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Ein medizinisches Problem oder ein Notfall auf Reisen können jeden treffen. Verlässliche Informationen über den Gesundheitszustand des Einzelnen können dann mitunter lebensrettend sein.
Wir düsen im Flugzeug um die Welt. Trekken durch tropische Wälder. Und kreuzen mit dem Schiff die Ozeane. Wir Deutschen sind Reiseweltmeister. Besonders gern sind wir in den USA und den europäischen Nachbarländern unterwegs. Aber auch in die Dominikanische Republik, nach Nordafrika und in die Türkei sowie Südostasien gehören laut World Tourism Organisation zu den beliebten Reisezielen. Allein im Jahr 2009 reisten rund 73 Millionen Deutsche ins Ausland. Statistisch gesehen verbringt damit fast jeder Deutsche mindestens einmal im Jahr eine gewisse Zeitspanne in der Ferne.
Zu wenig Vorsorge vor der Reise
Meist sind diese Reisen im Vorfeld sehr gut geplant: mit Reiserücktrittsversicherung oder einer Krankenzusatzversicherung für das Ausland. Häufig kommt dagegen die Vorsorge gegen unerwartete Ereignisse im Ausland zu kurz, die Leib und Leben bedrohen können. Wer im Notfall jedoch eine persönliche Gesundheitsakte besitzt, kann den behandelnden Arzt vor Ort leichter informieren. Die elektronische Akte hält im besten Fall alle wichtigen medizinischen Angaben bereit: Blutgruppe und Allergien, Krankheiten und aktuelle Medikationen. Auch die Kontaktdaten behandelnder Ärzte und Angehöriger lassen sich – je nach Produkt – dort finden
Fehlende Infos verzögern Behandlung im Notfall
"Mangelnde Informationen – beispielsweise hinsichtlich Vorerkrankungen oder Medikamentenun-verträglichkeiten eines Patienten – führen nicht selten zu Verzögerungen oder Fehlern bei einer Behandlung im Ausland“, sagt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Das CRM hat zu diesem Zweck die CRM travel.CARD entwickelt. Damit der behandelnde Arzt im Ausland rasch auf die Daten zugreifen kann, sind diese über drei Medien verfügbar: Eine versiegelte Notfallkarte ("onCard"), eine sichere Internet-Akte ("onWeb") und eine Handy-Applikation ("onMobile"). Auf diese Weise erfährt der Arzt alles Nötige über den Patienten.
Verschiedene Anbieter, verschiedene Formate
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe weiterer Anbieter von Gesundheitsakten für Reisende: Krankenkassen wie die DAK oder die Barmer Ersatzkasse offerieren ihren Versicherten eine solche Akte anzulegen ebenso wie Google oder Microsoft. "Dabei hat der Patient die Verantwortung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen", sagt Stefan Skonetzki-Cheng, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im einfachsten Fall ist das ein Dokument mit einem ärztlichen Bericht, das auf einer Website hinterlegt ist. Bei anderen Anbietern ist ein vorgegebener Anamnese-Bogen hinterlegt, den der behandelnde Arzt zu Hause ausfüllt. Der Vorteil: "Diese strukturierten Daten lassen sich leichter in verschiedene Sprachen übersetzen", sagt Skonetzki-Cheng. Je nach Umfang kostet die Gesundheitsakte zwischen 20 und 100 Euro.
Text: Constanze Löffler

