Arzt verweist auf MRT-Bilder eines Schlaganfall-Patienten, Quelle: dpa

rbb PRAXIS - Wenn einen der Schlag trifft

Wer die Risiken für einen Schlaganfall kennt, kann ihn vorbeugen. Wer wachsam ist und die Schlaganfall-Anzeichen kennt, kann rechtzeitig Hilfe holen und so dauerhaften Schäden vorbeugen. Wer in der Rehabilitation kämpft, hat gute Chancen, danach wieder seine alte Form zu erreichen.

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken oder Ulknudel Gaby Köster – wie rund 250.000 Deutsche jährlich haben diese beiden Promis einen Schlaganfall erlebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Patienten haben sie die plötzliche Unterversorgung des Gehirns überlebt, weil ihr Schlaganfall rechtzeitig erkannt wurde. Etwa jede dritte Minute wird hierzulande jemand vom Schlag getroffen; nicht immer wird der lebensbedrohliche Zustand als solcher wahrgenommen. Vor allem Frauen unterschätzen ihr Schlaganfall-Risiko.

Ein Jahr nach dem Ereignis leben noch zwei von drei Patienten. Etwa die Hälfte von ihnen muss mit lebenslangen Einschränkungen zurechtkommen – bis heute rund eine Million Deutsche. Dazu gehören Muskellähmungen, Schwierigkeiten beim Sprechen und Verstehen sowie Gleichgewichtsstörungen. Viele von ihnen sind auf fremde Hilfe angewiesen. Damit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung und Pflegebedürftigkeit.
Arzt verweist auf MRT-Bilder eines Schlaganfall-Patienten, Quelle: dpa

Was beim Schlaganfall passiert

Der Schlaganfall ist die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Nervenzellen erhalten nur noch ungenügend Sauerstoff und Nährstoffe – und sterben ab. Bisher ging man davon aus, dass bestimmte Immunzellen, so genannte neutrophile Granulozyten, nach einem Schlaganfall ins Gehirn einwandern und dort Nervenzellen zerstören. Diese Annahme konnten Wissenschaftler der Universität Münster jedoch jüngst widerlegen. Welche Folgen das auf bewährte Therapiealgorithmen hat, ist noch unklar.

Mediziner unterscheiden zwei verschiedene Formen des Schlaganfalls: den hämorraghischen Hirninfarkt infolge einer Gefäßverletzung und den ischämischen Hirninfarkt, bei dem ein Gefäß verstopft ist. Die Veranlagung für einen Schlaganfall wird oft innerhalb der Familie weitergegeben. So haben Geschwister von Patienten mit einem Schlaganfall ein mehr als doppelt so hohes Risiko, selbst einen zu erleiden. Bislang sucht die Wissenschaft vergeblich nach dem einen Schlaganfall-Gen. Vielmehr scheinen je nach Schlaganfalltyp diverse veränderte Gene und Umweltfaktoren zusammenzuwirken. Ist eine Person Träger mehrerer krankhafter Gene, potenziert sich das Risiko für den Hirnschlag.
Krankenwagen auf einer Landstraße in Eile, Quelle: dpa

Wenn jede Minute zählt

Erfahrungsgemäß gehen an drei Stellen der Rettungskette wichtige Minuten für den Schlaganfallpatienten verloren: Durch die Zeitverzögerung, mit der die Patienten ins Krankenhaus kommen, weil niemand ihren Zustand als Notfall erkannt hat. Weil Patienten in eine Klinik kommen, die einen Schlaganfall nicht optimal versorgen kann, so dass sie verlegt werden müssen. Und die Verzögerung zwischen Ankunft Krankenhaus und Therapiebeginn. Sie sollte im besten Fall unter 60 Minuten liegen.

Je nachdem, wo sich das verstopfte Gefäß befindet und welche Hirnregionen es versorgt, zeigen sich nach einem Schlaganfall unterschiedliche Symptome, die jeden stutzig machen sollten. Lähmungen gehören ebenso dazu wie Seh- und Empfindungsstörungen.
Stroke Unit in Frankfurt/Oder (Quelle: rbb)

Spezialisierte Behandlung

Schlaganfall-Patienten gehören in eine Klinik, bei der es rund um die Uhr möglich ist, einen Schlaganfall zu diagnostizieren. Dazu bedarf es vor allem bestimmter Bildgebungsverfahren. Noch besser sind Kliniken, die mit einer Schlaganfall-Spezialabteilung (Stroke Unit) ausgestattet sind. Mittlerweile gibt es bundesweit über 200 derartige Stationen. Während der Akutphase, also in den ersten ein bis drei Tagen nach einem Schlaganfall, bleiben die Patienten auf der Stroke Unit. Danach werden sie zur Weiterbehandlung auf eine geeignete Station oder direkt in die Reha geschickt.

Erreicht der Patient das Krankenhaus, müssen die Helfer zunächst mittels Computertomographie oder Kernspin unterscheiden, ob Gerinnsel oder ein gerissenes Gefäß der Auslöser für den Schlaganfall war. Im letzteren Fall muss operiert werden, um die Blutung und den zunehmenden Druck im Gehirn zu stoppen. Bei einem durch ein Blutgerinnsel verstopften Gefäß bleiben den Ärzten maximal drei bis vier Stunden, um es mit Hilfe eines speziellen Medikamentes aufzulösen. Das Verfahren nennen die Fachleute Thrombolyse, kurz Lyse. Dafür verwenden die Ärzte Tissue Plasminogen Activator (tPA). tPA aktiviert Plasminogen, einen körpereigenen Stoff, der das Eiweißnetz des Blutpfropfens wieder auflöst.

Spezielle Rehabilitationsverfahren verbessern die motorische Erholung von Schlaganfallpatienten. Zu den Therapiemöglichkeiten während der Rehabilitation gehören:

• Krankengymnastik
• Sprach- und Sprechtherapie
• Arbeits- und Beschäftigungstherapie
• Versorgung mit Hilfsmitteln
• Therapie von Seh- und Wahrnehmungsstörungen
• Kunst- und Musiktherapie
• Wiedereingliederungsmaßnahmen

Viele Menschen gelangen durch eine rasche Behandlung und die sich daran anschließende Reha wieder (fast) zu alten Kräften. Doch Mobilität, Kraft und Sprache wiederzuerlangen bedeutet harte Arbeit. Arbeit, bei der sich die Patienten nicht allein auf das Tun von Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten verlassen sollten. Der Wille, etwas zu verändern, muss von den Patienten selbst kommen.

Text: Constanze Löffler

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