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Tauchen lernen im Sommerurlaub, warum nicht? Interessierte sollten sich aber vorab mit dem sogenannten Henry-Gesetz beschäftigen. Dann sind Sie theoretisch bestens vorbereitet, wenn Sie die "Taucherkrankheit" erwischt. Die rbb-Praxis erklärt, was dahinter steckt.
Wer in Neopren gehüllt und mit schwerem Gerät auf dem Rücken bepackt in die Tiefe der Meere hinabtaucht, sollte sich Zeit lassen – vor allem, wenn er wieder auftaucht. Denn in einer Wassertiefe von zum Beispiel 40 Metern wirkt ein so starker Druck auf die Lungen, dass das gefährlich werden kann.
Der Grund dahinter ist das sogenannte Henry-Gesetz. Bezogen auf die Taucher bedeutet es: Je stärker der Druck in der Tiefe des Meeres auf die Lunge und den Körper des Tauchers wirkt, desto mehr Stickstoff gelangt durch die Lungenbläschen und winzigen Blutgefäße in das Blut. Vor allem beim Auftauchen kann das zum Problem werden. Denn geschieht das zu schnell, kann der Körper das überschüssige Gas nicht schnell genug wieder abgeben. Der Stickstoff perlt im Blut aus wie Bläschen in einem Glas Champagner.
Sowohl das Ab- als auch das Auftauchen sollten daher mit Bedacht und in mehreren Schritten erfolgen. Gelingt das nicht, droht die Taucherkrankheit. Experten sprechen auch von Dekompressionskrankheit. Dabei entstehen zu viele dieser Stickstoffperlen im venösen Blutgefäßsystem und das Gas kann in den arteriellen Kreislauf übergehen. Leichte Beschwerden der Taucherkrankheit sind ein Kribbeln, eine gerötete Haut, schmerzende Gelenke. Es können aber auch Sehstörungen oder Lähmungen auftreten oder eine gefährliche Gefäßverstopfung.
Erstmals beobachtet wurde die Krankheit übrigens nicht beim Tauchen sondern beim Brückenbau. Damals erhöhte man in einem Senkkasten den Luftdruck so weit, dass Arbeiter im Flussboden im Trockenen arbeiten konnten. Als sie dann plötzlich unter Übelkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und Atemnot litten, schlussfolgerte man, dass das mit den veränderten Druckverhältnissen zusammenhängen musste. Bis heute gilt daher für Taucher: Langsam an die Wasseroberfläche auftauchen.
Text: Beate Wagner



