
Interview mit Werner Wesser, MS-Patient -
Dem 65-jährigen Berliner Werner Wesser wurde im September dieses Jahres als einem der ersten deutschen Patienten mit Multiples Sklerose (MS) im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden ein Gehstimulator implantiert. Weltweit ist er der dritte MS-Patient, dem mit dem Stimulator geholfen werden konnte.
Wann wurde bei Ihnen Multiples Sklerose diagnostiziert?
Zum ersten Mal habe ich vor etwa 20 Jahren bemerkt, dass etwas nicht mit mir stimmt. Früh, wenn ich zur Arbeit gegangen bin, war es, als ob ich betrunken bin. So muss es jedenfalls den anderen vorgekommen sein. Ich wankte, mir wurde schwindlig, ich habe die ankommende Straßenbahn nicht gesehen …Meine Hausärztin vermutete zunächst einen Infekt – als es aber nach 14 Tagen nicht besser wurde, schickte sie mich zur Facharztuntersuchung – Augenarzt, HNO und dann zum Neurologen. Der hat mich sofort in ein Krankenhaus eingewiesen und nach verschiedenen Tests und einer MRT-Untersuchung stand dann die Diagnose fest. Ich hatte Multiples Sklerose.

Welche Therapien haben Sie bekommen?
Zunächst bekam ich Cortison. Dadurch verschwanden die gravierenden Beschwerden. Später verordneten die Ärzte dann Betainterferone, die die meisten Patienten mit MS erhalten. Das hat alles gut angeschlagen, aber das Laufen wurde für mich immer schwieriger. Die Auswirkungen der Erkrankung spürte ich immer vor allem beim Gehen. Ich konnte den Fuß nicht mehr richtig anheben, ständig schleifte die Fußspitze auf dem Boden, bremste quasi. Ich bin dadurch oft gestolpert. Dann habe ich das Bein immer nach außen geführt, um quasi die Fußspitze zu umlaufen. Mein Gang wurde immer unsicherer, zum Schluss bin ich gerade mal 200 Meter weit gekommen. Dann musste ich mich hinsetzen. Mit meiner Frau konnte ich gar nicht mehr mithalten.

Wie haben Sie erfahren, dass es für Sie Hilfe gibt?
Meine Frau hat sich am Potsdamer Platz die Ausstellung im Haus des Medizintechnikers Otto Bock angeschaut. Auf einem dort vorgestellten Video eines Patienten hat sie meinen verunglückten Gang wiedererkannt. Und dort auch von Acti-Gate erfahren, jenem System, mit dem man diese Fußheberschwäche korrigieren kann. Wir haben dann bei der Firma angerufen und erfahren, dass die Brandenburgklinik hier in Bernau Patienten testet und prüft, ob sie für dieses neue Verfahren in Frage kommen. Ich habe dann hier angerufen und einen Termin bekommen. Zum Glück sind bei mir alle Test positiv verlaufen. Ich konnte ja eingeschränkt noch laufen , mein Sprunggelenk war nicht versteift und die Nerven im betroffenen linken Bein intakt. So stand einer Implantation des Gehstimulators nichts mehr im Wege.

Der Eingriff ist jetzt über einen Monat her, seit drei Wochen trainieren Sie hier in der Brandenburg-Klinik mit dem implantierten Gehstimulator. Wie geht es Ihnen?
Mir geht es wunderbar, ich bin begeistert. Dass ich einmal wieder so gut laufen kann, hätte ich nicht gedacht. Ich gehe doppelt so schnell wie vorher. Mein Gang ist weitaus flüssiger und sicherer. Ich habe keine Angst mehr, hinzustürzen und habe den Gehstock bereits beiseite gelegt. Meine Gehstrecke hat sich vervierfacht – ich schaffe jetzt fast 500 Meter ohne Pause und kann wieder mit meiner Frau mithalten. Morgen werde ich aus der Reha entlassen und dann mache ich erst einmal einen ausgiebigen Spaziergang mit meiner Frau.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Cornelia Fischer-Börold.

