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Schlaganfall – das ist was für alte Menschen. So denken viele Deutsche. Experten aber rechnen auch in der Altersgruppe unter 40 mit etwa zehn Prozent Betroffenen. Wie der Schlaganfall bei jungen Menschen entsteht und was sie vorbeugend tun können.
Schlaganfall ist vor allem als eine Erkrankung alter Menschen bekannt. Und in der Tat: Rund drei Viertel aller Schlaganfall-Patienten weltweit sind über 70 Jahre alt. Die Hälfte der Betroffenen ist älter als 73 Jahre alt. Was viele Menschen nicht wissen: Auch junge Menschen können daran erkranken, hierzulande ist etwa jeder zehnte Schlaganfallpatient jünger als 40 Jahre. Die Schockdiagnose trifft vereinzelt sogar 20-Jährige. Ein Schlaganfall kann also jeden treffen – vom Säugling bis zum Greis. Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden steigt aber mit zunehmendem Alter.
Die Symptome, mit denen sich die Störung bei jungen Erwachsenen bemerkbar macht, sind die gleichen wie bei älteren Menschen: plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen, Schwindel, Lähmungen oder Taubheitsgefühle. Ist in der Familie aber bereits ein Schlaganfall aufgetreten, sollten junge Menschen regelmäßig zur Vorsorge gehen. Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind anderem Bluthochdruck, Herzfehler, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Wer vorbeugen will, sollte sich regelmäßig bewegen, möglichst nicht rauchen und dazu noch mit der Pille verhüten. Eine Leberzirrhose, Blutbildungsstörungen, entzündete oder missgebildete Blutgefäße oder Drogen wie Kokain, Amphetamine oder Ecstasy erhöhen das Risiko für einen Hirnschlag.

Jede Minute zählt
Aber warum erleiden bereits junge Menschen einen Hirnschlag? Sind andere Ursachen verantwortlich als bei Älteren? Prinzipiell sind die Schlaganfall-Ursachen die gleichen, sie unterscheiden sich nur in ihrer Häufigkeit. Die meisten Schlaganfälle haben ihre Ursache in einem verstopften Gefäß (ischämischer Infarkt). Ein Gerinnsel oder arteriosklerotisch verdickte Gefäße behindern so den Blutfluss. Bei jüngeren Menschen ist seltener die Arteriosklerose die Ursache, viel häufiger ist die Hirnblutung. Bei dem sogenannten hämorrhagischen Schlag wird das Gefäß undicht oder reißt ein. Auslöser können Drogen, eine Kopfverletzung, eine Gefäßaussackung (Aneurysma) oder ein zu hoher Blutdruck sein. Die Folge: Der Blutfluss im zentralen Nervensystem ist behindert. Für jeden vierten Schlaganfall finden die Ärzte trotz aufwendiger Untersuchungen weder die eine noch die andere Ursache.
Wer als junger Mensch einen Schlaganfall erleidet, sieht sich von jetzt auf gleich mit vielen verschiedenen Probleme konfrontiert: Die körperlichen Einschränkungen wie Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen und Sehstörungen führen dazu, dass die Betroffenen weniger bis nicht mehr mobil sind und ihr Alltag oft plötzlich ganz anders aussieht als früher. Ist ihr Sprachzentrum beeinträchtigt, leidet die Kommunikation mit dem sozialen Umfeld. Oft können sie eine Zeitlang nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen – und sich weniger um ihre Familie kümmern. Stattdessen müssen sie sich neu organisieren, sich um eine Rehabilitation, beruflichen Reintegration und (versicherungs-)rechtliche Ansprüche kümmern.
Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, jede Minute zählt, egal in welchem Alter. Wer Symptome an sich selbst oder anderen bemerkt, sollte sofort über die 112 den Rettungsdienst verständigen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe engagiert sich gezielt für junge Schlaganfall-Betroffene und ihre Angehörigen. Sie hat einen Selbsttest erstellt, mit dem jeder sein individuelles Schlaganfallrisiko ermitteln kann: https://www.schlaganfall-test.de/
Weitere Informationen, Alltagstipps und Broschüren bieten die Deutsche SchlaganfallHilfe, die Deutsche SchlaganfallGesellschaft und das Kompetenznetz Schlaganfall.
Text: Beate Wagner




