
Motorsport ohne Lärm und Geruch - Formel E kommt ab 2015 nach Berlin
Schnell wie ein Formel 1-Bolide, aber kaum lauter als ein normaler PKW: Ab 2015 kommt die vollelektrische Motorsport-Serie Formel E nach Berlin. Die umweltfreundlichen Rennwagen werden auf dem Tempelhofer Feld ihre Runden drehen. Zur Premiere kann sich die Hauptstadt vielleicht auf das Finale freuen.
Bis vor 15 Jahren rasten Rennautos in Berlin noch über die Avus. In zwei Jahren wird das Tempelhofer Feld Austragungsort für das erste Deutschland-Rennen der neuen Formel E, eine WM-Serie für Elektroautos. Die Elektro-Boliden werden im Mai oder Juni 2015 auf dem betonierten Vorfeld des geschichtsträchtigen Airports beweisen, wie schnell sie sein können.
Das gab Formel-E-Geschäftsführer Alejandro Agag am Donnerstag bei einer Pressekonferenz vor dem Brandenburger Tor bekannt. "Berlin ist für uns und die Menschen in der Welt eine Stadt der Zukunft. Wir starten an einem Ort, wo wahrscheinlich auch das 21. Jahrhundert begonnen hat", betonte Agag weiter.
Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Entwicklung bezeichnete Berlin sogar als "Rennsportstadt".
In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" vom Donnerstag stellte Agag zuvor der Hauptstadt sogar das Finale in Aussicht. Außerdem soll Berlin auch über 2020 hinaus Station der ersten Rennserie mit Elektroautos bleiben. Die Chance für den Endlauf bestehe, sagte Agag. "Das würde die Attraktivität nur noch steigern."
Bis zu 30.000 Besucher erwarten Veranstalter
Die Entscheidung für den ehemaligen Flughafen Tempelhof war schnell gefallen. "Wir haben uns in Tempelhof verliebt, als wir es gesehen haben", sagte Agag bei der Pressekonferenz weiter: "Wir haben uns nichts anderes mehr angeschaut."
Wobei das Tempelhofer Feld nicht die erste Wahl war, denn die Formula E Holding hätte es lieber gesehen, dass die umweltfreundlichen Rennwagen in der Berliner City auf der Straße des 17. Juni starten. Diesem Wunsch erteilte die Senatsverwaltung jedoch bereits im vergangenen Jahr eine Absage. Das Brandenburger Tor wird als imposantes Hintergrund-Motiv somit wegfallen.
Doch auch so soll das Formel-E-Rennen ein großes Spektakel werden, zu dem die Veranstalter bis zu 30.000 Zuschauer erwarten. Der Eintritt soll frei sein.
Boxenstopp mit Wagentausch
In der Formel E wird der aus der Formel 1 bekannte Reifenwechsel durch den Tausch der Autos ersetzt. Denn bei Tempo 220 ist eine Batterie nach etwa 25 Minuten leer. "In der Formel 1 ist es derzeit das Reifenmanagement, in der Formel E wird es der Umgang mit der Batterie sein", sagte Agag zu den Herausforderungen.
Der Elektro-Flitzer ist allerdings kleiner als ein Formel-1-Bolide. Die mit elektrischer Energie angetriebenen, bis zu 272 PS starken Rennwagen sollen Spitzengeschwindigkeit von 240 Stundenkilometer erreichen. Die Autos sollen mit 80 Dezibel kaum lauter sein als ein herkömmlicher PKW.
Ohne Benzingeruch und ohne Lärm passe die Formel E gut zur "Go Green"-Kampagne des Automobil-Weltverband FIA, erklärten die Veranstalter.
Große Ziele der Formel E
Die Serie, die von der FIA mitfinanziert wird, soll mit 20 Piloten in zehn Teams beginnen. Mindestens zehn Rennen soll die WM umfassen. Die Hälfte davon sind in Europa geplant. Das Gewinner-Team bekommt am Saisonende zwei Millionen Euro, die siegreichen Fahrer vier Millionen Euro.
Mit der ersten Rennserie mit ausschließlich elektrisch angetriebenen Autos wollen die Formel-E-Macher die Königsklasse Formel 1 nicht be- oder gar verdrängen. Im Gegenteil: "Ich bin sicher, dass Rennställe wie Ferrari oder Red Bull eines Tages auch Formel-E-Teams stellen werden", sagte Agag.

