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Schon antike Kulturen kannten die Vorstellung, dass der Mensch nach seinem Tod eine Reise macht. Unserer Kultur bleibt es vorbehalten, dass die Toten diese Reise auch tatsächlich antreten.
Im Mercedes-Kombi eines Duisburger Bestatters, im Transporter eines Bestatters aus Berlin oder aber auch mit der Deutschen Post. Die Toten reisen nach Holland und an die polnische Grenze ins Krematorium oder in den Odenwald. Im Odenwald hat sich ein privater Friedhof etabliert, der Urnen schmucklos unter Bäumen vergräbt.
Die Folgen des Leichentourismus: zunehmend werden die Menschen nicht mehr dort bestattet, wo sie auch gelebt haben, Friedhöfe verwahrlosen und werden aufgegeben, deutsche Krematorien gehen pleite. Die Ursachen dafür: die Bestattungsbranche richtet sich nach Angebot und Nachfrage, wie jede andere Branche auch. Verbrannt wird dort, wo es am billigsten ist. Bestattet dort, wo Preis und Service stimmen. Der heimische Friedhof als Ort der Erinnerung kommt bei den Kunden nicht mehr an, das Totengedenken mit Grabpflege ist zu mühsam geworden.
Noch gelten in Deutschland Friedhofszwang und ein starres Bestattungsgesetz, doch die Kunden unterwandern das System längst. Kirchen und Kommunen leisten Widerstand, sind aber bereits in vielen Bereichen gescheitert. Zumal es auch bei Kirchen und Gemeinden nicht nur um Pietät, sondern auch um Geld geht. Die Zukunft gehört dem anonymen Gräberfeld oder der Urne in der heimischen Schrankwand. Das schön bepflanzte und liebevoll gepflegte Einzelgrab verschwindet.
Susanne Brahms und Michaela Herold haben die Toten bei ihren Reisen durchs Land begleitet, haben mit Bestattern, Angehörigen, Kirchenvertretern, Politikern über den Wandel in der Bestattungskultur gesprochen und dabei festgestellt, dass dieser Wandel auch die entlegensten Gegenden des Landes erfasst hat.
Film von Michaela Herold und Susanne Brahms
Erstausstrahlung: 19.11.2003 ARD
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/rbbummitternacht/archiv/rbb_um_mitternacht38/tote_auf_reisen.html