
Tabellenführer Hertha - Blau-weißes Wunder oder Eintagsfliege?
Fußball-Deutschland reibt sich erstaunt die Augen: An der Tabellenspitze steht nach dem ersten Spieltag der neuen Saison die alte Dame aus der Hauptstadt. Beim 6:1 gegen Eintracht Frankfurt spielte Hertha BSC phasenweise wie im Rausch. Damit dem Höhenflug nicht wieder ein Absturz folgt, treten die Verantwortlichen auf die Euphoriebremse.
"Jeder Schuss ein Treffer", mit diesen Worten fasste Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger die zweite Halbzeit gegen Eintracht Frankfurt zusammen. "Wir haben uns ein bisschen in einen Rausch gespielt", sagte der Schweizer am Sonntagabend im rbb. Lustenberger erklärte das Erfolgsrezept der "neuen Hertha" so: "Wir stehen defensiv kompakt. Die Stürmer arbeiten hinten mit, dazu haben wir eine sehr gute Offensive." Allerdings sollte die Mannschaft jetzt nicht abheben: "Wir sind gut beraten, wenn wir auf dem Boden bleiben. Wenn wir regelmäßig punkten, werden wir unser Ziel erreichen." Und dieses Ziel heißt auch für den ersten Tabellenführer der neuen Saison: Klassenerhalt.

Viel Lob für Allagui & Co.
Das Hertha-Team wurde nach der 6:1-Gala vom Samstag mit Lob überschüttet. In der "Elf des Tages" vom "Kicker" stehen mit Brooks, Ndjeng und Hosogai gleich drei Blau-Weiße. Sami Allagui, der mit zwei Toren und einer Vorlage glänzte, schaffte es mit Brooks und Ramos in die "Bild"-Elf des Tages und bekam bei "Sportbild" wie Ramos die Note 1. "Diesen Tag werden wir nie vergessen", titelte "Bild" am Montag. Erste Hertha-Fans beschäftigten sich in den einschlägigen Internet-Foren bereits mit der Organisation der Meisterfeier.
Luhukay zwischen Traum und Alltag
Doch die meisten Herthaner schätzen die Möglichkeiten ihres Vereins realistisch ein. "Jetzt bloß nicht größenwahnsinnig werden", schreibt ein Fan auf Facebook, "Aber bitte jetzt nicht wieder von Meisterschaft oder CL träumen" ein anderer. Tatsächlich ist man bei Hertha nach dem Absturz vor zwei Jahren vorsichtig geworden. Damals holte die Mannschaft in der Hinrunde 20 Punkte und stieg trotzdem ab. Trainer Jos Luhukay beschreibt die aktuelle Situation mit den Worten: "Für unsere Fans ist es natürlich ein Traum. Ich weiß aber auch, dass wir sehr schnell in den Alltag zurückkehren müssen."

Der Trainer ist der Star
Deutlich wurde beim Erstliga-Comeback am Samstag bereits die Handschrift des Trainers. "Alle Tore kamen aus der Balleroberung", freut sich der Niederländer über die Umsetzung seines Konzepts. Luhukay hat die Mannschaft umgekrempelt, die Neuzugänge Hosogai und Baumjohann feierten einen perfekten Einstand, während der am Montag vom Berliner Fußball-Verband als Profi der Saison geehrte Ronny nicht in der Startelf stand.
Nächster Gegner ist der Club
Die Alltagsarbeit für Luhukay geht nun mit dem Video-Studium des nächsten Gegners weiter. Am Sonntag muss die Hertha beim 1. FC Nürnberg antreten, der am 1. Spieltag 2:2 gegen Hoffenheim spielte. Das nächste Heimspiel steht gegen den Hamburger SV an, und dann wird sich auch an den Zuschauerzahlen ablesen lassen, ob die blau-weiße Euphorie in der Hauptstadt anhält.


