Mücke saugt Blut aus einem Arm (Quelle: dpa)

- Wenn die Hitze kommt: Fiebererkrankungen durch Mücken

Fast überall, wo es warm ist, sind auch sie da: Mücken. Ihr harmloses Sirren täuscht. Sie können eine Vielzahl von Erkrankungen übertragen.

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Lange galten sie nur wegen ihrer juckenden Stiche und ihres schlafraubenden Sirrens als lästig. Doch Mücken bringen noch viel mehr Ärger mit sich: Die lästigen Viecher können Viren und andere Erreger übertragen. Beispiel Sandmücke: Sie schleppt die Viren des Pappataci-Fiebers mit sich herum, einer grippeähnlichen Erkrankung. Oder die Anophe-les-Mücke: Sie überträgt Malaria-Erreger. Die tagaktive Tigermücke wiederum ist das Reservoir für 20 verschiedene Virensorten, sieben davon sind für den Menschen gefährlich. Dazu gehören etwa West-Nil- und Dengue-Fieber sowie Chikungunya.
Bildmontage: Tigermücke fliegt auf Europakarte zu (Quelle: rbb/dpa)
All das waren ursprünglich tropische Krankheiten, kamen nur in Afrika und Asien vor. Doch mittlerweile gelangen die Erreger übertragenden Mücken auf Umwegen in die von Deutschen beliebten viel näher gelegenen Reiseziele. Denn in Zeiten der Globalisierung sind selbst abgelegene Länder schnell und unproblematisch erreichbar – und damit auch die dort heimischen Mücken und Erreger. Anophelesmücken, die die Malaria verbreiten, reisen im Frachtraum von Flugzeugen um die Welt. Die Tigermücke gelangt per Schiff nach Europa. Einmal hier angekommen, genügen ihr Wasserreste zum Nisten, wie sie in umherliegenden Dosen oder alten Autoreifen zu finden sind. So findet man die tückischen Mücken mittlerweile sogar am Niederrhein – in Gegenden also, in denen die Temperaturen im Winter über Null Grad bleibt.

Malaria in Deutschland, Dengue in Südfrankreich und Kroatien, Chikungunya in Italien – die Viren und ihre Krankheitsfolgen kannte man bislang vor allem aus der tropischen Welt. Kein Wunder, dass kaum ein Hausarzt an solche Erreger denkt, wenn er einheimische Patienten untersucht. Auch wenn die bisher aufgetreten Fälle eher selten sind, sollte man daran denken, dass ein Mückenstich mehr sein kann als eine juckende Quaddel.
Wer also jetzt seine Sommer-Auszeit plant, sollte den Schutz vor Mückenstichen im Blick behalten. Nach wie vor gilt die alte Regel: lange, helle und weite Kleidung bietet einen effektiven Schutz. Die nackten Hautstellen lassen sich am besten durch so genannte Repellents schützen. Sie wehren Mückenstiche für 3 bis 4 Stunden ab. Der Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid) hat sich hier besonders bewährt. Eine Alternative dazu sind die Substanzen Icaridin oder Picaridin. Repellents sollten erst aufgetragen werden, wenn der Sonnenschutz eingezogen ist. Ein dichtes Moskitonetz ohne Löcher schützt in der Nacht vor Mückenstichen. Die optimale Lochgröße der Netze liegt zwischen 1,2 und 1,5 mm. Denken Sie an Ihre Gesundheit – auch wenn es "nur" ins südliche Europa geht.
Tigermücke, Quelle: dpa

Hier steckten Mücken dahinter

Norditalien, Sommer 2007: Immer mehr Bewohner der Kleinstadt Ravenna, gelegen in einer Provinz der italienischen Po-Ebene, klagen über hohes Fieber, gepaart mit Gelenkbeschwerden. Innerhalb kurzer Zeit erkranken weit über 100 Leute. Bald stellt sich heraus: Der Auslöser ist das Chikungunya-Virus. Doch das kennt man bislang eigentlich nur aus Westafrika und Asien. Wie gelangten die Erreger in das Blut der Italiener? Als Überträger ist schnell die Tigermücke ausgemacht, die sich in den vergangenen Jahren über große Teile Italiens ausgebreitet hat. Die Detektivarbeit von spezialisierter Mediziner verfolgt die Infektionskette zurück, erfolgreich. Offenbar war ein indischer Geschäftsreisender, der das Städtchen besucht hatte, mit Chikungunya infiziert. Die Tigermücke sorgte für dessen rasante Ausbreitung.
Côte d’Azur, Herbst 2010: In Nizza erkranken zwei Einheimische am Dengue-Fieber, das eigentlich in den Tropen und Subtropen verbreitet ist – und zwar ohne in letzter Zeit das Land verlassen zu haben. Die Viren stammen vermutlich aus dem Blut der Bewohner des Komoren-Archipels, die vermehrt an der Côte d’Azur leben. Auch bei diesem Virus ist die Tigermücke der Überträger. Nur wenig später erkrankt ein deutscher Kroatienurlauber an Dengue. Das tückische an der Krankheit: Der erste Dengue-Ausbruch verläuft gutartig. Die Betroffenen klagen über Fieber, begleitet von heftigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei einer der nächsten Infektionen können die Patienten dann jedoch schwere innere Blutungen und tödliche Gerinnungsstörungen erleiden.
Ruhrgebiet, Sommer 1997: Ärzte eines Duisburger Kinderkrankenhauses diagnostizieren bei zwei fiebernden Kindern Malaria tropica, die gefährlichste Variante der Tropenkrankheit. Da ist rätselhaft, denn die Kinder waren weder verreist noch haben sie infizierte Bluttransfusionen bekommen. Bald darauf finden die Ärzte bei einem sechsjährigen Mädchen aus Angola ebenfalls Tropica-Erreger. Ihr mildes Fieber – typisch für einigermaßen immune Tropenbewohner – hatten die Ärzte einem Kieferabszess zugeschrieben. In einem Wäldchen nahe der Klinik entdeckt man bald darauf Larven von Anopheles plumbeus, einer einheimischen Mückenspezies, die auch Malaria übertragen kann.

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