ein sich drehender Globus (Foto: dpa)

- Verwirrte Bio-Uhr

Wer in eine neue Zeitzone reist, hat mit Jetlag zu kämpfen. Kein Wunder, denn das komplizierte Regelwerk des menschlichen Tagesrhythmus wird dabei kräftig durcheinander gewirbelt. 

Hintergrund

Grafik: Melatoninausschüttung (Quelle: rbb)

rbb PRAXIS Interview - Guter Schlaf: "In die Wiege gelegt"

Immer mehr Menschen schlafen schlecht, fast jeder Dritte klagt über Einschlaf- oder Durchschlafprobleme. rbb PRAXIS-Autorin Beate Wagner sprach mit der Projektkoordinatorin der Schlafakademie Berlin, Thea Herold.

Wenn Sie aus Europa kommend in Richtung Asien reisen und dabei gleich mehrere Zeitzonen überqueren, dann trifft er Sie fast unweigerlich: der Jetlag. Denn reisen Sie gen Osten, verkürzt sich unser Tag. Die auf der Reise verlorenen Stunden bringen unsere innere Uhr – die übrigens tief im Gehirn sitzt – mächtig durcheinander.

Die Folgen: Mitten am Tag sind Sie müde und des Nachts hellwach. Sie haben keinen Hunger, wenn alle anderen speisen. Sie sind launisch und können sich nicht richtig konzentrieren. Zu allem Übel ist die Verdauung gelähmt und sorgt für Bauchkrämpfe.

Doch was passiert in unserem Körper durch die Zeitverschiebung? Normalerweise sorgt unser interner Zeitmesser dafür, dass wir müde sind, wenn es dunkel ist und dass sich Hunger und Durst zu bestimmten Zeiten melden. Er reguliert auch unsere Körpertemperatur und synchronisiert die Verdauung mit dem Tagesablauf.

Den Takt für den Tagesrhythmus geben verschiedene Hormone und Licht vor. So produziert die Zirbeldrüse des Gehirns während der Nacht vermehrt den Botenstoff Melatonin. Das Melatonin bremst unsere Aktivitäten und macht müde. Licht stellt den Hormonfluss ab. Nach einer langen Flugreise ticken die Zeitgeber mit der neuen Ortszeit nicht mehr im Takt.

Unser Organismus braucht deshalb nach dem Sprung über mehrere Zeitzonen einige Tage, um sich an die neuen Licht- und Aktivitätsmuster zu gewöhnen und unsere innere Uhr wieder auf Spur zu bringen. Pro Stunde Zeitverschiebung brauchen Sie ungefähr einen Tag um sich daran zu gewöhnen. Je älter Sie sind, um so schwerer wird die Umstellung.

Um das Ganze noch komplizierter zu machen: Nicht alle Körperfunktionen stellen sich gleich schnell um. So läuft möglicherweise Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus schon wieder im richtigen Takt, aber Verdauung und Körpertemperatur hinken noch hinterher. Alles zusammen genommen verursacht das psychische und körperliche Chaos, dass wir als Jetlag kennen.

Verträglicher wird es für uns, wenn wir westwärts fliegen. Warum? Obwohl wir normalerweise im 24-Stunden-Takt leben, ist der natürliche Rhythmus unserer Uhr eher auf einen längeren Tag eingestellt – Richtung Westen folgen wir also der natürlichen Richtung unserer inneren Uhr. Uns fällt es einfach leichter, den Tag auszudehnen als ihn zu verkürzen.
Tipps gegen Jetlag:

• Bei Reisen Richtung Osten etwa drei Tage vor der Abreise versuchen, jede Nacht die Einschlafzeit um ein bis zwei Stunden verschieben.
• Vor einem Flug gen Westen, also beispielsweise in die USA, früher ins Bett gehen und zeitiger aufstehen.
• An Bord des Flugzeugs bewegen und reichlich trinken; das weckt die müden Lebensgeister auf der Reise nach Westen. Eiweißreiche Kost wie Fisch, Fleisch oder Milchprodukte helfen, länger wach zu bleiben.
• Kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Kartoffeln, Nudeln und Reis hingegen ermüden.
• Am Ziel den dortigen Zeiten entsprechend aufstehen und sich vor allem am Nachmittag draußen aufhalten. Das verhindert, dass ermüdendes Melatonin ausgeschüttet wird.
• Alkohol oder Koffein vermeiden. Beide verzögern die Umstellung des Organismus auf die neue Zeit. Stattdessen reichlich Wasser trinken.
Text: Constanze Löffler