Mann fasst sich an Rücken, Quelle: imago

- Hexenschuss: Wenn der Schmerz einschießt

Draußen ist mal wieder Mistwetter und mit einem Mal schießt ein intensiver, ziehender Schmerz vom Kreuz bis ins Bein. Die Qual ist so heftig, dass einem die Luft wegbleibt; mühsam schleppt man sich ins Bett. Der Volksmund nennt die Verspannungsschmerzen "Hexenschuss".

Das Weh im Kreuz ist längst Alltag: Mehr als acht von zehn Deutschen klagen wenigstens einmal in ihrem Leben über starke Rückenschmerzen. Jeder zweite von ihnen wird sie nie mehr ganz los. Als Ursache kommen einerseits körperliche Leiden wie beispielweise ein Bandscheibenvorfall oder Ischiasschmerzen in Frage. Doch am häufigsten sorgen schlappe Muskeln und harmlose Verspannungen für das Gejammer. Mangelnde Bewegung und Fehlhaltungen bereiten unserem Rücken den Garaus.

Die Attacke "Hexenschuss" kann so heftig sein, dass den Betroffenen der Atem stockt und sie sich vor Schmerzen kaum mehr rühren kann. In den meisten Fällen liegen den Schmerzen keine gefährlichen Erkrankungen zu Grunde. Statt dessen sind fast immer sind Fehlbelastungen, verspannte Rückenmuskeln oder eine falsche Haltung Schuld.
Vor allem in der kühleren Jahreszeit häufen sich die Klagen. Ein Grund: Wir bewegen uns noch weniger als sonst – und machen es uns statt dessen lieber auf dem Sofa gemütlich.

Zudem stehen Rücken und Seele in direkter Verbindung: Nähert sich also die Weihnachtszeit, können sich Einsamkeit und Überforderung verstärkt bemerkbar machen. In den meisten Fällen können wir selbst wieder Herr über die Pein im Rücken werden: Indem wir gut für unsere Seele und unsere Muskeln sorgen. Beides funktioniert mit körperlicher Bewegung: Spazieren gehen, Schwimmen oder Langlauf stärken nicht nur das Rückgrat, sondern heben Untersuchungen zufolge auch die Stimmung. Normalerweise verschwinden die Schmerzen mit Medikamenten, Wärme und zunehmender Bewegung innerhalb weniger Wochen und Tage wieder.

WAS HILFT

Wärme und Kälte lindern die Beschwerden

Kälte oder Wärme haben sich bei der Behandlung von Rückenschmerzen bewährt. Wärme fördert die Durchblutung beim Hexenschuss und entspannt die Muskeln. Am bekanntesten sind Anwendungen mit Fango. Aber auch ein warmes Bad kann lindern. Badezusätze wie Arnika und Kampfer können die Wirkung steigern. Auch Sauna und Thermalbad tun dem Rücken gut. ABC-Pflaster und durchblutungsfördernde Salben haben eine ähnliche Wirkung.

Bei einer akuten Entzündung wie Ischiasschmerzen oder entzündlichem Rheuma hilft dagegen Kälte. Der Kältereiz verlangsamt die Übertragung von Schmerzsignalen. Außerdem ziehen sich dadurch die Blutgefäße zusammen, so dass das Gewebe weniger durchblutet wird und Schwellungen zurückgehen. Zum Kühlen eignen sich beispielsweise Coolpacks. Diese sollten nie direkten Kontakt mit der Haut haben, sondern in ein trockenes Tuch gewickelt sein, um Erfrierungen zu vermeiden.

Schmerzstopp mit Pille, Nadel und Strom

Akute Schmerzen verschwinden bei 90 Prozent der Patienten mit leichten Schmerzmitteln und Rückentraining innerhalb von vier bis sechs Wochen von selbst. Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure lindern die Schmerzen und haben einen entzündungshemmenden Effekt. Sie sollten jedoch maximal an zehn Tagen im Monat genommen werden.

Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Teufelskralle oder Weidenrindenextrakt können geschluckt werden. Sie sind schwächer wirksam, haben aber auch weniger Nebenwirkungen. Stärkere Schmerzmittel wie die so genannten Cox-2-Hemmer, Kortison oder Opiate sind der ärztlichen Therapie vorbehalten. Die Akupunktur stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Mit Hilfe feiner Nadeln werden Punkte gereizt, die entlang gedachter Bahnen (Meridiane) liegen.

Dadurch sollen Energieflüsse reguliert und in der Folge Beschwerden und Krankheiten geheilt werden. Mit den Nadeln sticht der Behandler direkt am erkrankten Areal, also dem Rücken, als auch an Punkten mit Fernwirkung. Eine große Studie, an der mehrere Krankenkassen beteiligt waren, hat festgestellt, dass Akupunktur bei Rückenschmerzen wirkt. Seitdem übernehmen die Kassen diese Behandlung. Experten beurteilen die Ergebnisse der Studie dennoch kritisch. Sie glauben, dass der enge Kontakt und die Fürsorge bei der Akupunktur verantwortlich für die positive Wirkung des Nadelns sind.

Elektrostimulationsgerät (Quelle: rbb)

Reizender Strom
Mit Hilfe des batteriebetriebenen Gerätes für die transkutane Nervenstimulation (TENS) behandeln sich die Betroffenen ein- bis zweimal täglich für 30 bis 40 Minuten. Elektroden in der Nähe der schmerzenden Bereiche verursachen sanfte Ströme. Die Impulse sollen verhindern, dass die Schmerzreize weitergeleitet werden. Des weiteren steigt die Konzentration von schmerzhemmenden Botenstoffe wie Endorphinen oder Serotonin im Blut. Diese wiederum aktivieren körpereigene schmerzunterdrückende Systeme und senken den Schmerzmittelverbrauch. TENS wirkt zudem durchblutungsfördernd und entspannt die Muskulatur.

Starker Rücken – leichtes Leben
Früher vertraute man bei der Therapie von Rückenschmerzen vor allem auf Schonung, Bettruhe und das Skalpell. Mittlerweile hat sich das komplett geändert: Schmerzmittel helfen in der akuten Situation, damit man sich wieder bewegen kann. Wärmekissen lockern die verkrampfte Muskulatur. Auf Dauer muss die Rückenmuskulatur durch spezielle Übungen und regelmäßige Bewegung wieder in Schwung gebracht werden.

Denn Muskeln wollen gedehnt und bewegt, gewalkt und benutzt werden. Ruhe und Operation sind out, Bewegung und Stärkung der Rückenmuskulatur sind in. Die Art der Bewegung ist dabei egal, Hauptsache, man liegt nicht faul herum. Ist das Kreuz durch Krankengymnastik und gezieltes Training erst einmal gestärkt, kann fast jede Sportart trainiert werden. Egal, ob Judo oder Bauchtanz, Hauptsache, die Muskulatur wird stärker und der Patient ist wieder aktiver.


Beitrag von Constanze Löffler


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