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Der Kreuzbandriss ist die häufigste Knieverletzung – und eine der langwierigsten bei der Heilung. Wer geduldig ist und sich auf eine Auszeit einstellt, kann seine Genesungschancen verbessern.

Alle sechseinhalb Minuten reißt ein Kreuzband
Ein höheres Risiko für einen Kreuzbandriss haben auch Frauen. Warum das weibliche Kreuzband bis zu sieben Mal häufiger knallt als bei Männern, ist nicht bis ins letzte Detail geklärt. Diskutiert werden anatomische Unterschiede, Hormone und Trainingstechniken. "Frauen haben eine dominantere Streck- als Beugemuskulatur und landen dadurch mit Beinen, die gestreckter sind", erklärt Kniegelenkspezialist Weiler. "Der kleinere Beugewinkel absorbiert die einwirkenden Kräfte so abrupt, dass sich die Gefahr eines Risses erhöht." Frauen landen außerdem häufiger in X-Bein-Position als Männer. Ihr Knie knickt dadurch leichter nach innen.

Welcher operative Eingriff ist der Beste?
Der Unfallchirurg empfiehlt, mit der Operation zunächst so lange zu warten, bis Entzündung und Schwellung sich nach einer Verletzung beruhigt haben. Das kann zwischen einer und sechs Wochen dauern. Die Geduldsprobe geht nach dem Eingriff weiter – auch wenn die Rehabilitation normalerweise schon einen Tag später mit zunehmender Streckung und vorsichtiger Beugung beginnt. Regelmäßige Kühlung sorgt dafür, dass das Knie nach dem Eingriff abschwillt. Nach etwa zwei Wochen ist die Wundheilung abgeschlossen. Jetzt wird das Gelenk langsam wieder an die Bewegung herangeführt. "Die Verletzten müssen lernen, ihr Knie wieder richtig zu benutzen", erklärt der Berliner Spezialist. Die Kreuzbandplastik ersetze zwar das Band, nicht aber die unzähligen Nervenenden, die das Gehirn vor der Verletzung über Lage und Funktionen des Gelenks in-formiert haben. "Der Körper muss die mechanische und sensorische Kontrolle erst wieder erlernen." Das kann bis zu neun Monaten dauern.
Nach und nach wird das Knie durch das regelmäßige Training stabiler. Nach etwa einem halben Jahr ist das Kreuzband eingeheilt. "Um eine erneute Ruptur zu verhindern, hilft es, zwei bis drei Mal pro Woche Koordination und Kraft zu trainieren", empfiehlt Weiler. "Je stabiler das Knie ist, desto weniger wahrscheinlich dreht es sich erneut ungünstig weg." Ein Training auf instabiler Unterlage eignet sich besonders gut, um neuerliche Verletzungen des Kniegelenkes zu verhindern. Skandinavische Studien konnten zeigen, dass die Verletzungsgefahr für Frauen niedriger ist, wenn sie das Landemanöver korrekt trainieren. Die Kreuzbandrissrate konnte so gesenkt werden.
Text: Constanze Löffler


