
rbb PRAXIS -
Babyblues und Depressionen rund um die Geburt des Kindes – das kannte man bisher nur von Frauen. Neueren Studien zufolge findet man diese psychischen Veränderungen aber auch bei Männern. Zum heutigen Internationalen Männertag widmet sich die rbb PRAXIS diesen neuen Erkenntnissen.
Zukünftige und gerade frisch gebackene Väter erkranken überdurchschnittlich oft an einer Depression. Der Auswertung einer amerikanische Studie aus dem Jahr 2010 zufolge leidet etwa jeder zehnte Mann darunter. Damit sind junge Väter anderthalb mal so oft betroffen wie der männliche Durchschnitt, fanden die Kinderärzte James Paulson und Sharnail Bazemore von der Eastern Virginia Medical School in Norfolk, USA, in ihrer Untersuchung heraus. Die Gefahr zu erkranken sei besonders groß, wenn die Kinder zwischen drei und sechs Monaten alt sind.
Die Männer trifft es vor allem dann, wenn die Schwangerschaft ungeplant war, das Baby gesundheitliche Probleme hat oder viel schreit. Auch Väter, deren Kontakt mit den eigenen Eltern schwierig war, erkranken häufiger. "Für sie ist es nicht so einfach, eine emotionale Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen", erklärt Manfred Wolfersdorf, Experte für Männerdepressionen und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Ein weiterer Risikofaktor ist eine Partnerin, die ebenfalls depressiv ist. Schlafmangel und hormonelle Veränderungen tun ihr Übriges. Ein niedriger Testosteronspiegel, das weiß man heute, gilt als Risikofaktor für Depressionen.
Ob Mutter oder Vater - es kann jeden treffen
Eine Depression, egal, ob bei der jungen Mutter oder dem frisch gebackenen Vater, muss behandelt werden. Passiert das nicht, wirkt sich das bald auch auf das kindliche Gemüt aus. "Vor allem bei schweren Erkrankungen können die Folgen fatal sein", sagt Wolferdorf. Denn die elterlichen Stimmungskrisen behindern die Entwicklung des Nachwuchses massiv: Die Kinder gehen seltener und weniger enge soziale Bindungen ein, haben Schwierigkeiten, rechtzeitig die Schulreife zu erlangen und sind psychisch labiler.
Einer im Mai 2012 erschienen Studie zufolge erhöht eine väterliche Depression die Gefahr dafür, dass das Kind vernachlässigt wird. Das Kind zieht sich aufgrund der fehlenden emotionalen Zuwendung zurück und entwickelt Verhaltensauffälligkeiten. Der kranke Vater spürt dies, fühlt sich schuldig – und wird noch depressiver. "Diesen Kreislauf müssen wir therapeutisch durchbrechen", sagt Wolfersdorf. Möglich ist das durch eine Gesprächstherapie, je nach Schwere der Erkrankung mit oder ohne Medikamente. Ergänzende Maßnahmen können Licht- und Ergotherapie, Akupunktur und Bewegung sein.
Je länger eine Depression nicht erkannt und die Behandlung hinausgezögert wird, desto schwieriger lässt sie sich auch behandeln. Möglicherweise brauchen die Männer sogar eigene Therapien, so die Überlegung einiger Experten. Bislang fehlt es noch an männerspezifischen Angeboten. Eine der wenigen Ausnahmen: die Anfang 2011 eröffnete Tagesklinik des Klinikums Wahrendorff in der Nähe von Hannover. Dessen Leiter, Micheal Hettich, war aufgefallen, dass sich Männer in einer gemischten Gruppe seltener äußern und dadurch eher untergehen. In der neuen Tagesklinik sind die Männer deshalb unter sich. Zu erkennen, dass sie nicht die einzigen betroffenen sind, hilft ihnen, über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen.
Väter von Anfang an mehr einbinden
Besser wäre es, wenn Männer derartige Angebote gar nicht erst bräuchten. Eine enge Bindung zum Kind – und zwar bereits während der Schwangerschaft – kann Depressionen verhindern. Eine Mitte des Jahres 2012 im Fachjournal "Midwife" erschienene britische Studie fordert, die Väter in Zeiten von Schwangerschaft und Geburt mehr einzubinden. Denn die neue Familienkonstellation rüttelt mitunter heftig an ihrer Psyche. Die Entscheidung zur Vaterschaft bedeutet letztlich den Abschied vom eigenen Kind sein. Die "Jugend" neigt sich dem Ende zu, die eigene Vergänglichkeit rückt schmerzlich ins Bewusstsein. In speziellen geburtsvorbereitenden Kursen könnte es den Männern gelingen, schreibt Mary Newburn, Abteilungsleiterin für Forschung und Information beim National Childbirth Trust (NCT) in London in der Publikation, sich auf die gravierenden Veränderungen in ihrem Leben vorzubereiten – im Austausch mit anderen Männern, die sich in der gleichen Lebensphase befinden.
Text: Constanze Löffler
Die Männer trifft es vor allem dann, wenn die Schwangerschaft ungeplant war, das Baby gesundheitliche Probleme hat oder viel schreit. Auch Väter, deren Kontakt mit den eigenen Eltern schwierig war, erkranken häufiger. "Für sie ist es nicht so einfach, eine emotionale Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen", erklärt Manfred Wolfersdorf, Experte für Männerdepressionen und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Ein weiterer Risikofaktor ist eine Partnerin, die ebenfalls depressiv ist. Schlafmangel und hormonelle Veränderungen tun ihr Übriges. Ein niedriger Testosteronspiegel, das weiß man heute, gilt als Risikofaktor für Depressionen.
Ob Mutter oder Vater - es kann jeden treffen
Eine Depression, egal, ob bei der jungen Mutter oder dem frisch gebackenen Vater, muss behandelt werden. Passiert das nicht, wirkt sich das bald auch auf das kindliche Gemüt aus. "Vor allem bei schweren Erkrankungen können die Folgen fatal sein", sagt Wolferdorf. Denn die elterlichen Stimmungskrisen behindern die Entwicklung des Nachwuchses massiv: Die Kinder gehen seltener und weniger enge soziale Bindungen ein, haben Schwierigkeiten, rechtzeitig die Schulreife zu erlangen und sind psychisch labiler.
Einer im Mai 2012 erschienen Studie zufolge erhöht eine väterliche Depression die Gefahr dafür, dass das Kind vernachlässigt wird. Das Kind zieht sich aufgrund der fehlenden emotionalen Zuwendung zurück und entwickelt Verhaltensauffälligkeiten. Der kranke Vater spürt dies, fühlt sich schuldig – und wird noch depressiver. "Diesen Kreislauf müssen wir therapeutisch durchbrechen", sagt Wolfersdorf. Möglich ist das durch eine Gesprächstherapie, je nach Schwere der Erkrankung mit oder ohne Medikamente. Ergänzende Maßnahmen können Licht- und Ergotherapie, Akupunktur und Bewegung sein.
Je länger eine Depression nicht erkannt und die Behandlung hinausgezögert wird, desto schwieriger lässt sie sich auch behandeln. Möglicherweise brauchen die Männer sogar eigene Therapien, so die Überlegung einiger Experten. Bislang fehlt es noch an männerspezifischen Angeboten. Eine der wenigen Ausnahmen: die Anfang 2011 eröffnete Tagesklinik des Klinikums Wahrendorff in der Nähe von Hannover. Dessen Leiter, Micheal Hettich, war aufgefallen, dass sich Männer in einer gemischten Gruppe seltener äußern und dadurch eher untergehen. In der neuen Tagesklinik sind die Männer deshalb unter sich. Zu erkennen, dass sie nicht die einzigen betroffenen sind, hilft ihnen, über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen.
Väter von Anfang an mehr einbinden
Besser wäre es, wenn Männer derartige Angebote gar nicht erst bräuchten. Eine enge Bindung zum Kind – und zwar bereits während der Schwangerschaft – kann Depressionen verhindern. Eine Mitte des Jahres 2012 im Fachjournal "Midwife" erschienene britische Studie fordert, die Väter in Zeiten von Schwangerschaft und Geburt mehr einzubinden. Denn die neue Familienkonstellation rüttelt mitunter heftig an ihrer Psyche. Die Entscheidung zur Vaterschaft bedeutet letztlich den Abschied vom eigenen Kind sein. Die "Jugend" neigt sich dem Ende zu, die eigene Vergänglichkeit rückt schmerzlich ins Bewusstsein. In speziellen geburtsvorbereitenden Kursen könnte es den Männern gelingen, schreibt Mary Newburn, Abteilungsleiterin für Forschung und Information beim National Childbirth Trust (NCT) in London in der Publikation, sich auf die gravierenden Veränderungen in ihrem Leben vorzubereiten – im Austausch mit anderen Männern, die sich in der gleichen Lebensphase befinden.
Text: Constanze Löffler


