Fußbad im Bächle, Quelle: dpa

- Schritt für Schritt

Kaum ein Körperteil wird von uns so ignoriert wie unsere Füße. Während wir Bauchmuskeln und Bizeps straffen, ist Fuß-Training kaum jemandem ein Begriff. Dabei sind die Belastungen enorm, die wir unseren Füßen Tag für Tag zumuten.

Zur Arbeit gehen, Treppen steigen, die Einkauftaschen tragen – jeden Tag verlangen wir unseren Füßen Höchstleistung ab. Im Laufe eines Lebens legen sie rund 160.000 Kilometer und damit vier Erdumrundungen zurück. 26 Knochen, 33 Gelenke, zwei Dutzend Muskeln und mehr als 100 Bänder halten einen Fuß zusammen. Ihr ausgeklügeltes Miteinander macht unsere Füße zu einem Wunderwerk der Statik: Die Ferse stabilisiert, der Mittelfuß hält uns beweglich, mit dem Vorfuß rollen wir ab und die Zehen balancieren uns aus.

Doch ungeeignetes Schuhwerk und fehlendes Training ruinieren unsere Füße. Fast die Hälfte der Menschen in westlichen Ländern ist von Fußfehlstellungen betroffen. „Frauen leiden vier bis fünf Mal häufiger an deformierten Füßen als Männer“, sagt Pia Janßen, leitende Sportorthopädin an der Uni Tübingen. Das hat vor allem zwei Gründe: Das Bindegewebe von Frauen ist schwächer, und hormonelle Einflüsse wie Schwangerschaft oder die Wechseljahre machen die Bänder weicher. Diese Faktoren und die nachlassende Elastizität des Gewebes im Alter lassen das Fußgewölbe erschlaffen. Zudem verlieren die Fußmuskeln an Kraft und Beweglichkeit oder verformen sich.

Schmerzen von Fuß bis Kopf

Zu den häufigsten Problemen, die daraus entstehen können, gehören Spreiz-, Platt-, Senk- und Knickfuß. Durch die geschwächten Muskeln sinkt das Gewölbe ein, der Fuß wird breiter und länger, Schmerzen treten auf, die sich sogar bis in die Knie, die Hüfte oder in Rücken und Nacken ziehen können. Überbeine, Hühneraugen, Schleimbeutelentzündungen an Gelenken, Hammerzehen zählen zu den Symptomen, die Orthopäden, Sportmediziner oder Physiotherapeuten behandeln: mit Fußgymnastik, Einlagen oder gar einer Operation.

Doch nicht immer muss mit medizinischen Therapien eingegriffen werden. Jeder kann seine Füße ganz einfach trainieren und ihnen damit etwas Gutes tun. Die einfachste Übung: die Schuhe mehrmals täglich wechseln. Flach oder hoch, breit oder eng – jedes Modell fordert die Fußmuskeln auf individuelle Art. „Unterschiedliche Reize aktivieren die Muskeln auf vielfältige Weise“, sagt Janßen. Laufen, Springen und Tanzen kräftigen Fasern, Sehnen und Bänder. Besonders effektiv ist Seilhüpfen als Kraft- und Geschicklichkeitstraining – idealerweise ohne Schuhe.

Sogar ein Fernsehabend eignet sich zur „Fußtherapie“: Zehen werden beweglicher, indem man mit ihnen gelegentlich den Teppich krault oder imaginäre Klaviertasten anschlägt. Das natürlichste und wirksamste Fußtraining ist jedoch Barfußlaufen: Über Kiesel staksen, durch kalte Bäche waten, Mooskissen ertasten, in feinem Sand versinken oder sich von frisch gemähtem Rasen kitzeln lassen: Temperaturreize und Mikrobewegungen, mit deren Hilfe Füße auf unebenem Gelände Halt finden, stimulieren und kräftigen Muskulatur, Gelenke, Sehnen und Bänder.
Text: Constanze Löffler

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