Luftaufnahme von den Start und Landebahnen am Otto-Lilienthal-Flughafen Tegel in Berlin (Archivbild von 2003, Quelle: dpa)

Berlins Olympia-Bewerbung - Rudern in Tegel?

In seinem Olympia-Konzept plant der Berliner Senat die Regattastrecke auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel für die Kanu- und Ruderwettbewerbe ein. Die Berliner Ruderer haben jedoch etwas dagegen und wollen lieber auf dem Flughafen Tegel durchs Wasser pflügen. Sie haben ein Konzept erarbeitet, das der rbb-Sportredaktion exklusiv vorliegt.  

Mit Ruderwettbewerben auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel können sich die Berliner Ruderer nicht wirklich anfreunden. Wären sie doch beim olympischen Heimspiel irgendwie doch nur Gäste. Dann lieber große Pläne schmieden: eine Regattastrecke in Tegel. Nach der Stilllegung des Flughafens soll eine Landebahn ausgebaggert werden. 2400 Meter lang, 200 Meter breit. Das entsprechende Konzept stammt vom Potsdamer Ingenieur Ludwig Obermeyer. Es spart nicht mit Kritik an der bestehenden Strecke auf dem Beetzsee. Brandenburg an der Havel sei zu weit weg, die Strecke liege ungünstig und die Athleten müssten mit Wind und Wellen rechnen.

Doch wozu die Aufregung? Kleine Fahrtwege zu ausgelagerten Sportstätten gehören bei Olympischen Spielen immer dazu. Genau wie Wind und Wetter beim Rudern – so ist das eben in einer Freiluftsportart. Doch unfaire Verhältnisse waren in der Vergangenheit immer wieder ein brisantes Thema bei Großveranstaltungen. Bei den Weltmeisterschaften in Amsterdam vor wenigen Wochen kam es zum Eklat. Das Deutsche Vorzeigeboot, der Achter, wurde sprichwörtlich "vom Winde verweht." Nach der Niederlage gegen die Briten herrschte großer Frust bei den Deutschen. Nicht auszudenken, wenn das bei Olympia auf dem Beetzsee passierte: Vier Jahre Vorbereitung für nichts, der Veranstalter wäre vor der Weltöffentlichkeit blamiert.

 

Glaubt man dem Landesvorsitzenden der Berliner Ruderer, Karsten Finger, gibt es nur eine Lösung: Tegel. Er meint: "Flugzeuge brauchen West-/Ostwind. Für uns Ruderer ist das auch optimal. Brandenburg liegt in Nord-/Südrichtung. Da ist dann eben eine Bahn im Vorteil und eine andere im Nachteil." Neben der sportlichen Fairness versprechen sich die Berliner Ruderer und der Potsdamer Planer noch weitere Vorteile. Neben Rudern könnten auf dem neuen Sportgelände Kanurennen stattfinden, ebenso Schwimmen und Triathlon. Auch eine Wakeboardanlage ist geplant, Wakeboarding könnte 2024 sogar olympisch sein. In Verbindung mit dem Olympischen Dorf sowie zahlreichen ohnehin geplanten Sportstätten würde sich ein starkes Zentrum entwickeln. Eine Art Olympiapark, der nach den Spielen zum Herz eines neuen Stadtteils werden könnte.

Die Regattastrecke am Beetzsee nahe Brandenburg (Brandenburg) (Quelle: dpa)
Die Regattastrecke Beetzsee (© dpa)

Schwimmende Tribünen auf dem Beetzsee?

In Brandenburg will man davon nichts wissen. Zwei Wochen Spiele bedeuten: zwei Wochen Weltstadt Brandenburg an der Havel. Hartmut Duif, Präsident des Landesruderverbands, steht daher zu den Plänen des Berliner Senats, nach denen Rudern und Kanu auf dem Beetzsee stattfinden sollen. Die Schwächen des Standorts Beetzsee sind auch  Duif bekannt: Neben dem Wind wäre da noch die geringe Zuschauerkapazität. Doch Duif kennt nicht nur die Probleme, sondern auch mögliche Lösungen: "Wir bauen schwimmende Tribünen für 15.000 Zuschauer. Und gegen den Wind setzen wir schwimmende Pontons ein, die sollen den Wind abfangen"

Politische Brisanz

Was noch für Brandenburg spricht? Eigentlich alles, was gegen Tegel spricht. Etwa die Baukosten. Der Planer schätzt eine einfache Variante auf etwa 35 – 55 Millionen Euro, den Beetzsee bekäme man mit deutlich weniger finanziellen Einsatz fit für Olympia. Die neue Regattastrecke in Tegel wäre das Ende für die bestehende in Brandenburg. Denn wer braucht noch einen Standort im Umland, wenn er Weltstadt haben kann? Und damit bekommt die Debatte auch eine große politische Brisanz. Vermutlich wollte sich der Senat daher nicht zu dem Thema äußern.

Eventuell erübrigen sich die Pläne auch auf andere Weise. Denn damit in Tegel überhaupt etwas passieren kann, muss ja zunächst der Flughafen stillgelegt werden. Und das geht erst, wenn der BER tatsächlich irgendwann mal den Betrieb aufnimmt. Wenn sich die Schönefelder Milliardenposse bis Olympia fortsetzt, kämen die Berliner Planer ohnehin ins Rudern.