
Interview mit Manuela Dahlmann -
Manuela Dahlmann ist 42 Jahre alt. Sie hat ihre Schwägerin und ihren Onkel zu Hause bis zu deren Tod gepflegt. Tod und Geburt lagen immer dicht beieinander: Sowohl beim Tod des einen als auch des anderen war Frau Dahlmann schwanger. rbb PRAXIS hat mit ihr gesprochen.
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Sie hatte also keinen schweren Tod? Nein, nach dem Darmverschluss hatten wir das Gespräch mit Frau Anwar und die hat uns darüber aufgeklärt, dass das noch einmal passieren kann. Danach war Silvia nicht mehr ansprechbar. Sie hat nur noch vor sich hingestarrt, gelegen und geschlafen. Wir wollten sie nicht mehr quälen und haben entschieden, wir lassen sie schlafen und dann kann sie in Ruhe einschlafen. Aber, sie hat teilweise noch reagiert. Sie war wirklich bettlägerig. Mein Onkel konnte ja noch rumlaufen, das war was ganz anderes.
War es ein leichter Tod? Ich denke schon. Sie ist einfach eingeschlafen - und dann lag sie so da und ich wollte ihr wie im Film den Mund zu machen und die Augen, weil sie so halb offen waren. "Absoluter Blödsinn Silvia", habe ich gesagt, das funktioniert überhaupt nicht. Ich bin zum Telefon gegangen und das Festnetztelefon ging nicht. Und mein Handy, das ging auch nicht - da waren irgendwelche Schwingungen. Ich habe geguckt, ob das Fenster auf ist, damit sie auch ja raus kann. Nicht, dass sie nachher hier bleibt. Das waren alles so komische Gedanken, die man da hatte. Meinen Mann, der war beim Nachtdienst, den habe ich angerufen. Der kam dann auch gleich her. Ich habe hier gesessen und eine Kerze angemacht und weiter mit Silvia gesprochen.
War es ein leichter Tod? Ich denke schon. Sie ist einfach eingeschlafen - und dann lag sie so da und ich wollte ihr wie im Film den Mund zu machen und die Augen, weil sie so halb offen waren. "Absoluter Blödsinn Silvia", habe ich gesagt, das funktioniert überhaupt nicht. Ich bin zum Telefon gegangen und das Festnetztelefon ging nicht. Und mein Handy, das ging auch nicht - da waren irgendwelche Schwingungen. Ich habe geguckt, ob das Fenster auf ist, damit sie auch ja raus kann. Nicht, dass sie nachher hier bleibt. Das waren alles so komische Gedanken, die man da hatte. Meinen Mann, der war beim Nachtdienst, den habe ich angerufen. Der kam dann auch gleich her. Ich habe hier gesessen und eine Kerze angemacht und weiter mit Silvia gesprochen.

Wie war das für die Kinder? Die Kinder haben geschlafen. Das Schlimmste war für mich, wie sage ich es Nathalie.
Hat sie sich von ihrer toten Mutter verabschieden können? Ja, ich habe ihr gesagt, sie muss keine Angst haben. Nach einer Stunde hatte sie das entspannte Lächeln und das haben auch andere gesagt. Wenn Menschen ruhig eingeschlafen sind, haben sie ein friedliches Lächeln auf den Lippen
Wie lange war die Schwägerin bei ihnen? Fast zwei Monate. Sechs Tage bevor ihre Tochter Geburtstag hatte, ist sie gestorben. Das wollte sie noch erleben. Da war sie am Kämpfen, Ich habe ihr gesagt, du kannst ruhig einschlafen. Du musst Dir keine Sorgen machen. Das war natürlich auch wichtig für sie. Und die Geburt stand bevor. Am 9.7. kam Silvio. Knapp vier Wochen später.
Und wie lange war Ihr Onkel bei Ihnen? Seitdem wir wussten, dass er Krebs hat, insgesamt ein halbes Jahr. Mit Krankenhausaufenthalten für die Chemotherapie dazwischen - aber ansonsten war er kontinuierlich hier.
War sein Sterben anders? Ja, das war anders, weil er auch ein anderer Typ war und er wusste auch, was auf ihn zukommt. Das war auch das Wundervolle. Man konnte mit ihm darüber reden. Er hatte auch keine Angst vor dem Tod. Er hatte nur Angst davor, zu ersticken. Das war seine größte Angst.
Und ist er erstickt? Das kann ich nicht sagen. Ihm ging es noch richtig super. Die Fußball-WM war und wir wollten noch alle gucken und wir wussten, am nächsten Tag kommt noch meine ganze Familie. Da hat er noch draußen gesessen mit meiner Tochter und meiner Schwägerin. Am Nachmittag ist was passiert bei ihm. Da fing er an, Kissen zu stapeln. Habe ich ihn gefragt, "Helmut, was machst Du denn da?" "Ich will die Kissen richtig machen".
Also, bei meinem Onkel war das schon anders, der war so ein Kämpfer, der hat gerne gelebt. Und so ging das dann los. Er ist abends ins Bett gegangen, ich habe ihn gewaschen und eingeschmiert mit Menthol. Das hat ihm gut getan. Und in der Nacht hat was gepoltert, es war so halb drei, bumbumbum. Die Schmerzpumpe ist immer runtergefallen und auf der Toilette ist er immer zusammengesackt. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Das hat er so von sich gegeben. Beim Pflegeteam habe ich dann wegen der Schmerzpumpe angerufen. Man hat mir alles übers Telefon erklärt - und das ist ja das Tolle, dass sie ja auch nicht immer unbedingt kommen müssen.
Also, bei meinem Onkel war das schon anders, der war so ein Kämpfer, der hat gerne gelebt. Und so ging das dann los. Er ist abends ins Bett gegangen, ich habe ihn gewaschen und eingeschmiert mit Menthol. Das hat ihm gut getan. Und in der Nacht hat was gepoltert, es war so halb drei, bumbumbum. Die Schmerzpumpe ist immer runtergefallen und auf der Toilette ist er immer zusammengesackt. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Das hat er so von sich gegeben. Beim Pflegeteam habe ich dann wegen der Schmerzpumpe angerufen. Man hat mir alles übers Telefon erklärt - und das ist ja das Tolle, dass sie ja auch nicht immer unbedingt kommen müssen.



