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Schimmelpilze gehören zu unserer natürlichen Umwelt. Sie spielen sogar eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur. In der Wohnung oder auf Nahrungsmitteln können Schimmelpilze aber die Gesundheit beeinträchtigen und haben dort nichts zu suchen. rbb PRAXIS informiert.
Schimmelpilze tragen zum Abbau von organischen Materialien bei und sind überall in unserer Umwelt vorhanden. In der Natur findet man eine erhöhte Konzentration von Schimmelpilzen u. a. auf Blätterhaufen, Kompost und Brennholzstapeln. Dort ernähren sich die Schimmelpilze von toter organischer Substanz.
Schimmelpilze leisten also insofern einen wichtigen Beitrag in der Natur, als sie beispielsweise das morsche Holz in den Wäldern zersetzen - sie sind quasi die Müllabfuhr. Bei der Wahl ihrer Nahrung sind Schimmelpilze nicht wählerisch. Im Prinzip kann jedes Material, das organische Bestandteile enthält, befallen werden: Holz, Papier, Tapeten, Lebensmittel etc. Bis zu einem gewissen Grad sind wir an Schimmelpilze und ihre Stoffwechselprodukte also durchaus gewöhnt

Schimmel in Wohnräumen
Die Sporen von Schimmelpilzen sind auch in Innenräumen vorhanden. Normalerweise sind sie harmlos. Es kann aber zu einem Wachstum von Schimmelpilzen kommen, wenn die Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen. Dann entsteht sichtbarer Schimmelbefall. Übersteigt die Schimmelpilzkonzentration ein bestimmtes Maß, kann es zu gesundheitlichen Problemen für die Bewohner kommen, warnt das Umweltbundesamt.
So weisen zahlreiche Studien auf einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Schimmelpilzen und Atemwegsbeschwerden hin. Denn Sporen und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können, über die Luft eingeatmet, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Die häufigsten Symptome sind Bindehaut-, Hals- und Nasenreizungen sowie Husten, Kopfweh oder Müdigkeit. Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) kommen nur sehr selten und nur bei besonders stark immungeschwächten Personen vor.
In keiner der Studien konnte bislang festgestellt werden, ab welcher Konzentration an Schimmelpilzen in der Luft mit gesundheitlich negativen Auswirkungen gerechnet werden muss. Das Umweltbundesamt rät jedoch grundsätzlich: Wenn Sie befürchten, dass in Ihrer Wohnung eine Schimmelpilzquelle vorhanden ist, die Ihre Gesundheit beeinträchtigen könnte, dann lassen Sie sich in jedem Fall von Ihrem zuständigen Gesundheitsamt oder Ihrer Verbraucherschutzzentrale beraten.
Leiden Sie bereits unter gesundheitlichen Beschwerden, von denen Sie befürchten, dass Sie mit Schimmelpilzwachstum in Ihrer Wohnung zusammenhängen können, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder an ein umweltmedizinisches Zentrum. Auch geringe Schimmelpilzquellen sollten zum vorbeugenden Gesundheitsschutz beseitigt werden.
Eine Schimmelpilzsanierung ohne Beseitigung der Ursachen ist allerdings nicht sinnvoll, da früher oder später mit einem erneuten Schimmelpilzwachstum zu rechnen ist. Daher ist es unerlässlich, die Ursachen für das Schimmelpilzwachstum, insbesondere den möglichen erhöhten Feuchteeintritt, zu klären.

Allergiker oder Patienten mit chronischen Erkrankungen der Atemwege sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten keine Sanierungsarbeiten "in Eigenregie" durchführen. Bei umfangreichen Sanierungen sollten gewerbliche Firmen beauftragt werden, die mit den hierbei auftretenden Gefahren, den erforderlichen Schutzmaßnahmen und den zu beachtenden Vorschriften vertraut sind. Generell gilt:
*** Schimmelpilze nicht mit bloßen Händen berühren – Schutzhandschuhe tragen!
*** Schimmelpilzsporen nicht einatmen – Mundschutz tragen!
*** Schimmelpilzsporen nicht in die Augen gelangen lassen – Schutzbrille tragen!
*** Nach Beendigung der Sanierung duschen und Kleidung waschen!
Laut Umweltbundesamt ist von der häufig empfohlenen Schimmelpilzbekämpfung mit Essiglösungen abzusehen. Denn viele Baustoffe und insbesondere Kalk könnten eine Neutralisation des Essigs bewirken. Mit dem Essig könnten zudem organische Nährstoffe auf das Material gelangen, die das Pilzwachstum sogar fördern können.
Ebenfalls abgeraten wird von der Verwendung chemischer Pilzbekämpfungsmittel (Lösungen mit Fungiziden) im Innenraum, da nicht auszuschließen ist, dass diese Wirkstoffe über eine lange Zeit in den Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden. Ziel der Sanierung muss die vollständige Entfernung des Schimmelpilzbefalls sein. Eine bloße Abtötung von Schimmelpilzen reicht nicht aus, da auch von abgetöteten Schimmelpilzen allergische und reizende Wirkungen ausgehen können:

Schimmel auf Lebensmitteln
Wenn Schimmelpilze Nahrungsmittel befallen, durchziehen sie das ganze Produkt, auch wenn der Verbraucher lediglich den „Schimmelrasen“ auf der Oberfläche sieht. Gesundheitsgefährdend sind die so genannten Mykotoxine - Giftstoffe, die von den Schimmelpilzen produziert werden.
Sie können in Nahrungs- und Futtermitteln bereits auf dem Feld und bei Lagerung, Transport und Weiterverarbeitung entstehen und dann in die Nahrungskette gelangen. Sehr hohe Gehalte können akut toxisch wirken, die chronische Aufnahme niedriger Mengen kann zu Organschäden führen. Manche Mykotoxine können Krebs auslösen. Dieses Risiko ist aufgrund von Lebensmittelkontrollen und festgelegten Grenzwerten gering.
Grundsätzlich rät das Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch, verschimmelte Lebensmittel sofort zu entsorgen und nicht länger offen liegen zu lassen. Bei Schimmelstellen auf Brotstücken sollten das ganze Brot weggeworfen werden. Je flüssiger die Lebensmittel (z. B. Kompott, Saft, Konfitüren, weiche Pfirsiche usw.) sind, desto schneller ist die Ausbreitung des Schimmels und seiner Toxine möglich.
Solche befallenen Lebensmittel umgehend wegwerfen, dasselbe gilt für befallene Milch und Milchprodukte, wie zum Beispiel Joghurt und Quark. Unbedenklich sind allein schimmelgereifte Käse (z.B. Roquefort, Camembert); zur besseren Abgrenzung von "echtem" Schimmelbefall sollte Käse immer in separaten Verpackungen aufbewahrt werden.
Text: Nadine Bader


