Hände einer Therapeutin behandeln das Kniegelenk einer jungen Frau. Quelle: imago

- Was den Knien gut tut

Unsere Knie sind anfällig für Verletzungen und Verschleiß. Sie müssen deshalb gut gepflegt und "gewartet" werden. Was den Knien gut tut, was schadet, und wie Sie sich vor Arthrose schützen können, erklärt rbb Praxis.

Ein Knie muss, je nach Aktivität und Körpergewicht, viel aushalten. Denn die Kraft, mit der die Kniescheibe auf den Oberschenkelknochen wirkt, kann das Körpergewicht um ein Vielfaches überschreiten. Beim Gehen beträgt sie etwa die Hälfte des Körpergewichts, beim Treppensteigen bereits nahezu das dreieinhalbfache Gewicht. Hauptursachen für den Verschleiß der Gelenke, Arthrose genannt, sind Überbelastung und Übergewicht. Aber auch mangelnde Bewegung und angeborene Fehlstellungen des Kniegelenks können zu einem vorzeitigen Verschleiß führen.

Arthrose

Im Laufe des Lebens sind fast alle Menschen mehr oder weniger stark von Arthrose betroffen. Bei dieser nicht-entzündlichen Gelenkerkrankung werden die Gelenkknorpel durch Abnutzung geschädigt oder zerstört. Bei rund 80 Prozent der über 50-Jährigen tritt der Gelenkverschleiß auf. Am häufigsten ist das Knie betroffen - dann spricht man von Gonarthrose. Eine Heilung ist zwar nicht möglich. Die Beschwerden können aber gelindert und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden.

Mediziner erklärt Modell eines Kniegelenkes, Quelle: rbb

Symptome

Der Gelenkverschleiß ist eine normale Alterserscheinung. Mit zunehmendem Alter nutzt sich der Knorpel ab, der in den Gelenken für einen reibungslosen Bewegungsablauf der aufeinander treffenden Knochen sorgt. Es können jedoch auch junge Menschen an Arthrose erkranken, wenn die Gelenke überstrapaziert werden. Ein typisches Symptom ist der so genannte Anlaufschmerz im Anfangsstadium der Erkrankung: ein stechender Schmerz, der ins Gelenk schießt, wenn es sich nach einer längeren Ruhephase wieder in Bewegung setzt. Mit zunehmendem Gelenkverschleiß werden die Schmerzen chronisch. Ein weiterer Hinweis sind Reibe- oder Knirschgeräusche im Gelenk.

Was hilft?

Entscheidend ist, dass die Kniegelenke entlastet werden. Übergewichtige sollten deshalb dringend abnehmen. Auch orthopädische Hilfsmittel wie Gehstock, Pufferabsätze oder Orthesen können Erleichterung verschaffen. Der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) empfiehlt zudem Krankengymnastik, Massagen, Wärme- und Kältebehandlungen, welche die Muskulatur stärken. Dadurch werden die Kniegelenke besser gestützt. Bei der medikamentösen Therapie kommen hauptsächlich schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel zur Anwendung. In schweren Fällen wird Kortison direkt in die Kniegelenke gespritzt. Sollte die Arthrose sehr weit fortgeschritten sein, muss das Gelenk bei manchen Betroffenen durch eine Endoprothese operativ ersetzt werden.

Trampolinübungen beim Arzt (Quelle: rbb)

Vorbeugung

Im Zentrum jeder Vorsorge und Therapie sollte die Stabilisierung des Gelenks stehen. Denn ein wackeliges Kniegelenk beschleunigt die Abnutzung des Knorpels und somit Arthrose. Bewegung fördert die Durchblutung des Knorpelgewebes und kann sogar bereits bestehende Entzündungsprozesse hemmen. Zu empfehlen sind beispielsweise Hüpfen auf einem Minitrampolin, Zähneputzen auf einem Bein, das Ausbalancieren auf der Stufen- oder Bordsteinkante. Das stärkt die Muskulatur rund ums Knie und verbessert Ihr Geschick. Auch Übungen auf der Power-Plate, einem Vibrationsfitnessgerät, sind geeignet. Moderates Krafttraining, zum Beispiel im Fitnessstudio kann ebenfalls helfen, die Oberschenkelmuskulatur zu kräftigen.

Die Knie im Alltag entlasten

Sitzen: Die Knie werden geschont, wenn ein Stuhl eine hohe Sitzfläche und hohe Armlehnen hat. Beim Aufstehen am besten mit den Armen nachhelfen. Dagegen ist es nicht zu empfehlen, längere Zeit in tiefen Sesseln oder auf niedrigen Bänken zu sitzen.

Hocken: Um die Kniegelenke nicht unnötig zu belasten, möglichst nicht in die Kniehocke gehen. Wenn doch, sollte man sich abstützen, ebenso beim Aufstehen vom Boden.

Gehen: Auch beim Gehen kann man auf Knieschonung achten. Der Orthopäden-Tipp für Alltagsschuhe heißt "Weiche Sohlen, niedrige Absätze". Denn hohe Absätze verstärken den Druck auf die Kniescheibe – das Knie ist über längere Zeit leicht gebeugt. Auch harte Sohlen erhöhen den Belastungsdruck auf das Kniegelenk. Weiche Sohlen dämpfen dagegen den Auftritt der Ferse auf den Boden und damit Stoßbelastungen des Knies.

Sport: Ans Aufwärmen denken. Das versorgt den Knorpel mit Gelenkflüssigkeit und Stöße können besser abgefangen werden. Gefahren fürs Knie lauern bei Sportarten wie Skifahren, Tennisspielen, Fußballspielen; bei Kreuzbandbeschwerden und Arthrose sollten Stop-and-go-Sportarten wie Tennis vermieden werden. Als Alternative bieten sich beispielsweise Radeln, Schwimmen, Walken und Spazierengehen an.


Text: Nadine Bader

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