Laufende Beine (Quelle: rbb)

- Wenn die Stränge im Knie reißen

Der Kreuzbandriss ist die häufigste Knieverletzung – und eine der langwierigsten bei der Heilung. Wer geduldig ist und sich auf eine Auszeit einstellt, kann seine Genesungschancen verbessern.

Er galt als eines der größten Stürmer-Talente; Mitte März verkündete er dann überraschend seinen Rücktritt: Der englische Fußballer Micheal Owen, bekannt geworden durch Verträge beim 1. FC Liverpool, bei Real Madrid und Manchester United, hört zum Ende der Saison 2013 auf. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland riss sein Kreuzband am rechten Knie; der heute 33-Jährige erholte sich nie mehr richtig von der Verletzung. Mit diesem Schicksal ist Ausnahmespieler "St. Michael" nicht allein: Erst im Januar hatte es beim Leverkusen-Spieler Jens Nowotny "knack" am rechten Knie gemacht – zum zweiten Mal innerhalb einer Saison riss sein Kreuzband.
Fußball 2. Bundesliga - 19. Spieltag (Bild: dpa)

Alle sechseinhalb Minuten reißt ein Kreuzband

Statistisch gesehen passiert das alle sechseinhalb Minuten in Deutschland. Bei etwa jedem Dritten ist zusätzlich ein Meniskus beschädigt, gelegentlich auch noch das Innenband. Seit Jahren nehmen die Kreuzbandverletzungen hierzulande zu. "Vor allem die bessere Diagnostik und das höhere Niveau im Leistungs- und Breitensport sorgen dafür", sagt Andreas Weiler vom Sporthopaedicum Berlin. Besonders gefährdet sind Fuß-, Hand- und Volleyballer sowie Abfahrtsläufer. Obwohl vor allem Ballsportarten riskant sind, entstehen zwei von drei Verletzungen ohne direkte Beteiligung eines Mitspielers. Stattdessen zeigen Studien, dass Kreuzbandrisse im Ballsport am häufigsten bei der Landung nach einem Sprung und während schneller Richtungswechsel auftreten.

Ein höheres Risiko für einen Kreuzbandriss haben auch Frauen. Warum das weibliche Kreuzband bis zu sieben Mal häufiger knallt als bei Männern, ist nicht bis ins letzte Detail geklärt. Diskutiert werden anatomische Unterschiede, Hormone und Trainingstechniken. "Frauen haben eine dominantere Streck- als Beugemuskulatur und landen dadurch mit Beinen, die gestreckter sind", erklärt Kniegelenkspezialist Weiler. "Der kleinere Beugewinkel absorbiert die einwirkenden Kräfte so abrupt, dass sich die Gefahr eines Risses erhöht." Frauen landen außerdem häufiger in X-Bein-Position als Männer. Ihr Knie knickt dadurch leichter nach innen.
Operation am Kreuzband, Quelle: dpa

Welcher operative Eingriff ist der Beste?

Kaum eine Verletzung heizt die Gemüter von Sportmedizinern und Unfallchirurgen, von Breitensportlern und Profis so an wie der Kreuzbandriss. Unzählige Publikationen beschäftigen sich mit der optimalen Versorgung dieser Verletzung: Konservativ oder Operation per Schlüssellochchirurgie? Operativer Eingriff in Healing Response Technik oder auf herkömmliche Weise? Flicken des gerissenen Kreuzbandes mit einem Stück der Patella- oder der Semitendinosus-Sehne? Die Spezialisten des Sporthopaedicums Berlin bieten alle gängigen Eingriffe an. "Wir stimmen mit jedem Patienten ab, welcher Eingriff der beste für ihn ist", so Weiler.

Der Unfallchirurg empfiehlt, mit der Operation zunächst so lange zu warten, bis Entzündung und Schwellung sich nach einer Verletzung beruhigt haben. Das kann zwischen einer und sechs Wochen dauern. Die Geduldsprobe geht nach dem Eingriff weiter – auch wenn die Rehabilitation normalerweise schon einen Tag später mit zunehmender Streckung und vorsichtiger Beugung beginnt. Regelmäßige Kühlung sorgt dafür, dass das Knie nach dem Eingriff abschwillt. Nach etwa zwei Wochen ist die Wundheilung abgeschlossen. Jetzt wird das Gelenk langsam wieder an die Bewegung herangeführt. "Die Verletzten müssen lernen, ihr Knie wieder richtig zu benutzen", erklärt der Berliner Spezialist. Die Kreuzbandplastik ersetze zwar das Band, nicht aber die unzähligen Nervenenden, die das Gehirn vor der Verletzung über Lage und Funktionen des Gelenks in-formiert haben. "Der Körper muss die mechanische und sensorische Kontrolle erst wieder erlernen." Das kann bis zu neun Monaten dauern.

Nach und nach wird das Knie durch das regelmäßige Training stabiler. Nach etwa einem halben Jahr ist das Kreuzband eingeheilt. "Um eine erneute Ruptur zu verhindern, hilft es, zwei bis drei Mal pro Woche Koordination und Kraft zu trainieren", empfiehlt Weiler. "Je stabiler das Knie ist, desto weniger wahrscheinlich dreht es sich erneut ungünstig weg." Ein Training auf instabiler Unterlage eignet sich besonders gut, um neuerliche Verletzungen des Kniegelenkes zu verhindern. Skandinavische Studien konnten zeigen, dass die Verletzungsgefahr für Frauen niedriger ist, wenn sie das Landemanöver korrekt trainieren. Die Kreuzbandrissrate konnte so gesenkt werden.

Text: Constanze Löffler

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