Hallux Valgus Fußdeformation, Quelle: Cyberprout at fr.wikipedia

rbb PRAXIS - Hallux Valgus: Wenn die große Zehe schief ist

Der Hallux valgus ist eine der häufigsten Fußdeformationen. Mittlerweile weiß man besser, wie er entsteht und wie er sich verhindern lässt.

Der Volksmund kennt viele Redensarten, die sich um die Füße drehen – ein Indiz dafür, wie wichtig sie für uns sind: "Fest mit beiden Füßen auf dem Boden stehen", "auf großem Fuß leben" oder "sich nach etwas die Füße ablaufen". Und doch muten wir unseren Füßen einiges zu. Die Folge: Beschwerden, die von Hühneraugen und Pilzinfektionen über deformierte Füße bis hin zu Durchblutungsstörungen, Gicht und Arthrose reichen. "Die häufigsten Gründe für verformte Füße sind zu viele Pfunde und ungesundes Schuhwerk", sagt Pia Janßen, leitende Sportorthopädin an der Universität Tübingen.

Besonders Frauenfüße sind häufig verformt. Denn wer Highheels trägt, verlagert den größten Teil seines Körpergewichtes auf den Fußballen. Die Sehnen des Vorderfußes leiern aus, neben Spreizfüßen entstehen Ballenzehen oder Hallux valgus, wie Experten die markante Fehlstellung des großen Zehs nennen. Der Ballenzeh ist häufig Veranlagung. "Bis zu 60 Prozent der Betroffenen haben Familienangehörige mit einem Ballenzeh", erklärt Janßen. Ein erblicher Faktor, der eine wichtige Rolle spielt: Die Anlage zu schwachem Bindegewebe, so dass Muskulatur und Knochen den Fuß weniger gut stützen können.

Frau mit Highheels, Quelle: dpa

Die auslösenden Risikofaktoren für den Ballenzeh scheinen sich zwischen Männer und Frauen zu unterscheiden: In einer Studie untersuchten Forscher des Institute for Aging Research in Boston, USA, 600 männliche und weibliche Patienten: Hier waren vor allem Frauen betroffen, die einen niedrigen BMI hatten und hochhackiges Schuhwerk trugen. Bei den Männer traf es häufiger diejenigen mit einem hohen BMI und Plattfüßen. Diese Ergebnisse, so die Autoren, legen die Vermutung nahe, dass der Hallux valgus bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Art und Weise entsteht.

Etwa jeder achte Deutsche klagt über Beschwerden, die ein Ballenzeh verursacht. Zunächst empfinden viele die schiefe Großzehe nur als kosmetisches Problem. Doch mit der Zeit nehmen die dadurch ausgelösten gesundheitlichen Beschwerden zu, allen voran schmerzhafte Druckstellen und Entzündungen. Nach und nach verdrängt der schiefe Großzeh den zweiten Zeh, führt zu Schmerzen im Mittelfuß, und das Großzehengrundgelenk verschleißt. "In frühen Stadien reichen spezielles Schuhwerk mit Einlagen und Pols-terung sowie gezielte Fuß- und Zehengymnastik", so Janßen. Nachts kann eine Hallux-valgus-Schiene angelegt werden, die das weitere Abdriften des großen Zehs nach außen verhindern soll. Nehmen die Beschwerden zu, rät die Expertin zur operativen Korrektur.

Besser jedoch sei es jedoch vorzubeugen: "Schuhe mit stabiler Ferse, beweglichem Vorderfuß und einem nicht zu stark vorgeformten Fußbett sind am gesündesten", sagt Janßen. Die Fußexpertin rät außerdem zu mehr Barfuß laufen: Die Reize aktivieren und stärken die Fußmuskulatur. Zusätzlich stabilisiert das nackte Laufen Sehnen und Bänder.


Text: Constanze Löffler

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