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Die meisten Frauen kommen zwischen 45 und 55 Jahren in die Wechseljahre. In dieser Zeit stellt sich das hormonelle System um. Zunächst wird die monatliche Regelblutung unregelmäßig, die Zykluslänge variiert zwischen Wochen bis hin zu Monaten. Dann bleibt die Menstruation ganz aus, die Menopause hat eingesetzt. Grund dafür ist, dass die Funktion der Eierstöcke (Ovarien) langsam nachlässt und die Konzentration der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen auf ein Minimum absinkt.
Die hormonelle Umstellung wird von einer Reihe von Beschwerden begleitet: Der Schweiß fließt in Strömen, die Stimmung schwankt, die Haare fallen aus, die Schleimhäute werden trocken. Meist sind die Symptome weniger schlimm als befürchtet. Weil jedoch viele Vorstellungen kursieren, die nicht der Wahrheit entsprechen, haben viele Frauen regelrecht Angst vor den Beschwerden im so genannten Klimakterium.
Über einige Beschwerden trauen sie sich gar nicht zu sprechen, und wenn nur im vertraulichen Gespräch mit ihrer Frauenärztin: Die Wechseljahre können mit häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten und unfreiwilligem Harnabgang (Harninkontinenz) einhergehen. Denn die Scheidenschleimhaut wird mit zunehmendem Alter weniger elastisch und führt zu vermehrter Trockenheit der Scheide. Erreger sammeln sich an und Juckreiz ist häufig. Zudem verlieren die Betroffenen ungewollt Urin, wenn sie beispielsweise husten, niesen oder springen. Diese sogenannte Harninkontinenz entsteht, wenn sich zu dem ohnehin meist schwachen Beckenbodenmuskel noch eine Senkung der Gebärmutter oder der Blase gesellt. Das ist zum Beispiel nach Geburten häufig der Fall. In den Wechseljahren verschlimmert sich der ungewollte Harnabgang, weil die Hormonumstellung das Bindegewebe schwächt und sich der Prozess verstärkt.
Eine Östrogentherapie kann helfen
Oft zeigen sich die Beschwerden erst Jahre nach dem Auftreten anderer typischer Symptome wie Schweißausbruch oder Hitzewallungen. Und nicht immer ist der Hormonmangel Ursache für die Symptome. Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), Harndrang und unkontrollierter Harnabgang treten auch bei jüngeren Frauen auf und gelten nicht als spezifische Beschwerden der Wechseljahre. Sind sie jedoch einmal vorhanden, werden sie mit der Zeit häufiger und haben im Gegensatz zu Hitzewallungen nicht die Tendenz, mit zunehmendem Abstand von der Menopause wieder zu verschwinden.
Eine Östrogentherapie kann die Schleimhaut der Scheide positiv beeinflussen, unabhängig davon, ob sie lokal oder systemisch verabreicht wird. Die Östrogene sorgen für ein gesundes Scheidenmilieu. Sie regen außerdem die Zellvermehrung an und sorgen dafür, dass die Schleimhaut vermehrt durchblutet wird. Inwieweit Östrogene oder die Kombination von Östrogen und Gestagen wiederkehrenden Harnwegsinfekten entgegenwirken können, ist nicht ganz klar. Es ist daher sinnvoll, dass die Patientinnen mit Harnwegsinfekt urologisch behandelt werden.
Eines aber ist klar: Unkontrollierter Harnabgang kann mit einer Östrogentherapie nicht behandelt werden. Betroffene sollten hingegen ihre Beckenbodenmuskulatur mit regelmäßigen Übungen stärken. Hilft dies nicht, müssen andere Medikamente eingesetzt oder sogar ein operatives Verfahren erwogen werden.
Text von Beate Wagner


