Broschüren Pränataldiagnostik, Quelle: dpa

Pränataldiagnostik - Mehr als nur Freude

Endlich schwanger. Die zwei zartrosa Striche des Tests geben die ersehnte Gewissheit. Doch die Hochstimmung hält bei vielen Paaren nicht lang an. Besonders bei Schwangerschaften von Frauen über 35 Jahre wird die Freude oft von der Frage getrübt, ob das Baby auch wirklich gesund ist. Für sie beginnt sich nun das Diagnose- und Testkarussell zu drehen.

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Die Nachricht sorgte in den vergangenen Tagen für viel Aufregung: Noch in diesem Monat soll ein neuer Pränataltest eingeführt werden. Er ermöglicht es Frauen unkompliziert zu erfahren, ob ihr Kind eine Trisomie 21 hat, umgangssprachlich auch Down-Syndrom genannt. Um diese häufigste Chromosomenanomalie zu entdecken, brauchten Genetiker bisher kindliche Zellen, die sie per Spitze aus dem Fruchtwasser oder dem Mutterkuchen gewannen.

In bis fünf Prozent der Fälle endete diese Zellentnahme mit einer Fehlgeburt – abhängig von der Erfahrung des Untersuchers und der medizinischen Vorgeschichte der Frau. Für den neuen PraenaTest des Konstanzer Unternehmen LifeCodexx reichen ein paar Tropfen mütterliches Blut für die Diagnose. Der Bund hatte die Entwicklung des Tests gefördert, um riskante Fruchtwasseruntersuchungen zu umgehen. Rund fünfundfünfzig Jahre nach den ersten Pränataltests beginnt damit eine neue Ära in der Pränataldiagnostik.

Die Nachfrage nach Angeboten zur Früherkennung von Krankheiten bei ungeborenen Kindern war in den vergangenen Jahrzehnten rasant gestiegen: Weil unser Wunsch nach Sicherheit größer wird, weil Frauen immer älter sind, wenn sie schwanger werden und weil die Angebote zunehmen.

Weniger Fruchtswasseruntersuchungen, mehr Ersttrimester-Screening

Zunehmend mehr Frauen entschieden sich dabei für das im Jahr 2002 eingeführte Ersttrimester-Screening. Es kombiniert eine Ultraschalluntersuchung des ungeborenen Kindes (Nackenfaltentransparenz) mit einem Bluttest der Mutter. Die Kosten für dieses Screening schwanken je nach Arzt zwischen 90 und 250 Euro. Eine Computersoftware berechnet das Risiko für das Downsyndrom.

Das Screening ist zwar nicht ganz so sicher wie die beiden invasiven Untersuchungen; dennoch verzichten viele Frauen mittlerweile auf die herkömmlichen Untersuchungen: Die Zahlen für riskante Fruchtwasser-Untersuchung und Gewebeproben sind zurückgegangen, stellte eine Studie der Fetal Medicine Foundation Deutschland (FMF) 2010 fest. Innerhalb weniger Jahre wurde etwa ein Fünftel weniger Untersuchungen durchgeführt.

Gezahlt wird nur das Nötigste

Von den Krankenkassen bezahlt werden allerdings nur drei einfache Ultraschalluntersuchungen zwischen 9. und 12., 19. und 22. sowie 29. und 32. Schwangerschaftswoche. Lediglich bei Frauen über 35 Jahre wird eine Fruchtwasseruntersuchung oder das Ersttrimester-Screening übernommen.  

Alle Methoden der Pränataldiagnostik – etwa Bluttests, Screening oder Fruchtwasseruntersuchungen bei jüngeren Frauen oder ein zusätzlicher Ultraschall – müssen aus eigener Tasche beglichen werden, wenn die Schwangerschaft ansonsten unauffällig verläuft. Bereits 85 Prozent der schwangeren Frauen entscheiden sich laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für eine der privat zu zahlenden Untersuchungen.