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Die Palliativmedizin hat sich zur Aufgabe gemacht, einem schwerkranken Menschen die ihm noch verbleibende Lebenszeit so zu gestalten, dass er sich wohl fühlt. Ganz wichtig ist, dass der Patient keine Schmerzen hat. rbb Praxis hat mit einer Palliativmedizinerin gesprochen sowie mit einer Frau, die Angehörige bis zuletzt zuhause begleitet hat. Es sind beeindruckende Gespräche. - Hier finden Sie auch Hilfestellung für den Fall, dass Sie jemandem den Wunsch erfüllen möchten, zu Hause zu sterben.
Meist gelingt es der Palliativmedizin sogar, dass Menschen mit unterträglichen Schmerzen ihren Wunsch zu sterben dank guter Versorgung wieder aufgeben. Eine Studie in England zeigt, palliativ versorgte Menschen leben besser und drei Monate länger als nicht palliativ versorgte. Der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio fasst einen der Kerngedanken der Versorgung von Sterbenden mit den wenigen Worten zusammen – "Wir müssen lernen, zu unterlassen.“
Ursprung der modernen Palliativmedizin
Die moderne Palliativmedizin ist noch sehr jung – erst 1983 wurde an der Universität Köln die erste Palliativstation Deutschlands gegründet. Die Grundgedanken der modernen Palliativbewegung kommen aus England. Cicely Mary Strode Saunders, eine englische Ärztin und Krankenschwester, gilt neben Elisabeth Kübler-Ross als Begründerin der modernen Palliativmedizin und Hospizbewegung.
1967 eröffnete sie in London das St. Christopher’s Hospice; wo sie 2005 im Alter von 87 Jahren verstarb. Doch arbeitete sie schon seit Anfang der 50er Jahre als Ärztin in einem Hospiz. Ihr Wunsch war, die letzten Tage eines Menschen angenehm zu gestalten. Sterbehilfe lehnte sie ab. Wichtig war für sie auch die Chance, dass sich der Sterbende von seinen Freunden und der Familie verabschieden kann.
1997 erschien erstmals das deutschsprachige Lehrbuch der Palliativmedizin. Der erste Lehrstuhl für Palliativmedizin wurde 1999 in Bonn eingerichtet, in der Folge entstanden weitere Professuren in Aachen, Göttingen, Köln, München und Erlangen. Der erste Lehrstuhl für "Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin" wurde 2008 an der Universität Witten/Herdecke eingerichtet.
Um den Stellenwert der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland zu betonen, die palliativmedizinische Versorgung zu verbessern und die Standards und die Forschung voranzutreiben und zu etablieren, wurde die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ verabschiedet.
In fünf Leitsätzen wurden 2010 zentrale Gedanken festgehalten, verbunden mit der Verpflichtung, die Ziele umzusetzen. Träger der Charta sind die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) und die Bundesärztekammer (BÄK). Gefördert wurde die Konsentierungsphase von 2008 - 2010 durch die Robert Bosch Stiftung sowie die Deutsche Krebshilfe. 2012 und 2013 sollen die Ideen und Projekte umgesetzt werden.
Hospizbewegung
Die Hospizbewegung ist eine "Bewegung von unten" und wird von 80.000 ehrenamtlichen Helfern getragen. Viele sind in der ehrenamtlichen Sterbebegleitung aktiv. Sterbebegleiter sind Gesprächspartner für die Kranken, Entlastung für die Familienangehörigen, manchmal aber auch der einzige Besuch, wenn es keine Angehörigen gibt. Sie kommen überall hin. Kurse zur Ausbildung zum Sterbebegleiter bieten caritative Organisationen oder Hospizverbände an.


