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Gefäßfehlbildungen sehen zwar erschreckend aus, sind aber in den meisten Fällen harmlos. Dennoch sollten sie früh behandelt werden, damit die betroffenen Kinder nicht durch Hänseleien traumatisiert werden.
Gefäßfehlbildungen sind typischerweise gleich nach der Geburt erkennbar. Denn schon im Mutterleib haben sie bei ihrer Entstehung Schaden genommen: Offenbar erhalten die krankhaften Gefäße in den ersten zwei Monaten der Schwangerschaft fehlerhafte Signale, so dass sie sich nicht korrekt entwickeln.
Betroffen sind alle Gefäßarten
Die Fehlbildungen können alle Gefäße betreffen: Arterien, die das Blut vom Herzen weg transportieren, und Venen, die das Blut wieder zurückbringen. Auch die so genannten Kapillaren können verändert sein; diese kleinsten Gefäße sind zwischen Arterien und Venen geschaltet. Hier findet der Sauerstoff- und Nährstoffaustausch statt. Selbst Lymphgefäße, die mit dem Gewebewasser auch Nähr- und Abfallstoffe transportieren, trifft man verändert an.
Häufig, aber harmlos: das Feuermal
Die bekannteste Form ist das Feuermal. Etwa drei von tausend Kindern werden damit geboren. Das Mal findet sich mit der Geburt oft am Kopf oder Hals. Experten gehen davon aus, dass hier Kapillaren nicht ausreichend innerviert sind – und sich dadurch erweitern. Durch die geblähten Gefäße ist die Haut vermehrt durchblutet und erscheint gerötet. Je älter das Kind wird, desto auffälliger und dunkler kann sich der Fleck färben. Gesundheitlich macht das Feuermal keine Probleme, es kann aber psychisch sehr belastend sein. Denn die deutlich sichtbaren Male im Gesicht oder Hals sorgen für Hänseleien. Michail Gorbatschow dürfte mit seinem Feuermal auf der lichten Stirn einer der bekanntesten Betroffenen sein.
Wenn Gefäße ziellos wachsen
Weniger harmlos sind Fehlbildungen größerer Gefäße im Rachen oder Hals. Sie sorgen für Atembeschwerden; wuchernde Gefäße im Bauch drücken auf die Eingeweide, marode Gefäße in der Blase können bluten, Exemplare an Scheide und Gebärmutter zu Menstruationsstörungen führen. Viele Fehlbildungen finden sich auch im Gesicht und Hals; sie können für verzerrte Gesichtszüge sorgen, das Gebiss verschieben oder Schlucken, Atmen und Sprechen behindern.
Behandlung empfehlenswert
Gefäßfehlbildungen gehen nie von allein zurück. Der behandelnde Arzt wird sich – je nach Größe und Beschwerden – für eine Therapie oder die Kombination verschiedener Therapien entscheiden. Je nachdem, welche Organe außer der Haut betroffen sind, werden sich die behandelnden Mediziner mit den Kollegen aus der Augen- und HNO-Klinik oder mit Zahnärzten, Kieferorthopäden und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen beraten.
Große Auswahl an Verfahren
Für die Therapie haben die Mediziner die Wahl zwischen verschiedenen Verfahren. Je nachdem wie groß die Fehlbildung ist und welche Komplikationen sie verursacht, werden sie sich für eine dieser Möglichkeiten entscheiden:
• Lasertherapie, beispielsweise mit Farbstofflaser, Argon-Laser oder Nd:YAG-Laser
• Chirurgische Entfernung (Operation)
• Embolisierung/Sklerosierung (Verödung)
Größere Gefäßanomalien werden vor der weiteren Therapie erst einmal verödet, also künstlich verschlossen und damit trockengelegt. Dadurch bluten sie dann bei einer späteren Operation weniger. Eine mögliche Methode ist das Sklerosieren. Hierfür spritzt der Arzt unter Ultraschallkontrolle beispielsweise flüssigen Kunststoff oder Kunststoffkügelchen in das Gefäß; es verstopft und wird vom Körper abgebaut.
Lasertherapien stehen heute an erster Stelle, um krankhaft erweiterte und wachsende Gefäße zu behandeln. Während der Lasertherapie schläft das Kind in Narkose, damit es sich nicht bewegt und so gut vor den Laserstrahlen geschützt werden kann. Behandelt wird alle vier bis sechs Wochen, bis je nach Fehlbildung das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Das Ergebnis verbessert sich, je öfter man lasert.
Text: Constanze Löffler

