Büroarbeiter am Computer, Quelle: dpa

- Schmerzender Ellenbogen

Der Tennisellenbogen ist häufig: Bis zu 9 Prozent der Erwachsenen – vornehmlich ab dem 40. Lebensjahr – klagen darüber. Sind die Beschwerden erst chronisch, erschwert das die Therapie. Bei wem Ruhe und Physiotherapie nicht helfen, der kann die Röntgentiefentherapie probieren. Die Studienlage ist begrenzt, die Erfahrungen aus der Praxis zur Wirksamkeit sind jedoch gut.

Es sind die immer gleichen Handbewegungen von Kassiererinnen, Fließbandarbeitern oder Computeranwendern, die das Sehnengewebe zwischen Unterarmmuskulatur und Ellenbogenknochen reizen und zum Tennisarm führen. Bei Amateursportlern folgt auf falsche Technik und übertriebenes Training der Tennisellenbogen. Die Folge: Minitraumen im Sehnenansatz. Sind die häufiger als sich das Gewebe erholen kann, degeneriert es – und schmerzt.

Frisch aufgetreten können Ärzte den Tennisarm oder die Epicondylitis humeri radialis problemlos behandeln. Doch der Tennisarm entwickelt sich langsam, so dass die meisten Patienten erst kommen, wenn das Überlastungssyndrom bereits chronisch geworden ist. Eine Therapie kann dann Wochen bis Monate dauern.

Die Mittel der Wahl sind Ruhe und Kühlpads, wenn das nicht hilft auch Physiotherapie und Spritzen, die Verschleiß und Schmerz stoppen sollen. Eine weitere Therapiemöglichkeit: die Röntgenreizbehandlung. Dabei werden die schmerzhaften Sehnen und Muskeln 2 bis 3 mal pro Woche mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung beschossen.

Kontrollierte randomisierte Studien zur Wirksamkeit der Methode fehlen bislang, so dass Experten den Wert der Behandlung anzweifeln. Auch in der Leitlinie für den Tennisarm, entwickelt von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, erscheint die Röntgenreiztherapie unter 12 Varianten der physikalischen Therapie erst als letzte.

Beobachtungsstudien bescheinigen der Methode indes Effekte. So errechnete der Strahlentherapeut Reinhard Heyd vom Klinikum Offenbach in einer 20120 in der Münchner Medizinischen Wochenschrift veröffentlichten Publikation aus 19 Studien folgende Werte: Im Durchschnitt sei der Schmerz bei der Hälfte der Patienten verschwunden, bei einem weiteren Drittel besserte er sich und nur bei 2 von zehn Patienten tat sich gar nichts.

Folgende Wirkmechanismen und Effekte nimmt man für die Röntgentiefentherapie an:

• Antientzündliche Wirkung
• Veränderung von Autoimmunprozessen
• Verhinderung einer überschießenden Gewebeneubildung
• Beeinflussung von Schmerzen

Die Befürchtung, dass die Strahlen Nebenwirkungen haben, lassen sich bislang nicht bestätigen. Weder treten Hautreizungen auf noch regt die niedrig dosierte Strahlung bösartige Tumoren an zu wachsen oder ist gar fruchtschädigend. Die anfallende Strah-lenexposition übersteige die jährliche Strahlenbelastung nur unwesentlich, so Heyd. Dennoch sollte eine Strahlentherapie nur nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung verschrieben werden.


Text: Constanze Löffler