Röntgenbild einer Hüfte (Quelle: rbb)

Die wichtigsten Fragen und Antworten - Hüft-OP: allergische Reaktionen rechtzeitig erkennen

rbb PRAXIS sprach mit Professor Dr. med. Jörg Scholz, HELIOS Klinikum Emil von Behring, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zentrum für Gelenkmedizin.

Worauf muss ich achten, wenn ich eine künstliche Hüfte bekomme? Der behandelnde Arzt sollte erfahren sein. Patienten sollten sich also vor der Operation vergewissern, dass er oder die Klinik schon sehr viele dieser Verfahren angewendet hat. Zudem spricht für den Arzt, wenn er mehrere Verfahren anbietet, also beispielsweise Kunststoff- und Keramikprothesen.

Wann ist der Zeitpunkt für eine Hüftprothese gekommen? Wenn Patienten schmerzbedingt eingeschränkt sind und viele Schmerzmittel nehmen müssen.

Was ist besser, die Schaft- oder Kappenprothese? International werden heute überwiegend Schaftprothesen eingesetzt, Kappenprothesen sind "out". Denn sie haben eine sehr viel höhere Komplikationsrate, durch die Metall- auf Metallpaarung kommt es häufig allergische Reaktionen.

Woraus bestehen Schaftprothesen? Die Hüftprothesen mit Schaft verankert der Operateur im Markraum des Oberschenkelknochens. Der Schaft ersetzt sozusagen den Oberschenkelhals. Es gibt Prothesen mit einer Chrom-Kobalt-Legierung und solche mit Titanlegierungen.

Welche ist für wen geeignet? Die Chrom-Kobalt-Legierung ist die Standardvariante für Prothesen, die einzementiert werden. Schaftprothesesn aus Titan kommen ohne Zementierung aus, sie eignen sich bei Patienten, deren Knochen noch gut reagiert.

Wann kommt es zu einer Allergie? Von der Oberfläche können sich Metalle wie Chrom und Kobalt lösen und in den Körper gelangen. Im Blut kann man sie nachweisen. Das Übertreten von Metallionen ins Gewebe aktiviert das Immunsystem, in der Folge kommt es zu einer allergischen Reaktion. Zur Diagnose wird unter anderem ein spezieller Test (Epikutantest) durchgeführt.

Welche Beschwerden löst eine Implantatallergie auf Nickel, Chrom und Kobalt aus? Neben schmerzenden oder juckenden Hautreaktionen können Gewebsblutungen, Schwellungen oder Wundheilungsstörungen oder die Lockerungen der Prothese Anzeichen sein. Je größer die Gelenkflächen der Metall-auf-Metall-Implantate sind, desto größer ist die Gefahr, dass sie irgendwann ausgetauscht werden müssen. Bei den Kappenprothesen reibt ein Gelenkkopf aus Metall in einer Gelenkpfanne aus Metall - durch Abrieb können dann Kobalt- und Chrom-Ionen freigesetzt werden.

Wie äußert sich eine Allergie auf Prothesenzement? In eher seltenen Fällen finden sich auch allergische Reaktionen auf Bestandteile des Knochenzements: Schmerzen, Ekzeme, Schwellungen, Blutungen.

Wie bekommt der Arzt heraus, ob eine Allergie vorliegt? Hinweise auf eine Allergie muss er konkret erfragen, vor allem, wenn den Patienten die Allergie selbst nicht bekannt ist: Vertragen Sie metallische Uhrenarmbänder? Können Sie Modeschmuck tragen? Oder: Reagieren Sie auf metallische Knöpfe?

Wie wird eine Allergie auf die verschiedene Metalle diagnostiziert? Bei einem Verdacht gibt es verschiedene Tests, die eine Allergie bestätigen können: den Epikutantest, bei dem die potentiellen Allergene oberflächlich in die Haut geritzt werden. Verändert sich die Haut entzündlich, kann das den Verdacht auf eine Allergie untermauern. Auch der Lymphozyten-Transformationstest (LTT) gibt Hinweise.

Warum eignen sie sich nicht als Routinetests vor jeder Hüft-OP? Auch wenn sich Anzeichen für eine Allergie in den Tests zeigen, muss der Patient auf die Endoprothese keineswegs allergisch reagieren. Unklar ist zudem, ob eine bereits bestehende (Metall-)Allergie Voraussetzung für die Abstoßungsreaktion ist oder ob diese erst durch die ständige, aber sehr geringe Freisetzung von Nickel, Kobalt, Chrom oder eines anderen Metall erworben wird.

Wer führt Tests auf bestimmte Metalle und andere in der Prothese enthaltene Stoffe durch? Die Patienten können die Tests bei einem Dermatologen durchführen lassen.

Wer bezahlt das? Die Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Was wird getan, um Allergien auf Metallprothesen vorher zu erkennen? Ärzte müssen eine konkrete und detaillierte Anamnese erheben, also alle Möglichkeiten abfragen. Betsteht der Verdacht auf eine Allergie, entscheidet sich der Arzt sofort für eine Prothese mit Titanlegierung. Das ist bei etwa zehn Prozent der Patienten der Fall.

Stellt der Arzt eine Allergie gegen ein Metall fest, bekommt der Patient automatisch ein Modell aus Titan? Genau, das entscheidet er Operateur vor oder während der Operation, er hat meist alle möglichen Prothesen vorrätig. Für den Patienten ist das nicht mit mehr Aufwand verbunden, er muss auch nicht dazubezahlen.

Übernimmt die Kosten auch die Kasse oder muss der Patient dazuzahlen? Das Krankenhaus bekommt einen bestimmten Satz für die Operation, egal welche Prothese dabei eingesetzt wird. Der Patient hat keine Mehrkosten.

Was ist das Endoprothesenregister? Darin werden alle Patientendaten aufgelistet, ihre Prothesen und die Komplikationen. In Deutschland ist das Register noch in der Erprobung, in Schweden ist es seit Jahren etabliert. Das Endoprothesenregister Deutschand (EPRD) soll als nationales Register die Datengrundlage für eine weitere Verbesserung der Versorgungsqualität schaffen und für mehr Transparenz über die Standzeit (dies ist die Zeit, in der Implantate bis zu einer Wechseloperation funktionstüchtig sind) künstlicher Gelenke sorgen.

Das Gespräch führte Beate Wagner