"Füchse"-Torwart Silvio Heinevetter versucht einen Ball abzuwehren (Quelle: Archivbild dpa)

Füchse Berlin vs. HSV - Poker um Heinevetter vor dem großen Handball-Duell

Es geht um viel: Sowohl Berlin als auch Hamburg streben in dieser Woche in zwei Playoff-Spielen das Erreichen der Handball-Champions-League an. Das Problem ist, dass nur ein Club das Ticket lösen kann. Streit gibt es im Vorfeld um eine zentrale Figur der Hauptstadt-Füchse.

Vor dem Handball-Showdown um die Teilnahme an der Champions League zwischen dem Titelverteidiger HSV Hamburg und den Füchsen Berlin am Mittwoch (19.00/Berlin) ist der
Disput um Nationaltorhüter Silvio Heinevetter zum flotten Schlagabtausch geworden. Die Füchse wollen ihn unbedingt behalten, aber Hamburg lockt mit einem lukrativen Angebot.
"Ich bin über das Vorgehen des HSV Hamburg ein Stück weit enttäuscht. Hier werden Gehälter aufgerufen, die ein Verein, der sich selbst refinanzieren muss, nicht aufbringen kann. Das ist schon eine Art Wettbewerbsverzerrung", sagte Füchse-Präsident Frank Steffel am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Der CDU-Politiker bot dem 28 Jahre alten Heinevetter, dessen Kontrakt im kommenden Sommer ausläuft, praktisch einen Rentenvertrag an. "Ich habe ihm gesagt, bei uns kannst Du einen Zehnjahresvertrag bekommen, bei uns kannst Du langfristig verlängern." Er wolle bis „zur letzten Sekunde kämpfen“ und versuchen, Heinevetters Wechsel in die Hansestadt zu verhindern.

Interesse für einen "Klassetorhüter"

Hamburgs Clubchef Matthias Rudolph zeigte sich über die verbalen Attacken aus Berlin verwundert. "Wir haben mit Silvio Heinevetter keinen Vorvertrag, keine Wechselabsprachen oder Ähnliches. Ich habe nur gesagt: Wenn der Vertrag eines solchen Klassetorwarts ausläuft, wären wir ja dumm, sollten wir uns nicht dafür interessieren. " Dass Heinevetter das Doppelte in Hamburg verdienen könnte, "ist ein hanebüchener Schwachsinn".

Berlins Geschäftsführer Bob Hanning schlüpft in die Rolle des Vermittlers - und glaubt an Heinevetters Zukunft in der Hauptstadt über das Vertragsende im Sommer 2014 hinaus.
"Ich würde mich nicht wundern, wenn er sich für Herz und Bauch entscheidet und nicht für das Finanzielle", sagte der 45-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Er hat seine große Liebe in Berlin, wohnt nahe der Familie, lebt in einer tollen Stadt und spielt in einer schönen Halle." Hanning erwartet Heinevetters Entscheidung bis zum Oktober, es soll keine Hängepartie geben.

Dass die Füchse Berlin als Tabellenvierter der abgelaufenen Bundesliga-Saison und der Champions-League-Sieger HSV Hamburg einen Startplatz für die kommende Saison in der Königsklasse ausspielen müssen, ist der Tatsache geschuldet, dass der Titelverteidiger nicht automatisch gesetzt ist. Das Rückspiel findet diesen Freitag (19.00 Uhr) in Hamburg statt. Der Sieger des Duells wird in der Hauptrundengruppe D spielen. Dort trifft er unter anderem auf die SG Flensburg-Handewitt, RK Gorenje Velenje (Slowenien) und Aalborg Handball (Dänemark). Der Verlierer geht im EHF-Pokal an den Start.

Auch mit dem umworbenen Torhüter in den eigenen Reihen gehen die Füchse als klare Außenseiter in das Duell mit dem Titelverteidiger. "Das sind andere Galaxien", so Hanning.