins Krankenhaus und werden dort von Ärzten und telemedizinisch geschultem Fachpersonal überprüft. Sollten die Werte sich verschlechtern, werden der örtliche Notarzt verständigt oder Absprachen zur Anpassung der Behandlung mit dem Hausarzt getroffen. Besonders Risikopatienten mit Herzinsuffizienz können derzeit vom so genannten Telemonitoring profitieren. "Bei solchen Risikopatienten kann eine permanente Kontrolle lebensrettend sein", sagt Prof. Dr. Friedrich Köhler vom Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité Berlin. "Etwa 50 Prozent der Risikopatienten mit Herzinsuffizienz wird in den drei Monaten nach Entlassung aus dem Krankenhaus erneut eingeliefert. Durch die telemedizinische Kontrolle und Absprache der Fachärzte mit den Hausärzten können solche Patienten besser versorgt und eine Wiedereinlieferung gegebenenfalls verhindert werden."

Tele-Sprachtherapie mit einem Parkinson-Patienten, Quelle: dpa

Ein Masterplan für Berlin und Brandenburg

Brandenburg – das Flächenland mit der geringsten Vertragsarztdichte könnte besonders von der Telemedizin profitieren. Patienten haben oft weite Wege zum Facharzt oder ins Krankenhaus. Mit dem Masterplan Gesundheitsregion haben die Länder Berlin und Brandenburg beschlossen, unter der Dachmarke "HealthCapital" ein gemeinsames Netzwerk der wichtigen regionalen Akteure im Gesundheitswesen aufzubauen und länderübergreifend systematisch weiterzuentwickeln. Eines der zwölf Handlungsfelder sind dabei Medizintechnik und Telemedizin.

Ärzte des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus und des Städtischen Klinikums Brandenburg/Havel betreuen bereits seit Ende 2011 gemeinsam mit niedergelassenen Hausärzten Hoch-Risikopatienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Die Patienten bekommen diagnostische Geräte-Koffer zur Messung wichtiger Vitaldaten mit nach Hause. Die Messungen werden rund um die Uhr in den Telemedizin-Zentren der beiden Kliniken überprüft. "An den beiden Kliniken haben wir 500 solcher diagnostischer Geräte-Koffer zur Verfügung", sagt Jenny Matzke, telemedizinische Assistentin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. "Derzeit betreuen wir etwa 150 Hoch-Risikopatienten in Brandenburg." Leider übernehme derzeit nur die AOK Nordost die Kosten der telemedizinischen Versorgung. Ziel sei es, auch andere Krankenkassen zur Übernahme der Kosten zu bewegen, um die telemedizinische Versorgung Patienten aller Krankenkassen anbieten zu können.
Ärzte und Schwestern werten Daten zur Überwachung von Herzrisiko-Patienten aus, Quelle: dpa

Ein langwieriger Prozess

Denkbar ist die telemedizinische Betreuung auch bei Schwangeren, die unter Bluthochdruck leiden, sagt Prof. Dr. Friedrich Köhler. Weitere Einsatzmöglichkeiten sehen Experten bei Lungenerkrankungen, Asthma, telemedizinisch betreuten Abnehmprogrammen und der Erstellung von Medikamentenplänen via Smartphones und Apps.

Der Weg in die Regelversorgung von telemedizinischen Leistungen und damit Kostenübernahme durch alle Krankenkassen ist jedoch noch ein langwieriger Prozess. Die Bundesregierung hat die Förderung der ambulanten Telemedizin im Versorgungsstrukturgesetz, das seit Januar 2012 in Kraft ist, festgeschrieben. Einigen müssen sich jedoch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband. Laut KBV könnten konkrete Vereinbarungen in ein bis zwei Jahren festgelegt werden.


Text: Nadine Bader

Telemedizin in Berlin

Prof. Dr. med. Friedrich Köhler

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin
Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel: 030 - 450 514184

Telemedizin in Brandenburg

Telemedizinzentrum Brandenburg

Prof. Dr. Michael Oeff
Dr. Martina Diezmann
Standort Brandenburg
Kardiologie
Klinikum Brandenburg an der Havel
Tel.: 03381 - 41-1500

Standort Cottbus

Carl-Thiem-Krankenhaus Cottbus
Ansprechpartnerin:
Frau Matzke
Tel.: 0355 – 461 677

Mehr Infos

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