Während der Schwangerschaft spielen viele Frauen verrückt: Statt einfach normal weiterzuleben, benehmen sie sich wie eine besonders gebrechliche Spezies, fordern von aller Welt Rücksicht auf ihren Zustand oder werden plötzlich zu Vegetarierinnen. Viele Vorsichtsmaßnahmen sind übertrieben. Welche wichtig sind, finden Sie in den folgenden Zeilen.
Alkohol
Schwangere Frauen stopfen hemmungslos Nutella, saure Gurken und Döner in sich hinein – am besten alles zur gleichen Zeit. Doch trinken sie ein Glas Sekt, schüttelt ihre Umgebung verständnislos den Kopf. Die Experten geben den Zweiflern recht: Ein Glas Sekt schadet dem Ungeborenen sicherlich nicht – wenn es dabei bleibt. Weil aber niemand so genau weiß, wo die Schadensgrenze liegt, ist "frau" mit der Null-Promille-Lösung auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wird mit dem Alkohol übertrieben, kann das Kind mit einer so genannten Fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) zur Welt kommen, bei der die Neugeborenen körperlich und geistig behindert sind.
Essen für zwei
Heißhungerattacken in der Schwangerschaft – viele Frauen kennen den ungezügelten Appetit vor allem in den ersten Wochen. Plötzlich schmeckt, was man früher nie anrührte. Dem Appetit auf Salziges folgt die Vorfreude auf etwas Süßes. Doch zu viele Kalorien erhöhen die Gefahr, dass Sie einen Schwangerschaftsdiabetes oder eine Gestose entwickeln, im Volksmund auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Je mehr Kilo Sie im Verlauf der Schwangerschaft auf die Waage bringen, umso mehr müssen Sie mit sich herumschleppen. Das zusätzliche Gewicht zerrt und drückt an Bändern und Gelenken. Das ohnehin schon weichere Gewebe wird noch mehr belastet. Statt für zwei zu essen sollten Sie deshalb lieber auf ausgewogene Kost achten und viel frisches Obst und Gemüse vertilgen. Die Fressattacken sorgen spätestens nach der Geburt für Frust, wenn die Speckröllchen hartnäckig auf den Hüften bleiben.
Fliegen
In den letzten vier Wochen vor der Geburt nehmen Airlines keine Schwangeren mehr mit. Wie weit Ihre Schwangerschaft schon fortgeschritten ist, das wollen die meisten Fluggesellschaften in Form eines ärztlichen Attests wissen. Diese Vorsichtsmaßnahme soll Geburten in luftiger Höhe oder eventuell dadurch notwendig gewordene, kostspielige Landungen verhindern.
Aus ärztlicher Sicht sind der geringere Sauerstoffgehalt der Atemluft in der Höhe, das lange Sitzen mit Thrombosegefahr und die Strahlenbelastung bedenklich. Sauerstoffbedingungen ähnlich wie in 2500 Meter Höhe stören das Kind eigentlich nicht, solange die Schwangerschaft normal verläuft. Andernfalls kann der geringere Sauerstoffgehalt zu Mangelversorgung führen. Während der Schwangerschaft sorgt ein verändertes Gerinnungssystem für ein erhöhtes Thromboserisiko. Deshalb gelten Schwangere als Reisende mit mittlerem Thromboserisiko. Achten Sie während des Flugs auf Bewegungsfreiheit für Ihre Beine, laufen Sie regelmäßig umher und trinken Sie reichlich.
Falls Sie Krampfadern haben, sollten Sie Kompressionsstrümpfe tragen. Besprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, ob er eine medikamentöse Thrombose-Prophylaxe für notwendig erachtet. Wie gefährlich tatsächlich die erhöhte kosmische Strahlenbelastung während eines Fluges für das Ungeborenen ist, darüber gibt es bislang keine eindeutigen Aussagen.
Folsäure & Co.
Empfehlenswert ist die Einnahme von Folsäure – und das am besten schon einige Monate, bevor man schwanger ist. Folsäure verhindert einen offenen Rücken beim Ungeborenen. Im Verlaufe der Schwangerschaft brauchen Sie außerdem eine Extraportion Jod und Eisen, das Sie mit entsprechenden Produkten für Schwangere zu sich nehmen können. Möglicherweise wird Ihr Frauenarzt Ihnen die Einnahme von Vitamin D empfehlen. Vitamin D verbessert die Calciumaufnahme im Körper. Der Körper benötigt den Mineralstoff für die Knochenstabilität und den Knochenaufbau Ihres Kindes.
Listeriose
Listerien sind Bakterien, die praktisch überall in unserer Umwelt vorkommen. Für gesunde Menschen sind die Erreger in der Regel ungefährlich. Ungeborene können jedoch schwer erkranken. Listerien treten – im Gegensatz zu vielen anderen Erregern – über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf über und infizieren wichtige Organe des Kindes wie Leber, Lunge, Hirn und Haut. Mit Listerien infizierte Kinder sterben häufig schon im Mutterleib, oder sie haben nach der Geburt nur geringe Überlebenschancen.
Listerien sind insbesondere in rohem Fleisch, Fisch und aus Rohmilch hergestelltem Käse enthalten. Diese Produkte sollten Sie deshalb während der Schwangerschaft meiden. Achten Sie auch vermehrt auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln: Wärmen Sie keine Essensreste auf, die längere Zeit im Kühlschrank standen. Waschen Sie Gemüse gründlich. Und verzichten Sie auf bereits länger geöffnete Remouladen und Dressings.
Welche Nahrungsmittel sind besonders riskant? - Speisen, die schon länger im Kühlschrank (> 24 Stunden) stehen - rohes Fleisch (Tartar, Mett) - grüne Salate - angebrochene Mayonnaisen und Salatdressings - Produkte aus Rohmilch - Weichkäse wie Romadur, Roquefort, Camembert, Brie etc. (vor allem die Rinde davon) - Frischkäse (Ricotta, Feta) - roher Fisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte
Medikamente
Tabletten und Spritzen sollten Sie in der Schwangerschaft nur zurückhaltend verwenden. Einige Medikamente sind vor allem in den ersten drei Monaten gefährlich, wenn sich der Fötus entwickelt. Andere – wie bestimmte Antibiotika – schädigen in der späten Schwangerschaft die Entwicklung des Kindes. Allerdings kann auch eine unbehandelte Infektion Ihrem Kind schaden oder gar zur Fehlgeburt führen. Grundsätzlich müssen während der Schwangerschaft deshalb Nutzen und Risiko von Medikamenten abgewogen werden. Bei den meisten Erkrankungen gibt es Alternativen zu den Medikamenten, die Ihrem Kind möglicherweise Schaden zufügen würden.
Rauchen
Rauchen in der Schwangerschaft ist ein Tabu! Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin verengt die Blutgefäße im Mutterkuchen und verhindert so, dass das Baby genug Sauerstoff bekommt. Dadurch verlangsamt sich das Wachstum Ihres Kindes. Das Risiko für ein untergewichtiges Kind steigt, körperliche Fehlbildungen wie eine Hasenscharte sind häufiger. Auch das Risiko für Atemprobleme, Infektionen oder eine Frühgeburt nimmt zu.
Das Rauchverbot gilt übrigens auch für Ihren Partner oder andere Mitbewohner und ist nach der Geburt genauso aktuell. Denn aus Studien weiß man, dass Kinder rauchender Eltern häufiger am plötzlichen Kindstod sterben.
Wer Probleme hat, mit dem Rauchen aufzuhören, kann sich an spezielle Beratungsstellen wenden. In der Berliner Charité bietet die Klinik für Geburtsmedizin einen dreitägigen Kurs "Rauchfrei für Mutter & Kind" an. Zu Beginn steht ein ausführliches Einzelgespräch mit individueller Raucherdiagnostik. Danach folgen drei Termine zu je 90 Minuten in der Gruppe. Für den Ersttermin können Sie sich unter der Telefonnummer 030 - 450 564 143 anmelden.
Während der Schwangerschaft müssen Sie keineswegs auf Sex verzichten. Die hormonellen Veränderungen können sowohl zu einer gesteigerten als auch zu weniger Lust führen. Dem Kind schadet der Sex jedenfalls nicht, da Fruchtblase und Gebärmutter das Ungeborene schützen. Der Schleimpfropfen vor dem Muntermund verhindert außerdem aufsteigende Infektionen. Falls Sie Blutungen haben oder die Fruchtblase geplatzt ist, sollten Sie nicht mit Ihrem Mann schlafen. Sitzt Ihr Mutterkuchen sehr tief, so dass die Gefahr für eine Blutung erhöht ist, besprechen Sie mit Ihrerm Frauenarzt, wie Sie sich am besten verhalten sollen. Das Gleiche gilt für eine Muttermundschwäche.
Sport
Bewegung tut gut – auch in der Schwangerschaft. Trainieren Sie am besten die gleichen Sportarten, die Sie schon vorher aktiv betrieben haben. Auch der Umfang sollte nicht mehr als vor der Schwangerschaft sein. Bei Atemproblemen, Schwindel oder anderen Beschwerden legen Sie bei ihren Aktivitäten eine Pause ein. Joggen und andere Ausdauersportarten können die Gelenke, Sehnen und Bänder stark beanspruchen, die sich durch weibliche Östrogene vermehrt lockern und dehnen. Besonders Gelenk schonend sind Schwimmen und Rad fahren.
Seien Sie vorsichtig bei Sportarten wie Reiten oder Ski fahren. Ein Sturz oder ein harter Schlag in den Bauch kann gefährlich für Ihr Baby werden, da sich dadurch die Plazenta lösen kann. Ihre Herzfrequenz sollte während des Trainings nicht höher als 135 bis 140 Schläge pro Minute liegen. Verstärktes Schwitzen und den so erhöhten Flüssigkeitsbedarf gleichen Sie großzügig mit Mineralwasser, Fruchtsaftschorlen und Kräutertees aus.
Toxoplasmose
Mett-Brötchen und Hackepeter ade: Auf rohes Schweinefleisch sollten Sie während der Schwangerschaft verzichten, da es Sie sich sonst eine Toxoplasmose-Infektion zuziehen könnten. Gefährlich für das ungeborene Kind – und damit von der schwangeren Frau unbedingt zu vermeiden – ist eine Erstinfektion mit Toxoplasmose. Beim Kind führen die Erreger zu einem Wasserkopf, zu Leber- und Gehirnentzündungen und damit zu schweren Schädigungen. Auch das rohe Fleisch von Schaf und Ziege ist vom Speiseplan zu streichen. Von Rindern geht dagegen in der Regel keine Infektionsgefahr aus.
Weil Katzen als Überträger gelten, sollten Sie im Umgang mit Katzen zurückhaltend sein. Mit einer einfachen Untersuchung lässt sich im Blut feststellen, ob Sie bereits eine Toxoplasmose-Infektion hatten und damit alle angesprochenen Vorsichtsmaßnahmen hinfällig sind, da das Kind durch Ihre Immunabwehr geschützt ist. Die Blutuntersuchung wird jedoch nicht von den Krankenkassen bezahlt, es sei denn, es besteht der Verdacht auf eine akute Infektion. Die Kosten für den Bluttest liegen bei etwa 50 Euro.
Yoga kann Stress reduzieren, den Verlauf verschiedener Erkrankungen günstig beeinflussen und bei Nacken- und Rückenschmerzen helfen. Auch Schwangere müssen nicht darauf verzichten. rbb PRAXIS hat Patricia Thielemann besucht und sich Übungen zeigen lassen.
Wo entbinde ich mein Kind? Das ist eine der wichtigsten Fragen, mit denen sich Mutter und Vater vor der Geburt ihres Kindes auseinandersetzen. Wir haben Ihnen die Geburtsorte im Großraum Berlin zusammengestellt:
Reisen während der Schwangerschaft? Viele Frauen machen sich dabei Sorgen um ihr Ungeborenes. Beachtet man einige Dinge bei der Urlaubsplanung, kann die Reise aber ohne Bedenken losgehen.
Erich Saling, der "Vater“ der Geburtsmedizin in Deutschland, hat mit seinem Kaiserschnitt-Sparprogramm in den frühen 1980er Jahren versucht, die Zahl der Kaiserschnitte zu reduzieren – vor allem, um das Risiko für die Mütter zu reduzieren. Heute weiß man, dass der Kaiserschnitt auch die Bindung zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen kann.