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Schwindel ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein mögliches Symptom für verschiedene organische Erkrankungen, von Schädigungen des Gleichgewichtsorgans, über zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck und Diabetes bis zu Hirntumoren. Schwindel kann aber auch psychisch bedingt sein, also unter Stress, in bestimmten, meist unangenehm empfundenen sozialen Situationen auftreten, oder mit bestimmten Angsterkrankungen verbunden sein.
So vielfältig die Ursachen, so unterschiedlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Sie reichen von medikamentösen Therapien über physiotherapeutische Behandlungen bis zu chirurgischen Eingriffen. In diesem Scan zeigen wir zwei alternative und bisher wenig bekannte Methoden, die manchen Patienten helfen können, gegen ihre Schwindelattacken anzukämpfen.

Training mit Nintendo Wii
In der HNO-Klinik im Städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel werden Patienten mit organisch bedingtem Schwindel behandelt, vor allem mit Störungen eines der beiden im Innenohr befindlichen Gleichgewichtsorganen. Meist fällt eines der Organe aus, was dann Schwindel verursacht. Dann kann es durchaus helfen, das verbleibende Gleichgewichtsorgan zu trainieren.
Im Rahmen einer stationären Behandlung bietet die Klinik (als Ergänzung zur meist medikamentösen Therapie) manchen Patienten das Training mit einer Nintendo Wii, dem "Wii Fit Plus" an, das mit einer CD in der Spielekonsole, einem PC-Bildschirm, sowie einem dazu gehörenden Balance-Board betrieben wird. Indem der Spieler durch Gewichtsverlagerung nach rechts oder links auf dem Monitor einen Skifahrer durch eine Slalomstrecke lenkt, muss er das Gleichgewicht finden und halten.
Studien haben erwiesen, dass dieses Training auch den teilweisen Ausfall das Gleichgewichtssinns kompensieren und damit schnell und nachhaltig Schwindelattacken verhindern kann. Das System kann zum Preis von ca. 250 Euro gekauft werden. Wer jedoch unter Schwindel leidet und es dagegen nutzen will, sollte unbedingt vorher von einem Arzt die Ursache des Schwindels klären lassen.

Hypnose-Therapie
Moderne medizinische Hypnose-Therapie ist seit Jahrzehnten auch von der Schulmedizin anerkannt, denn sie kann nachweisbar viele körperliche Funktionen, wie Blutfluss, Herzschlagfrequenz, Ausschüttung von Hormonen oder das Immunsystem, aber natürlich auch die Psyche günstig beeinflussen.
Schwindelattacken können eben auch im Zusammenhang mit bestimmten Angsterkrankungen und anderen psychischen Störungen, oder auch als alleiniges Symptom in bestimmten, immer wiederkehrenden Situationen (Prüfungsangst, soziale Situationen etc.) auftreten. Dann kann die medizinische Hypnosetherapie als begleitende oder als alleinige Therapie zur Beseitigung des Schwindels genutzt werden.
Moderne med. Hypnose hat nichts mit "tiefer Bewusstlosigkeit" etc. zu tun, sondern dabei wird der Patient in einen angenehmen, entspannten Zustand zwischen Wachsein und Schlaf versetzt, in dem er weiß, was er tut und mit dem Therapeuten kommunizieren kann (Es kann auch niemand gegen seinen Willen hypnotisiert, oder zu Handlungen gebracht werden, die er nicht beherrschen kann).
Die Hypnose ermöglicht dem Patienten jedoch einen leichten und schnellen Zugang zu seinem Unbewussten. Eine mögliche Schwindelursache kann sein, dass das Unbewusste eben "erlernt" hat, bestimmte unangenehme Situationen immer mit einer Schwindelattacke zu verknüpfen. Während in der Hypnose solche Situationen durchgespielt werden, soll das Unbewusste dann diese Verknüpfung wieder verlernen.
Meist braucht man drei bis fünf Hypnose-Termine, bei denen erstmal die Schwindelursache geklärt und dann behandelt wird. Die Kosten werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Ein Termin kostet (je nach Therapeut) zwischen 80 und 150 Euro.
Text: Susanne Faß




