Ein mit einem üppigen Bierbauch ausgestatteter Fußball-Fan (Bild: dpa)

- Gemischte Gefühle

Wenn Männer um die 50 sind, fühlen sie sich manchmal müde, sind schlecht gelaunt und können sich auf nichts konzentrieren. Ihre Muskeln werden schlaffer, der Bauchspeck sichtbar und die Lust auf Sex schwindet dahin. Der häufigste Grund: die sogenannte Midlifecrisis. Heute werden sie auch gern als "Wechseljahre des Mannes" bezeichnet. Denn die typischen Beschwerden ähneln auf den ersten Blick denen der älter werdenden Frau.

Umstritten ist, ob es diese männlichen Wechseljahre wirklich gibt oder alles eine pfiffige Marketingstrategie der Pharmaindustrie ist, die Testosteronpräparate an den Mann bringen will. Zwar schwächelt das starke Geschlecht in dieser Zeit durchaus und befindet sich auf einer hormonellen Talfahrt: Zwischen 35 und 70 Jahren produziert der Mann statt der täglichen sechs bis sieben Milligramm Testosteron jährlich rund ein Prozent freies Testosteron weniger.

Anders als bei der Frau verläuft dieser Prozess aber schleichend über viele Jahre. Die Hormonquelle versiegt nie ganz, so dass Männer zeitlebens zeugungsfähig bleiben. Ob der Frust mit der Lust, die schlechte Laune und der hartnäckige Bauchspeck also wirklich durch die schwindenden Hormone bedingt oder einfach nur Zeichen des natürlichen Alterungsprozesses sind, ist bislang noch nicht geklärt.

Halten Sie sich körperlich und seelisch fit!

Fakt ist, dass Männer die Phase sehr unterschiedlich erleben. Während die einen noch bis ins hohe Alter sexuell aktiv und körperlich fit sind, leiden andere schon mit 40 unter Beschwerden, die mit Testosteronmangel zu tun haben könnten.

Sicher ist außerdem: Psychische und soziale Umstände beeinflussen das Befinden in der Midlifecrisis. Eine erfüllte Partnerschaft kann sie völlig verdecken. Wer in der Zeit beispielsweise den Job oder einen geliebten Menschen verliert, wird hingegen stärker leiden. Umso wichtiger auch für alle Männer: Kümmern Sie sich um sich und halten sich körperlich und seelisch fit!

Wann ist eine Testosteronersatztherapie sinnvoll?

Die meisten Männer jammern übers Älterwerden, die wenigsten beschäftigen sich aber mit den wahren Ursachen. Denn auch wenn mit den Jahren weniger Testosteron produziert wird, sinken die Werte bei den meisten längst nicht so in den Keller wie oft vermutet. Nur etwa jeder fünfte Mann über 60 hat einen wirklichen Mangel an Testosteron. Ärzte definieren ihn bei Werte unter 12 Nanomol pro Liter Blut. Behandelt werden sollte daher auch nur derjenige, bei dem die Hormone im Blut wiederholt zu niedrig gemessen werden und der Beschwerden hat.

Ihm kann Testosteron gut tun. Denn es

• festigt die Knochen,
• stärkt die Muskeln und lässt Fett schwinden,
• macht wieder Lust auf Sex. Wer allerdings Erektionsprobleme hat, sollte sich von der Testosterontherapie nicht zu viel versprechen.

Macht der sinkende Hormonspiegel keine Symptome, ist kein zusätzliches Testosteron nötig. Denn das Hormon ist weder ein Verjüngungsmittel noch kann es das natürliche Altern verhindern. Außerdem kann zugeführtes Testosteron die eigene Produktion drosseln. Aufpassen müssen zudem Männer, die bereits einen Prostatakrebs oder Probleme mit der Leber, Durchblutungs- oder Fettstoffwechselstörungen oder ein Schlafapnoesyndrom haben.

Was gibt es für Alternativen?

Bringen Sie Ihren eigenen Hormonhaushalt auf Trab: Die üblichen Verdächtigen Alkohol, Übergewicht und Nikotin schaden ihrer Männlichkeit: Zusammen mit Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und neurologischen Störungen wirken sie sich negativ auf die Testosteronproduktion aus: Chronisch Kranke haben zehn bis 15 Prozent weniger Testosteron im Blut als Gesunde.

Essen sie ausgewogen und vor allem nicht zu viel: Denn Bauchfett ist hormonell hochaktiv, die Fettzellen produzieren massenhaft Östrogene, Leptin und Entzündungsfaktoren, alles Stoffe, die eigene Testosteronproduktion drosseln. Und vor allem treiben Sie Sport: Positiver Stress, wie er beim Fitness oder Sex aufkommt, bringt Ihr Testosteron in Höhenflug.

Text von Beate Wagner

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Die meisten Frauen kommen zwischen 45 und 55 Jahren in die Wechseljahre. In dieser Zeit stellt sich das hormonelle System um. Zunächst wird die monatliche Regelblutung unregelmäßig, die Zykluslänge variiert zwischen Wochen bis hin zu Monaten. Dann bleibt die Menstruation ganz aus, die Menopause hat eingesetzt. Grund dafür ist, dass die Funktion der Eierstöcke (Ovarien) langsam nachlässt und die Konzentration der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen auf ein Minimum absinkt.