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Durchfall ist die häufigste Erkrankung beim Reisen: Etwa jeden dritten Reisenden trifft es – selbst wenn es nur ans Mittelmehr geht. rbb PRAXIS hat mit Dr. Tomas Jelinek über Durchfallerreger gesprochen und wie man sich vor ihnen am besten schützt. Der Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) berät Reisende seit vielen Jahren bei der Vorbereitung auf die schönste Zeit des Jahres.
Was sind die häufigsten Ursachen für Reisedurchfall?
Nicht immer wird die Hygiene im Süden Europas so streng genommen wie hierzulande. Die häufigsten Gründe für Durchfall bei Reisen in den Süden sind deshalb verunreinigte Nahrungsmittel oder Getränke. In der Hitze vermehren sich die Erreger sehr schnell. Meist sind enterotoxische Kolibakterien (ETEC) der Auslöser. Aber auch Salmonellen und Campylobacter oder virale Keime können für eine Magen-Darm-Grippe sorgen.
Die Fußballeuropa-Meisterschaft in der Ukraine und Polen hat begonnen, die Olympischen Sommerspiele in London beginnen Ende Juli. Können Besucher hier auch Durchfall bekommen?
In allen drei Ländern sind die Durchfallraten ähnlich wie bei uns. Allerdings können leichten Formen der Reisediarrhöe auch andere Faktoren wie Stress und die ungewohnte Ernährung ausgelöst. Stress entsteht durch die Hektik bei den Reisevorbereitungen, durch Zeitumstellung und Klimawechsel – oder durch den Kampf ums Ticket. Deshalb kann durchaus auch in London oder Danzig Reisedurchfall auftreten.
Wie kann ich meinen Durchfall selbst behandeln?
Durchfall ist eine wirksame Maßnahme des Körpers, um die Erreger wieder loszuwerden. Normalerweise hört er nach drei bis fünf Tagen wieder auf. Sie sollten in der Zeit vor allem reichlich trinken. Die verloren gegangenen Nährstoffe lassen sich durch eine Rehydratationslösung aus der Apotheke ersetzen. Das Pulver rühren Sie mit abgekochtem Wasser an. Durch Medikamente, die wie Loperamid die Darmtätigkeit drosseln, vermehren sich die Erreger eher. Ich empfehle stattdessen ein Produkt mit den Wirkstoffen Tannin und Ethacridin. Es reduziert die Entzündung, legt eine Schutzschicht auf die Darmschleimhaut und bremst die Durchfälle.
Was halten Sie von der Cola-Salzstangen-Diät?
Bevor man nichts anderes macht, ist diese Diät gar nicht so schlecht. Cola ist in nahezu allen Ländern der Welt abgefüllt und damit keimfrei erhältlich. Die kurzkettigen Kohlenhydrate der Salzstange sind leicht verdaulich. Betroffene können aber genauso gut auch Nudeln, Kartoffel- oder Maisbrei essen.
Wie viel sollte man trinken?
Gut sind bis zu vier Liter am Tag, da der Körper kontinuierlich Flüssigkeit und damit wichtige Mineralstoffe verliert. Stilles Mineralwasser, Kräutertee und verdünnte Fruchtsäfte gleichen diesen Verlust auf sanfte Weise aus. Meiden sollten Sie Kaffee, Milch oder Alkohol.
Gibt es Impfungen gegen Durchfallerkrankungen? Zu welchen raten Sie?
Die einzige Impfung, die wir zurzeit gegen Durchfallerkrankungen haben, ist eine gegen Cholera-Erreger. Sie schützt aber auch vor anderen Durchfallkeimen, so dass ich sie Reisenden in die Türkei oder nach Nordafrika anrate, die nur wenig Zeit für ihren Urlaub haben oder deren Urlaub sehr teuer war. Wer möchte schon von sieben Tagen Freizeit drei oder vier Durchfall haben oder deshalb auf die teure Tauchexpedition verzichten? Viele Reisende sind sehr zufrieden mit der Impfung.
Wie schützt man sich am besten vor Durchfallerkrankungen?
Oberstes Gebot: regelmäßig Hände waschen. Ansonsten gilt die alte Regel "Cook it, peel it or forget it" ("Koch’ oder brate es, schäl’ es oder vergiss’ es".). Getränke – außer frisch gebrühtem Kaffee und Tee - sollten nur aus versiegelten Flaschen und Tetrapacks getrunken werden. Auf kulinarische Genüsse vom Straßenrand oder dem urigen Marktstand sollten Sie besser verzichten. Früchte müssen gewaschen oder geschält werden. Auch länger stehende Buffets können zu Durchfall führen, sollte das Essen ungekühlt sein.
Das Interview führte Constanze Löffler



