
rbb Praxis Interview -
Auf der ITB in Berlin, der weltgrößten Reisemesse, geht es diese Woche wieder um die schönsten Reiseziele in der ganzen Welt. Doch damit Sie Ihren wohlverdienten Urlaub genießen können und nicht krank werden, sollten Sie einige Reise-Grundregeln beachten. rbb Praxis sprach darüber mit Dr. Sebastian Dieckmann vom Institut für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité Berlin.
Herr Dr. Sebastian Dieckmann, was empfehlen Sie grundsätzlich zur Reisevorbereitung?
Reisende sollten eine reisemedizinische Beratung wahrnehmen. Viele Hausärzte haben heutzutage eine reisemedizinische Zusatzausbildung und bieten das an. Bei dieser Gelegenheit sollte auch das Impfbuch kontrolliert werden. Denn erstens gibt es das Phänomen, dass bei vielen Menschen die Standardimpfungen – Tetanus, Diphtherie, Polio – längst abgelaufen sind und eine Auffrischung erfahren sollten. Und zweitens gibt es für bestimmte Reiseziele wichtige oder notwendige Impfungen. Zum Beispiel muss bei Reisen in Länder, wo Gelbfieber vorkommt, natürlich auch eine Gelbfieber-Impfung erwogen werden. Hierfür gibt es zertifizierte Impfstellen.
Was sollte mit in die Reiseapotheke?
In die Reiseapotheke gehören Präparate, die man rezeptfrei in der Apotheke bekommen kann. Beispielsweise gegen Durchfall. Es gehören auch Cremes, Gele und Salben gegen Sonnenbrand rein. Sinnvoll sind auch schmerzlindernde Mittel wie Paracetamol, Ibuprofen etc. Des Öfteren wird gefragt, ob nicht auch vorsorglich Antibiotika mitgenommen werden sollen. Antibiotika gehören auf keinen Fall in die Reiseapotheke, weil Antibiotika teilweise schwere Nebenwirkungen hervorrufen können und bei unsachgemäßem Gebrauch das Risiko für Resistenzbildung zu groß ist. Antibiotika gehören grundsätzlich in die Hände von Ärzten. Die sollen und müssen entscheiden, ob ein Antibiotikum nötig ist oder nicht. Bei vielen Erkrankungen helfen Antibiotika auch gar nicht, weil es durch Viren verursachte Krankheiten sind.
Auf was sollten Reisende beim Essen im Urlaub achten, um sich keine Krankheitserreger einzufangen?
Es gibt natürlich diese althergebrachten Ratschläge wie cook it, peel it or forget it. Also entweder kochen, oder schälen oder vergessen. Das ist häufig nicht durchzuhalten. Aber man sollte es versuchen. In einem 5-Sterne Hotel oder Restaurant - da gibt es Untersuchungen - kann einem genauso viel passieren wie sonst wo. Als Empfehlung würde ich sagen: Alles, was heiß ist und dampft, kann man essen. Was auf jeden Fall eine gewisse Gefahr beinhaltet, sind Buffets. Da gibt es häufig auch Dip-Saucen, Mayonnaisen oder Cremes, die dann stundenlang auf so einem Buffet stehen. Und wenn dort Keime eingetragen wurden in diese Lebensmittel, dann haben die an einem Buffet Zeit, sich so zu vermehren, dass sie eine Infektionsdosis erreichen können.
Was ist mit Essen an Garküchen auf der Straße?
Das Essen auf der Straße an Garküchen ist weniger gefährlich, als mancher vielleicht denkt. Denn Sie haben den Vorteil, sehen zu können, was dort gemacht wird. Sie können beispielsweise sehen, wie etwas in den Wok geschmissen und richtig durchgebraten wird, dann ganz heiß auf ihrem Teller landet. Das ist unter Umständen besser, als in ein 5-Sterne-Restaurant zu gehen, wo etwas aus der Küche hergetragen wird und Sie gar nicht nachvollziehen können, wie das zubereitet wurde und auf Ihrem Teller gelandet ist.

Was tun, wenn es einen trotz aller Vorsicht erwischt – häufig treten Reisedurchfälle auf?
Leichte Durchfälle am Urlaubsort gehören häufig dazu. In der Regel ist das nach zwei bis drei Tagen wieder vorbei. Wenn man einen Ausflug plant, kann man die Darmtätigkeit mit rezeptfreien Mitteln aus der Apotheke so bremsen, dass man gut durch den Tag kommt. Ein sehr geeignetes Getränk bei Durchfall ist warmer, leicht gesüßter schwarzer Tee. Der hat eine leicht austrocknende Wirkung auf Schleimhäute. Wenn ich dazu Salzstangen esse, dann habe ich auch Elektrolyte in Form von Salz. Man sollte vermeiden, kalte Getränke zu sich zu nehmen, weil allzu kalt auch einen Reiz auf die Magen-Darmtätigkeit auslösen kann. Wer also zur Cola greift, dann nicht zu kalt und die Kohlensäure möglichst raus quirlen. Denn die Kohlensäure selber ist natürlich nicht geeignet, wenn man eine Durchfallerkrankung hat, weil sie zu Luft im Bauch führt.
Häufig sind auch Reiseerkältungen ein Problem. Was raten Sie zur Vorbeugung?
Ein Aspekt mag dabei der Klimaumschwung sein. Oft fangen sich Reisende auch auf der Hin- oder Rückreise im Flugzeug eine Erkältung ein. Das Problem ist, dass wenig frische Luft ins Flugzeug gelangt. Die Luft in der Kabine wird nur umgewälzt. Viren können sich dort sehr gut verbreiten. Um der Ansteckungsgefahr im Flugzeug entgegenzuwirken, sollte man auf jeden Fall dafür sorgen, dass man warm und gemütlich sitzt. Denn wenn man da friert und vielleicht auch noch kalte Füße hat, erhöht das die Gefahr, sich mit einem Atemwegsinfekt anzustecken.
Wann sollten Urlauber im Krankheitsfall einen Arzt aufsuchen?
Wenn am Urlaubsort Erkrankungen auftreten, die einem Angst machen und die über den leichten Reisedurchfall oder die Reiseerkältung hinausgehen, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Absolute Warnzeichen bei Durchfall sind Fieber und Blutbeimengung im Stuhl. Auch eitrige Entzündungen an der Haut sind Grund, einen Arzt aufzusuchen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Dieckmann!
Das Gespräch führte Nadine Bader.

