Blick mit der Kamera durch zwei Zahnprothesen auf einen behandelten Zahnarzt und vermittelt den Eindruck des Blicks aus einem geöffneten Mund (Bild dpa)

rbb PRAXIS online - Falscher Alarm

Sie ziehen Zähne, polieren, schleifen und entfernen Zahnstein oder Karies. Sie bringen körperfremde Materialien wie Keramik, Metall oder Chemikalien in den Kiefer ein. Und röntgen den Knochen. Zahnärzte stehen derzeit häufiger in der Kritik - denn nicht selten sollen sie Untersuchungen veranlassen, die unnötig oder gar schädlich sind. So zum Beispiel Röntgenuntersuchungen.

Röntgenuntersuchungen geben im alltäglichen Routinebetrieb Aufschluss darüber, ob beispielsweise der Kieferknochen entzündet ist oder die Weisheitszähne zu viel Platz einnehmen. Zu häufiges Röntgen hingegen soll die Gefahr für einen Tumor namens Meningeome erhöhen. Meningeome sind die häufigsten Gehirntumore. Meist sind sie gutartig, sie können aber auch Druck auf das Gehirn ausüben.

Den erhöhten Krebsverdacht durch zu häufiges Röntgen legt eine Studie nahe, die vor wenigen Wochen von Forschern um Elisabeth Claus von der Yale University in dem Fachmagazin Cancer veröffentlicht wurde. Der Untersuchungen zufolge soll das Krebsrisiko für Menschen, die mindestens einmal im Jahr geröntgt werden, dreimal so groß sein wie für Menschen, die seltener geröntgt werden. Das Risiko war allerdings nur bei häufigen Aufnahmen und einer heute nicht mehr verwendeten Dosis erhöht.

Eingeschlossen in die Fall-Kontrollstudie waren 3000 Probanden: 1.433 Meningeom-Patienten und gesunde 1.350 Kontrollpatienten. Sie wurden zur zahnärztlichen Anamnese und speziellen Röntgenuntersuchungen interviewt. Bei den sogenannten Bissflügelaufnahmen beispielsweise werden gezielt einzelne Zähne geröntgt, während der Patient den Röntgenfilm durch eine bestimmte Bisshaltung kontrolliert. Fast alle Befragten erinnerten sich an solche Aufnahmen, bei einigen waren sie einmal oder häufiger im Jahr durchgeführt worden. Diese hohe Frequenz war in den verschiedenen Altersgruppen mit einem um 40 bis 90 Prozent erhöhten Meningeomrisiko assoziiert. Auch bei Panoramaschichtaufnahmen, die das gesamte Gebiss darstellen, war das Risiko erhöht.

Text: Beate Wagner