Die 14jährige Jessica hat Leukämie, Quelle: www.wir-rette-jessica.de

rbb-PRAXIS Interview - Eine Familie kämpft um ihre 14-jährige Tochter

Sylvia Midasch kämpft um das Leben ihrer Tochter Jessica. Die 14-Jährige hat Leukämie. Stammzellen sind die einzige Hoffnung der Familie - mit einer Spenderaktion sucht sie den passenden Retter für Jessica. Bis der vielleicht gefunden ist, geht der Alltag mit der Krankheit weiter. Wie der für die Familie aussieht, darüber hat rbb-PRAXIS-Reporterin Anna Corves mit Sylvia Midasch gesprochen.

Frau Midasch, Ihre Tochter Jessica ist 14 Jahre alt, Sie beschreiben sie als sehr fröhliches Mädchen, das gerne in die Schule geht, sich für Pferde begeistert – und immer gesund und munter war. Wann und wie begann denn dann ihre Krankheitsgeschichte?

Sylvia Midasch: Das kam völlig unerwartet und fing auch recht harmlos an. Am 5. Mai hat sie noch ein kleines Reitturnier mitgemacht – und am nächsten Tag fühlte sie sich nicht so gut. Sie wollte wegen einer Klassenarbeit trotzdem unbedingt zur Schule, ist danach aber zum Arzt gefahren. Eine Erkältung, hieß es da, sie solle sich ein paar Tage zu Hause auskurieren. Dann habe ich aber an ihrem Rücken einen großen roten Fleck entdeckt, der auch wanderte und bin mit ihr ins Krankenhaus gefahren. Von da an ging es ihr von Tag zu Tag schlechter: Sie konnte kein Essen mehr bei sich behalten, musste sich ständig übergeben, hatte Gliederschmerzen, konnte kaum noch laufen. Die Ärzte haben fieberhaft nach der Ursache gesucht. Dann haben sie entdeckt, dass Jessicas Calcium-Werte viel zu hoch sind und eine Knochenmarkspunktion veranlasst. Am 29. Mai stand die Diagnose fest: Leukämie.

Wie hat Jessica die Diagnose aufgenommen?

Sylvia Midasch: Zunächst sehr schlecht, sie ist in ein tiefes Loch gefallen. Wir haben ihr Mut zugesprochen, aber sie hatte große Angst zu sterben. Sie lag einfach da und hat die Wand angestarrt. Hinzu kamen die schweren Nebenwirkungen der Chemotherapie, mit der die Ärzte noch am Tag der Diagnose begonnen hatten. Jessica ist gar nicht mehr aufgestanden, weil ihr alles weh tat, sie konnte nichts mehr essen und trinken, weil alle Schleimhäute komplett entzündet waren, sie hat 14 Kilo abgenommen. Das war für uns schrecklich anzusehen. Aber irgendwann, Ende Juli, haben die Nebenwirkungen etwas nachgelassen, sie hat wieder neuen Lebensmut geschöpft, lernt für die Schule und kämpft gegen die Krankheit an.

Wie hat denn die Chemotherapie bei ihr angeschlagen?

Sylvia Midasch: Sie hat die Chemotherapie in mehreren Blöcken erhalten, mal 33, mal 28 Tage lang; in den Pausen dazwischen muss sich der Körper erholen. Zunächst hat Jessica sehr gut auf die Chemotherapie angesprochen, wir hatten Hoffnung, dass sie zur niedrigsten Risikogruppe gehört. Aber dann haben sich auf einmal in einer Rückenmarkspunktion wieder Leukämiezellen gezeigt, die zu diesem Zeitpunkt der Behandlung nicht mehr hätten nachweisbar sein dürfen. Das war für uns die eigentliche Schockdiagnose, mit der mein Mann und ich fast mehr zu kämpfen hatten als mit der ersten Diagnose.

Wie geht es Jessica jetzt - was sagen die Ärzte?

Sylvia Midasch: Seit dieser Punktion steht fest: Jessica braucht eine Stammzelltransplantation, dringend. Sonst sind ihre Überlebenschancen schlecht. Die Ärzte bereiten sie jetzt auf eine solche Transplantation vor. Jessica bekommt gerade eine Hochrisiko-Chemotherapie, die die Leukämiezellen auf ein Minimum runterzudrücken versucht. Gelingt das, wird Jessicas eigenes, krankes Immunsystem komplett in den Keller gefahren - mithilfe einer Stammzelltransplantation könnte ihr Körper das gesunde Immunsystem eines Spenders „installieren“, das dann die Polizeiarbeit im Körper übernehmen und die verbliebenen Krebszellen besiegen muss. Jessicas Körper könnte dann wieder neues, gesundes Blut bilden. Was die Ärzte machen, wenn es keinen Spender gibt, ob sie versuchen, sie mit immer neuen Chemotherapien zu stabilisieren, das weiß ich nicht. Den Gedanken daran, dass es womöglich keinen Spender gibt, den klammern wir aus. Wir wollen mit diesem Mädchen alt werden, sie groß werden sehen.

Deswegen haben Sie auch mit vielen Unterstützern – Freunden, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, dem Aktivverbund Berlin, der Schauspielerin Heike Makatsch als Schirmherrin – eine große Veranstaltung organisiert…

Sylvia Midasch: Ja, am Samstag, den 07. September können sich alle Menschen zwischen 17 und 55 Menschen, die keine schweren Krankheiten haben, als potentielle Spender registrieren lassen. Das kostet nur 5 Minuten, einen kleinen Piks und 5 Milliliter Blut. Es ist unglaublich wichtig, dass sich ganz, ganz viele Menschen registrieren lassen. Denn wir suchen die Nadel im Heuhaufen, es müssen viele Gewebemerkmale zwischen Spender und Patient übereinstimmen. Darum bitten wir darum, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen, nicht nur für Jessica, sondern für Patienten weltweit. Denn im Krankheitsfall werden alle internationalen Datenbanken durchsucht. Wer morgen nicht kommen kann und trotzdem helfen möchte, der findet alle Informationen dazu auf unserer Internetseite wir-retten-jessica.de. Wir sind für jede Unterstützung dankbar!

Unipotente Stammzellen im Max-Planck-Institut in Münster (Handout) [dpa]

rbb PRAXIS, 06.09.2013 - Kleiner Pieks, große Wirkung: Stammzellspende

Ein kleiner Pieks kann Leben retten - wenn man sich als Spender von Stammzellen registrieren lässt. Auf eine solche Stammzellspende sind Tausende Menschen dringend angewiesen, um überleben zu können, die meisten von ihnen haben Leukämie. So wie die 14-jährige Jessica aus Spandau. Anna Corves hat ihre Familie besucht.
Ein an Leukämie erkranktes Kind spielt mit seinem Bruder (Bild: dpa)

Service - Leben retten durch Stammzellenspende

Diagnose Leukämie: In Deutschland erkranken jedes Jahr fast 12.000 Menschen an Blutkrebs. Oft ist ihre einzige Überlebenschance die Stammzellenspende eines Freiwilligen. Die Suche nach dem passenden Spender gleicht dabei der nach der Nadel im Heuhaufen.