Stabilisation des Hüftgelenks durch eine Physiotherapeutin, Quelle: imago

- Hüftschmerzen und Bewegung

Bei Hüftschmerzen versuchen Betroffene oft, das Hüftgelenk in einer schonenden Stellung zu halten. Dadurch nimmt jedoch nicht nur die Beweglichkeit des Gelenks ab, auch die Muskulatur wird aufgrund der mangelnden Bewegung geschwächt. Ein Teufelskreis beginnt. Welche Bewegungsformen und Sportarten bei Hüftschmerzen geeignet sind - auch nach einer Hüftgelenk-Operation, erklärt rbb PRAXIS.

Das Hüftgelenk sitzt wie eine Schaltzentrale in der Mitte unseres Körpers. Es muss das Gewicht des Körpers nicht nur tragen, sondern auch ausbalancieren und Bewegungen von den Beinen zum Oberkörper und zurück übertragen. Es ist ein Kugelgelenk mit eingeschränkter Beweglichkeit, ein so genanntes Nussgelenk. Von allen Gelenken im Körper ermöglicht es nach der Schulter den zweitgrößten Bewegungsspielraum. In ihm treffen Becken und Oberschenkelknochen aufeinander. Dabei sitzt der Kopf des Oberschenkelknochens (Hüftkopf) in der Hüftpfanne des Beckens.

Wenn wir gehen, uns drehen und beugen, spielt das Hüftgelenk eine maßgebliche Rolle. Da die Hüftpfanne den Hüftkopf nicht vollständig umschließt, entsteht ein sehr großer Bewegungsspielraum, und zwar in sechs verschiedenen Richtungen: nämlich beim Beugen und Strecken, An- und Abspreizen sowie Innen- und Außendrehen des Beines. Eine Bewegung ist meist eine Kombination dieser verschiedenen Abläufe, etwa beim Aufstehen von einem Stuhl.

Ursachen für Hüftschmerzen

Die häufigste Ursache für Schmerzen an der Hüfte sind Verschleißerscheinungen am Gelenk. Mit zunehmendem Alter findet ein Abbau von gesundem Gelenkknorpel statt. Bei manchen Menschen wird diese Gleit- und Pufferschicht im Gelenk so weit zerstört, dass schließlich Knochen auf Knochen trifft. Das kann starke Schmerzen auslösen. Diese Verschleißkrankheit heißt Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) und tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf. Sie kann aber auch jüngere Menschen betreffen.

Auch unfallbedingte Verletzungen des Gelenks, Über- und Fehlbelastungen und Fehlbildungen des Hüftgelenks (Dysplasiepfannen) schädigen die Knorpeloberfläche. Dieser Verschleißprozess nimmt deshalb seinen Lauf, weil der ausgewachsene Mensch keinen Gelenkknorpel nachbilden kann. Schon bald hält der Knorpel auch den normalen Alltagsbelastungen nicht mehr stand. In der Folge lösen sich Knorpelstücke ab und reizen die Gelenkinnenhaut. Das kann zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut führen. Sie produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit – es entsteht ein Erguss. Durch Spannung der Gelenkkapsel treten vermehrt Beschwerden und Schmerzen auf, man spricht von einer aktivierten Arthrose.

Ein Mann macht Wassergymnastik, Unterwasserperspektive, Quelle: imago

Sport und Bewegung bei Arthrose

Im Anfangsstadium der Erkrankung ist der so genannte "Anlaufschmerz" typisch: ein stechender Schmerz, der ins Gelenk schießt, wenn es sich nach einer längeren Ruhephase wieder in Bewegung setzt. Später werden die Schmerzen chronisch, lassen auch im Ruhezustand kaum nach. Ein Teufelskreis beginnt: Die Betroffenen versuchen oft, das Gelenk in einer schonenden Stellung zu halten. Dadurch nimmt jedoch nicht nur die Beweglichkeit des Gelenks ab, auch die Muskulatur wird aufgrund der mangelnden Bewegung geschwächt.

Zudem ist Bewegung wichtig, um den Gelenkknorpel ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Der Gelenkknorpel ist selbst nicht durchblutet und wird nicht wie anderes Körpergewebe durch das Blut versorgt. Er muss sich deshalb aus der Gelenkflüssigkeit ernähren. Durch Bewegung wird die Durchblutung gefördert und damit auch die Versorgung der Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen. Damit der Knorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann, muss die Gelenkflüssigkeit immer wieder durchmischt werden. Das geschieht durch Bewegung.

Auch wenn man schon an Arthrose erkrankt ist, haben Sport und Bewegung also in vielerlei Hinsicht einen günstigen Einfluss. Wichtig ist die Auswahl der richtigen Sportart, die zur eigenen gesundheitlichen Situation passt. Prinzipiell gilt: Viel bewegen, ohne das Gelenk viel zu belasten. Sportarten mit fließenden Bewegungen wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga sind ideal. Auch zu empfehlen: gezielte Krankengymnastik, die das Gelenk beweglich hält und die Muskulatur kräftigt. Wer eigenständig Sport treibt, sollte beachten: Falsches Training und übertriebener Ehrgeiz können mehr schaden als nutzen. Deshalb vorab mit dem Arzt absprechen und sich vom Arzt selbst oder vom Physiotherapeuten geeignete Bewegungsabläufe zeigen lassen.

Fahrradfahrer fährt bei Sonnenschein durch den herbstlichen Tiergarten, Quelle: imago

Sport nach einer Operation

Auch nach einer Hüftgelenk-Operation ist ein sanftes Sportprogramm empfehlenswert. Es ist wichtig, die hüftumspannende Muskulatur wieder aufzutrainieren und gleichzeitig Überbelastungen zu vermeiden. Als Faustregel gilt: das Sportprogramm vorsichtig und wohldosiert beginnen, Pausen einlegen und langsam die Belastung steigern. Laut Berufsverband der Fachärzte 
für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) konnte in klinischen Studien festgestellt werden, dass bei Ausdauersportarten mit zumindest teilweiser Gelenkbelastung keine gehäuften Implantatlockerungen auftreten. Anders beispielsweise bei Ballspielen: Sportarten, in denen abrupte Stopps und plötzliche Sprünge erforderlich sind, führen eher zu einem frühzeitigen Versagen des Kunstgelenks.

Zu den geeigneten Sportarten gehören laut BVOU Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, Rad fahren, Schwimmen und Tanzen. Ungeeignet dagegen: Alpiner Skilauf, Fußball, Handball, Volleyball, Basketball, Reiten und Tennis. Ein Patentrezept gibt es dem Berufsverband zufolge dennoch nicht. Auch ungünstige Sportarten könnten bei individueller Abwandlung der Techniken durchaus für einen bestimmten Patienten geeignet sein. Vermieden werden sollten prinzipiell Sportarten mit großen Stoßbelastungen, extremen Bewegungsausschlägen und abrupten Richtungswechseln. Patienten sollten sich vom behandelnden Arzt beraten lassen.


Text: Nadine Bader

mehr zum thema

Frauenfüße mit lackierten Nägeln im Wasser, Quelle: dpa

Gelenkverschleiß ist weiblich

Männer und Frauen werden unterschiedlich krank, das weiß man mittlerweile. Dennoch kümmern sich bislang nur wenige Ärzte um die Geschlechterunterschiede in der Medizin. Zu Unrecht, denn selbst bei der Arthrose verschleißen weibliche Gelenke anders als männliche. Und je älter wir werden, desto deutlicher treten auch die Unterschiede zutage. Während sich der Beitrag der kommenden Sendung der rbb PRAXIS mit der Arthrose des großen Zehs beschäftigt, spürt dieser Text den weiblichen Besonderheiten der Arthrose im Allgemeinen auf.