Illustration, Entstehung eines Tumors. Quelle: imago

- Erblicher Brustkrebs — ein Überblick

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Durchschnitt erkrankt jede achte Frau in Deutschland im Laufe des Lebens. Etwa fünf Prozent der Erkrankungen lassen sich auf einzelne Genveränderungen zurückführen und kommen somit in Familien gehäuft vor.

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Der Verdacht auf eine erbliche Ursache sollte in einer Spezialsprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs abgeklärt werden. rbb Praxis informiert.

Welche Gene sind ausschlaggebend?

Wenn mehrere Frauen in einer Familie an Brust- und / oder Eierstockkrebs erkranken und die Krankheit schon in jungen Jahren auftritt, kann das darauf hinweisen, dass es sich um eine erbliche Form von Brustkrebs handelt. Bei erblichem Brustkrebs liegt eine Veränderung (Muta- tion) in den so genannten BReast-CAncer-1 (BRCA1)- oder BReast-CAncer-2 (BRCA2)-Genen vor. Im Vergleich zu Frauen erkranken Männer selten an Brustkrebs. Aber Veränderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 können auch an männliche Verwandte vererbt und von diesen wiederum an ihre Kinder weitergegeben werden. Männer mit verändertem BRCA1- Gen haben ein leicht erhöhtes Risiko, an Darm- und Prostatakrebs zu erkranken. Bei einer BRCA2-Mutation besteht zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Deshalb empfiehlt die Deutsche Krebshilfe e.V., dass sich in Risikofamilien auch die männlichen Familienmitglieder untersuchen lassen.

In jüngster Zeit haben Forscher noch weitere Gene gefunden, die ebenfalls im Verdacht stehen, Brustkrebs auslösen zu können. Menschen, die ein verändertes Gen tragen, haben ein stark erhöhtes Risiko: Sie können schon vor dem 50. Lebensjahr an Brustkrebs oder auch an Eierstockkrebs erkranken. Sollte ein Risiko vorliegen, ist es genau das: ein Risiko. Es bedeutet nicht, dass es zwangsläufig im Laufe des Lebens zu einer Brustkrebserkrankung kommt.

Konstellationen, die auf ein möglicherweise erhöhtes Brustkrebsrisiko in einer Familie hindeuten können:

Familien mit drei oder mehr Betroffenen, unabhängig vom Alter

Familien mit zwei Betroffenen, davon mindestens eine vor dem 51. Lebensjahr erkrankt

Familien mit einer Betroffenen, vor dem 36. Lebensjahr erkrankt

Familien mit einer beidseitig an Brustkrebs Erkrankten, die erste Erkrankung vor
dem 51. Lebensjahr

Familien mit einer an Brustkrebs Erkrankten und einer an Eierstockkrebs Erkrankten, unabhängig vom Alter

Familien mit einem an Brustkrebs erkrankten Mann und einer an Brust- oder
Eierstockkrebs erkrankten Frau

Familien mit zwei oder mehr an Eierstockkrebs Erkrankten

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Wenn eine oder mehrere der aufgeführten Aussagen für Sie zutreffen, ist ein ausführliches Beratungsgespräch in einer Spezialsprechstunde sinnvoll.


Zur Spezialsprechstunde für familiären Brustkrebs

Ratsuchende können sich in einem der 15 Zentren "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" in Berlin, Köln/Bonn, Dresden, Düsseldorf, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Kiel, Leipzig, München, Münster, Regensburg, Tübingen, Ulm und Würzburg informieren und beraten lassen. In den Zentren arbeiten Gynäkologen, Radiologen, Human- und Molekulargenetiker, Pathologen sowie Psychologen interdisziplinär zusammen. Das Programm umfasst also die gynäkologische, genetische und psychoonkologische Beratung, ein an das individuelle Erkrankungsrisiko angepasstes Früherkennungsprogramm sowie in bestimmten Fällen eine molekulargenetische Testung.

Betroffene sollten vor dem Beratungsgespräch ausführliche Informationen über in der Familie aufgetretene Krebserkrankungen, insbesondere Brust- und Eierstockkrebs, einholen; eine besondere Rolle spielt das Erkrankungsalter der betroffenen Familienmitglieder. In der humangenetischen Beratung wird dann ein detaillierter Familienstammbaum erstellt und die genetischen Aspekte von Brust- und Eierstockkrebs besprochen. Abhängig von der Familiengeschichte sowie der individuellen Situation wird auch über die Möglichkeiten einer genetischen Testung gesprochen. Eine solche Testung ist freiwillig und wird erst nach einer Bedenkzeit von mindestens vier Wochen nach der humangenetischen Beratung durchgeführt.

Zur molekulargenetischen Untersuchung

Veränderte Gene lassen sich mit modernen molekularbiologischen Methoden aufspüren. Mit einer genetischen Testung kann auch eine erbliche Krebsveranlagung untersucht werden, bevor Krebs entsteht. Sich für oder gegen eine solche Untersuchung zu entscheiden, ist für viele nicht einfach. Und die meisten Frauen empfinden die Auseinandersetzung mit der Frage, ob sie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, aus verständlichen Gründen als sehr belastend. Die Beratung und psychologische Unterstützung in der Spezialsprechstunde soll helfen, eine eigene Entscheidung für oder gegen eine molekulargenetische Untersuchung in der Familie zu treffen.

Die Gene BRCA1 und BRCA2 bestehen aus bis zu 8.500 Bausteinen und sind damit relativ groß. Das "Lesen" ihrer Erbinformationen, also die Entschlüsselung der einzelnen DNA-Bausteine, dauert daher entsprechend lange. Darüber hinaus nehmen die Auswertungen einige Zeit in Anspruch. Die Gentests können daher eine Gesamtdauer von mehreren Monaten in Anspruch nehmen.


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