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Beim morgendlichen Frühstück selber den Blutdruck messen – das ist für einige Patienten nichts Ungewöhnliches. Wenn das Blutdruckmessgerät aber einen "Sender" hat, der die Werte automatisch an ein telemedizinisches Zentrum im Krankenhaus überträgt schon. Besonders Risikopatienten können davon profitieren.
Den Arzt quasi permanent bei sich zu Hause im Wohnzimmer sitzen haben – die Telemedizin macht es möglich. Dafür bekommen Patienten mobile Messgeräte für u.a. Blutdruck, Blutzucker und fürs Gewicht mit nach Hause. Diese Geräte schicken die Daten automatisch zu einem telemedizinischen Zentrum ins Krankenhaus und werden dort von Ärzten und telemedizinisch geschultem Fachpersonal überprüft. Sollten die Werte sich verschlechtern, werden der örtliche Notarzt verständigt oder Absprachen zur Anpassung der Behandlung mit dem Hausarzt getroffen. Besonders Risikopatienten mit Herzinsuffizienz können derzeit vom so genannten Telemonitoring profitieren. "Bei solchen Risikopatienten kann eine permanente Kontrolle lebensrettend sein", sagt Prof. Dr. Friedrich Köhler vom Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité Berlin. "Etwa 50 Prozent der Risikopatienten mit Herzinsuffizienz wird in den drei Monaten nach Entlassung aus dem Krankenhaus erneut eingeliefert. Durch die telemedizinische Kontrolle und Absprache der Fachärzte mit den Hausärzten können solche Patienten besser versorgt und eine Wiedereinlieferung gegebenenfalls verhindert werden."

Ein Masterplan für Berlin und Brandenburg
Ärzte des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus und des Städtischen Klinikums Brandenburg/Havel betreuen bereits seit Ende 2011 gemeinsam mit niedergelassenen Hausärzten Hoch-Risikopatienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Die Patienten bekommen diagnostische Geräte-Koffer zur Messung wichtiger Vitaldaten mit nach Hause. Die Messungen werden rund um die Uhr in den Telemedizin-Zentren der beiden Kliniken überprüft. "An den beiden Kliniken haben wir 500 solcher diagnostischer Geräte-Koffer zur Verfügung", sagt Jenny Matzke, telemedizinische Assistentin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. "Derzeit betreuen wir etwa 150 Hoch-Risikopatienten in Brandenburg." Leider übernehme derzeit nur die AOK Nordost die Kosten der telemedizinischen Versorgung. Ziel sei es, auch andere Krankenkassen zur Übernahme der Kosten zu bewegen, um die telemedizinische Versorgung Patienten aller Krankenkassen anbieten zu können.

Ein langwieriger Prozess
Der Weg in die Regelversorgung von telemedizinischen Leistungen und damit Kostenübernahme durch alle Krankenkassen ist jedoch noch ein langwieriger Prozess. Die Bundesregierung hat die Förderung der ambulanten Telemedizin im Versorgungsstrukturgesetz, das seit Januar 2012 in Kraft ist, festgeschrieben. Einigen müssen sich jedoch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband. Laut KBV könnten konkrete Vereinbarungen in ein bis zwei Jahren festgelegt werden.
Text: Nadine Bader


