Ein Mann - traurig und depressiv (Bild: dpa)

- Hilfe in der Traumaambulanz

Ein Gewalterlebnis verändert das Leben schlagartig. Es erschüttert das Sicherheitsgefühl - Symptome wie Ängste, Unruhe oder Alpträume können die Folge sein. Zunächst Zeichen einer normalen Stressreaktion, halten diese Symptome bei manchen Opfern aber länger an und führen zu Folgeerkrankungen. In der Traumaambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus finden Betroffene zeitnah Hilfe.

rbb Praxis sprach mit Dr. Olaf Schulte-Herbrüggen über das Therapieangebot in der Traumaambulanz.

Herr Dr. Schulte-Herbrüggen, wer kann sich an die Traumaambulanz wenden?
Einerseits bietet die Traumaambulanz im Rahmen des Opferentschädigungsgesetztes (OEG) psychotherapeutische Unterstützung für erwachsene Frauen und Männer, die Opfer einer Gewalttat wie z. B. Überfall, Vergewaltigung, Schlägerei, u. ä. geworden sind. Auch Personen, die unter psychischer Belastung als Zeuge einer Gewalttat leiden, können sich melden. Dabei ist das Angebot für die Patienten vorgesehen, die in den letzten Wochen oder Monaten eine Gewalttat erlitten haben. Weiterhin können sich Patienten an die Traumambulanz wenden, die im Rahmen eines Berufsunfalls psychisch belastet sind. Darüber hinaus können sich Patienten mit einer schweren oder chronischer Posttraumatischen Belastungsstörung für die "Intensivierte Traumatherapie" melden.

Was deutet darauf hin, dass ein Betroffener unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidet und Hilfe benötigt?
Es gibt viele verschiedene psychische Reaktionen auf ein Trauma. Eine davon ist die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese ist gekennzeichnet durch verschiedene Symptome wie:

• Intrusionen oder Flashbacks; sie werden häufig durch Farben, Formen, Töne, Gerüche, Körperempfindungen ausgelöst (sogenannte Trigger), die mit der Traumatisierung verknüpft sind. Dabei erleben die Betroffenen unfreiwillig die Situationen der Verletzung mit den dazugehörigen Gefühlen und Sinneseindrücken wieder. Häufig findet diese Form des Wiedererlebens Eingang in den Schlaf, was zu häufigem Erwachen und Alpträumen führt.

• Patienten mit einer PTBS versuchen dabei häufig, dieses Wiedererleben zu vermeiden, indem sie auslösende Situationen meiden. Dabei kommt es zu einer zunehmenden Einschränkung des Handlungsspielraums und der individuellen Freiheit (Vermeidungsverhalten).

• Mit der Zeit stellt sich eine erhöhte Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit, sowie eine zunehmende emotionale Abgestumpftheit und Perspektivlosigkeit ein.

Wie lange dauert es in der Regel, bis eine Besserung bei den Patienten eintritt, die sich an die Traumaambulanz wenden?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Patienten berichten, dass sie nach wenigen Sitzungen einen deutlichen Rückgang der Symptomatik bemerken. In der Traumaambulanz stehen uns fünf bis maximal 15 Therapiestunden zur Verfügung. Bei Berufsunfällen kann auch eine längere Therapie stattfinden. Erfreulicherweise ist dies nur in Ausnahmesituationen notwendig.

Was können Angehörige tun, um zu helfen?
Eine gute Unterstützung besteht einmal darin, Verständnis zu zeigen für die verschiedenen Symptome der Betroffenen. Wenn die Belastung weiterhin besteht, kann eine große Hilfe darin bestehen, der oder den Betroffenen zu unterstützen, Hilfe anzunehmen. Häufig schaffen es Betroffene nur schwer, ein Hilfsangebot aufzusuchen. Da können Angehörige motivieren oder die Telefonnummer heraussuchen.

Ist die Versorgungssituation in Berlin und Brandenburg ausreichend?
Mit der Traumaambulanz der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus haben wir versucht, eine große Lücke im Versorgungsnetz zu schließen. Leider können wir aber aufgrund der Rahmenbedingungen nicht alle Patienten behandeln. Zum Beispiel gibt es viele Betroffene, die aus nachvollziehbaren Gründen weiter in einer Gewaltsituation zum Beispiel im häuslichen Umfeld verbleiben. Das heißt, die Gefahrensituation besteht de facto weiter. Diese Betroffenen können wir im Rahmen der Kooperation mit dem Land Berlin nicht behandeln. Weiterhin können wir keine ambulante Langzeittherapie anbieten. Dies ist manchmal notwendig, insbesondere wenn schon viele Traumatisierungen im Vorfeld stattgefunden haben. Hier besteht weiterhin erhöhter Versorgungsbedarf bei niedergelassenen Psychotherapeuten. In Brandenburg ist die Therapeutendichte noch viel geringer.

Wer übernimmt die Kosten der Behandlung?
In der Ambulanz werden die Kosten vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) übernommen. Damit ist die Behandlung unabhängig vom Versicherungsstatus. Bei Berufsunfällen übernimmt der zuständige Unfallversicherungsträger.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Nadine Bader.

mehr zum thema

Kinder mit bunten Luftballons; Quelle: rbb/Dipl. sc. pol. Henning Vierck

rbb PRAXIS Interview - Was ist eigentlich Glück?

Um das herauszufinden hat die rbb PRAXIS mit Kerstin Taubenheim, Erziehungswissenschaftlerin und Glückspädagogin, gesprochen. Taubenheim leitet eine Glücksschule in Berlin und bietet "Wege zum Glück" als Seminarthema an: