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Die Klubs der Bundes- und der 2. Liga haben die Torlinien-Technik abgelehnt. Dafür kommt der Nationen-Cup. Inforadio-Moderator Thomas Kroh hat da noch eine Frage: Geht’s noch?
Am deutschen Wesen mag die Welt genesen. Diese Zeile aus einem Gedicht des Spätromantikers Emanuel Geibel wurde in dunkler Zeit zu einem bösen Wort, das heute erfreulicher Weise nicht mehr gilt. Aber genauso wenig, wie ich am „Teutschen“ gesunden will, verspüre ich auch kein Verlangen nach den Segnungen des Fußball-Bonapartes.
Wie kann sich aus einem brillanten Spielmacher wie Michel Platini ein machtgeiler Funktionär entwickeln? Wahrscheinlich deshalb, weil der Franzose weiß, wie er Figuren verschieben und einsetzen muss, egal ob auf dem Rasen oder in den abgeschotteten Hinterzimmern der UEFA.
Eine Europameisterschaft mit 24 Mannschaften, eine EM in 13 Ländern, Qualifikations-Spiele verteilt über die gesamte Woche, jetzt der Nationen-Cup. Was kommt als Nächstes: Ein Mixed-Turnier? Sicher, ein Triumvirat Deutschland, Spanien, Italien allein dürfte den Fußball nicht beherrschen. Es sollte aber doch wohl mehr zu sagen haben als ein Zwergen-Trio Gibraltar, Lichtenstein und die Färöer.
Hat es aber nicht! Und viel schlimmer: Die UEFA hat die Klubs noch nicht einmal gefragt. Sie will expandieren – mit aller Macht. Auch fragt niemand die Spieler und die Fans schon gar nicht: Europaliga, Klub-WM, Confederations-Cup – all diese neuen Wettbewerbe sind so überflüssig wie Paderborn in der Bundesliga. Aber um der verfluchten Fernseh-Kohle Willen gibt es sie.
DFB-Boss Niersbach hat angeblich versucht, seinem Freund Platini die abstruse Idee auszureden. Das Ergebnis: Der Chef des einflussreichen deutschen Verbandes erscheint wie ein Adlatus, vom Franzosen über den Tisch gezogen. Niersbach hätte dazwischen grätschen sollen – wie einst die Förster-Brüder – auf „altbewährte deutsche Fußball-Gangart“; in dem Fall tatsächlich zum Wohle der Sportwelt.











