Nackte Füße (© dpa-Bildfunk)
Nackte Füße (© dpa-Bildfunk)

- Hyperbare Sauerstofftherapie beim diabetischen Fußsyndrom

Bei Diabetikern erschweren Durchblutungsstörungen die Heilung selbst kleinster Verletzungen. Entsteht dadurch ein diabetisches Fußsyndrom, kann gar eine Amputation drohen. Bei manchen Patienten ist die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) eine Lösung und kann zur Wundheilung beitragen. rbb Praxis sprach darüber mit Oliver Müller, Leiter der Sauerstofftherapie – Überdruckbehandlung am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin.

Herr Müller, für welche Patienten mit diabetischem Fußsyndrom kommt eine Druckkammer-Behandlung in Frage?

Allgemein kann man sagen, dass die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) als zusätzliche Therapieoption erst bei fortgeschrittenen Stadien des diabetischen Fußsyndroms eingesetzt wird. Die Behandlung erfolgt dabei in einem interdisziplinären Therapiekonzept (Fortführung der Standardtherapie, chirurgische Wundpflege, antibiotische Behandlung u.a.). Vor Beginn einer HBO-Therapie erfolgt im Druckkammerzentrum eine Überprüfung auf einen zu erwartenden Therapieeffekt durch eine Messung des Sauerstoffgehaltes in der unmittelbaren Wundnähe unter verschiedenen Bedingungen – das so genannte Wundmapping. Wird dabei keine ausreichende Sauerstoffversorgung unter therapeutischen Bedingungen nachgewiesen, ist diese Methode für den Patienten nicht geeignet.

Wie funktioniert der Heilungsmechanismus bei der Sauerstoffüberdruck-Behandlung des diabetischen Fußes?

Die HBO-Therapie kann in solchen Fällen eingesetzt werden, wo in der Wunde ein Sauerstoffmangel nachgewiesen wurde. Durch die Atmung des Sauerstoffs im Überdruck wird dieser um ein Vielfaches besser im Blutplasma physikalisch gelöst. Damit ist der Transport nicht mehr nur vom roten Blutfarbstoff Hämoglobin abhängig, sondern wird mit dem Plasma in bis zu zwanzigfach höherer Konzentration im Körper transportiert. Die Folge ist eine deutlich verbesserte Versorgung zuvor mangelversorgter Gebiete. In den Zellen selbst werden so Vorgänge reaktiviert, die vom Sauerstoff abhängig sind und zur Wundheilung beitragen.

Überdruckkammer in einem chinesischen Krankenhaus, Quelle: imago

Wie schnell können Heilungserfolge erzielt werden?

Die Stimulation der wundheilungsfördernden Prozesse ist langwierig. Die Behandlung erfolgt daher als Serie von einzelnen Druckkammerbehandlungen in täglicher Folge, wobei mindestens 20 bis 30 solcher Therapien notwendig sind.

Inwiefern bestehen Risiken bei der Behandlung?

Die HBO ist eine allgemein gut verträgliche und sichere Behandlungsmethode. Die häufigste Nebenwirkung wird durch die physikalische Druckerhöhung und die damit verbundene Wechselwirkung mit luftgefüllten Hohlräumen des Körpers verursacht, hier insbesondere dem Mittelohr. Die Folge der Druckerhöhung kann ein Barotrauma - eine Druckverletzung - sein, wenn der Druckausgleich des Mittelohres nicht oder erst zu spät gelingt. Auch ein Barotrauma der Lunge ist bei entsprechend vorerkrankten Patienten möglich. Der Sauerstoff selbst kann unter hyperbaren Bedingungen ebenfalls - wenn auch selten - Nebenwirkungen haben, wie beispielsweise am Nervensystem durch eine Steigerung der Krampfanfallsbereitschaft. Aus diesen Gründen erfolgt generell vor Beginn der Therapie ein ausführliches Aufklärungsgespräch im Druckkammerzentrum sowie eine Untersuchung auf besondere, druckkammerspezifische Risiken.

Vielen Dank für das Interview, Herr Müller.

Das Gespräch führte Nadine Bader.