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Männer und Frauen werden unterschiedlich krank, das weiß man mittlerweile. Dennoch kümmern sich bislang nur wenige Ärzte um die Geschlechterunterschiede in der Medizin. Zu Unrecht, denn selbst bei der Arthrose verschleißen weibliche Gelenke anders als männliche. Und je älter wir werden, desto deutlicher treten auch die Unterschiede zutage. Während sich der Beitrag der kommenden Sendung der rbb PRAXIS mit der Arthrose des großen Zehs beschäftigt, spürt dieser Text den weiblichen Besonderheiten der Arthrose im Allgemeinen auf.
Alter als Risikofaktor
Dazu kommt das Alter. Weil frühe Knorpelschäden auf Dauer zu Verschleißerscheinungen führen, haben Frauen, die im Durchschnitt länger leben als Männer, stärkere Arthrose-Beschwerden. Allein in Deutschland leiden gegenwärtig etwa fünf Millionen Menschen unter Arthrose bedingten Gelenkbeschwerden – Tendenz steigend. Nach und nach kann der alternde Gelenkknorpel nicht mehr so viel Wasser speichern wie in jüngeren Jahren. Die Stoffwechselprozesse verlangsamen sich und funktionieren zum Teil nur noch eingeschränkt. Je älter Frau wird, umso mehr fallen diese Alterserscheinungen ins Gewicht: Mit den Jahren schmerzen Wirbelsäule (60 %), Hände (20-30 %), Knie (25 %), Hüfte (7,5 %), Fuß- und Zehengelenke (4 %), Ellenbogen (1 bis 2 %) oder Schulter (1 bis 2 %) immer intensiver.
Frauen erkranken anders
Das alternde Gelenk ist zudem anfälliger für Verletzungen und Stress. Frauen, die bekanntlich vermehrt auf Stress reagieren, sind dadurch noch einmal mehr belastet und für das Entstehen einer Arthrose gefährdeter. Vor allem die Arthrose an den Fingergelenken trifft Frauen jenseits der Wechseljahre besonders häufig: Bis zu 95 Prozent weisen die für diese Arthroseform typischen Schwellungen und Rötungen an den Fingerend- und Fingermittelgelenken auf. Oft sind mehrere Gelenke an beiden Händen gleichzeitig betroffen. Die Ärzte sprechen deshalb auch von einer Polyarthrose. Unter einer Kniegelenks-Arthrose leiden Frauen doppelt so häufig wie Männer; Übergewicht ist hier ein besonderes Erkrankungsrisiko. Die relativ seltenen Fußgelenks-Arthrosen entwickeln sich oft als Folge vorausgegangener Unfälle.
Heilung noch nicht möglich
Die Arthrose ist eine chronische Erkrankung; eine Heilung gibt es bislang nicht. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich zu behandeln, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Bis heute stellt die Arthrose eine besondere Herausforderung für die moderne Medizin dar. Bereits heute denken Gesundheitswissenschaftler über ein Screening nach; das birgt allerdings zusätzliche Belastungen für die Gesundheit, da hierfür geröntgt werden müsste. Ein großes Augenmerk liegt außerdem darauf, künftig Erkrankungen durch vermehrte Verhaltens- und Trainingsprogramm ganz zu verhindern.

Das hilft natürlich
Übergewichtige nehmen am besten ein paar Kilo ab. Das entlastet die Gelenke. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Milchprodukten, Fisch sowie wenig Fleisch reduziert nicht nur das Gewicht, sondern verbessert auch das körperliche Wohlbefinden. Alkohol, Zigaretten und Koffein sollten Arthrose-Patienten grundsätzlich meiden. Einige Studien haben heraufgefunden, dass die Akupunktur Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Entspannungsverfahren wie Yoga oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson dienen dem Stressabbau.




