
Historischer Sieg gegen Frankfurt - Rückkehr mit Rekord
So gut war noch kein Aufsteiger - zumindest nicht am ersten Tag der Saison: Der 6:1-Sieg gegen Frankfurt sichert Hertha einen Platz in den Bundesliga-Geschichtsbüchern. Ganz nebenbei verkündet Manager Preetz noch eine weitere gute Nachricht.
Hertha BSC hat am Samstag den höchsten Saison-Auftaktsieg eines Fußball-Bundesligisten seit 39 Jahren gefeiert. Das 6:1 des Aufsteigers gegen Eintracht Frankfurt wird in der Liga-Historie nur von einem Spiel übertroffen: Kickers Offenbach besiegte am ersten Spieltag der Spielzeit 1974/75 (24. August) den damaligen Meister Bayern München mit 6:0.
Da Offenbach auch 1973/74 schon Bundesligist war, ist das 6:1 der Hertha zugleich der höchste Auftaktsieg eines Aufsteigers in der Bundesliga-Geschichte.
Der fulminante Heimspiel-Erfolg zum Start in die Wiederaufstiegssaison kam vor 55.000 Zuschauern im Olympiastadion. 15 Monate nach dem Chaos-Abstieg von Düsseldorf hat sich Hertha BSC damit mit einem Paukenschlag im deutschen Fußball-Oberhaus zurückgemeldet.
Für Hertha war es zugleich auch der höchste Bundesliga-Heimsieg seit einem 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach in der Saison 2004/05.

Ramos, Brooks, Allagui, Allagui, Ramos, Ronny
Adrian Ramos (17. Minute) und Bundesliga-Neuling John Anthony Brooks (32.) brachten eine engagiert auftretende Hertha in Führung. Alexander Meier verkürzte mit einem verwandelten Foulelfmeter zwar für die weitgehend überfordert wirkenden Gäste (37.). Doch mit zwei Toren innerhalb von drei Minuten machten Sami Allagui (58. und 60.), nochmals Ramos (71.) und der eingewechselte Ronny (89.) den Triumph perfekt. Zuletzt hatte Hertha in der Saison 2008/09 zweimal an der Tabellenspitze der Bundesliga gestanden.
Mit allen vier Neuzugängen in der Startelf (Langkamp, van den Bergh, Hosogai und Baumjohann) brauchten die Berliner genau elf Minuten, um das Lampenfieber auf der wieder größeren Bundesligabühne abzulegen und die Eintracht von einer Verlegenheit in die andere zu stürzen. Nachdem Hertha-Torwart Thomas Kraft gegen Frankfurts Neuerwerbung Johannes Flum eingreifen musste (6.) und Sebastian Langkamp gegen Jan Rosenthal in letzter Sekunde rettete, übernahmen die Gastgeber im Olympiastadion die Initiative.

Hertha kann sich drei Alu-Treffer leisten
Die Eintracht mit den Neuen Flum, Rosenthal und Joselu zeigte sich anfällig in der Defensive und brauchte eine große Portion Glück, um nicht schon vor der Pause aussichtslos in Rückstand zu geraten. Ein Schuss von Hertha-Verteidiger Marcel Ndjeng (13.) klatschte ebenso an die Latte wie ein scharfer Ball von Ramos (16.). Später landete noch ein Kopfball von Allagui (44.) am Torgebälk.
Bei der von Allagui und Änis Ben-Hatira mustergültig herauskombinierten und von Ramos vollendeten Führung hatte Kevin Trapp bei seinem Liga-Comeback nach längerer Verletzung keine Chance. Und nach einer kurzen Ecke wurde erst Ben-Hatiras Versuch abgeblockt. Der Deutsch-Amerikaner Brooks traf in seinem ersten Bundesligaspiel per Nachschuss.
Als das Wetter umschlug und plötzlich heftiger Regen fiel, schöpfte Eintracht nochmals Mut. Kraft wehrte noch einen Kopfball von Marco Russ an den Pfosten ab. Doch Ramos leistete sich ein Foulspiel gegen Rosenthal. Meier verwandelte.
Nach der Pause aber setzte der Aufsteiger wieder die Akzente. Der starke Japaner Hajime Hosogai flankte auf Baumjohann, dessen Eingabe schob der 27-jährige Allagui ein. Und mit Unterstützung von Frankfurts Sebastian Rode markierte der Deutsch-Tunesier seinen
zweiten Treffer. Ramos und Ronny setzten den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Bundesliga-Comeback.
Vertrag mit Nike verlängert
Direkt nach dem Spiel gab Hertha-Manager Michael Preetz bekannt, dass der Vertrag mit Ausrüster Nike vorzeitig bis 2025 verlängert wurde.
"Unser Vertrag wäre ohnehin noch bis zum Jahr 2015 gültig gewesen, doch wir haben uns bereits jetzt auf eine weitere langfristige Zusammenarbeit geeinigt", sagte Preetz im Olympiastadion.

Stimmen zum Spiel
Jos Luhukay (Trainer Hertha BSC): "Wir haben in jeder Minute versucht, Frankfurt nicht in den Rhythmus kommen lassen. Die Leistung war sensationell. Wir haben jetzt die ersten drei Punkte, jetzt können wir noch ein bisschen das Spiel genießen. Aber wir werden ganz schnell wieder in den Alltag zurückkehren. Wir können immer noch etwas verbessern. Der Anfang ist gelungen, jetzt wollen wir daran anknüpfen."
Michael Preetz (Manager Hertha BSC): "Wir haben lange nicht so ein tolles Fußballspiel erlebt im Olympiastadion. Und es wird wahrscheinlich so sein, dass wir nicht mehr viele Spiele höher gewinnen als heute."
Fabian Lustenberger (Kapitän Hertha BSC): "Die Tabellenführung ist nur eine Momentaufnahme. Es geht nächste Woche wieder neu los, und wenn wir da 1:6 auf den Sack kriegen, interessiert das Spiel gegen Frankfurt niemanden mehr."
Armin Veh (Trainer Eintracht Frankfurt): "Es ist schwer für mich, das Spiel zu analysieren. Ich werde es mir noch mal ansehen müssen, denn es sind so viele Dinge passiert, die sonst nicht passieren. Wir haben in den ersten 15 Minuten dominiert, danach war Hertha aber voll da. Sie haben präzise gespielt, waren dynamisch und effektiv. Wir haben nie richtig den Zugriff gehabt."
Die Statistik zum Spiel
Berlin: Kraft - Ndjeng, Sebastian Langkamp, Brooks, van den Bergh - Lustenberger, Hosogai (83. Kluge) - Allagui, Baumjohann (76. Ronny), Ben-Hatira (73. Nico Schulz) - Ramos. - Trainer: Luhukay
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Russ, Oczipka - Schwegler - Rode, Flum (46. Inui) - Meier - Rosenthal (46. Aigner), Joselu. - Trainer: Veh
Schiedsrichter: Michael Weiner (Ottenstein)
Tore: 1:0 Ramos (18.), 2:0 Brooks (32.), 2:1 Meier (37., Fouelelfmeter), 3:1 Allagui (58.), 4:1 Allagui (60.), 5:1 Ramos (71.), 6:1 Ronny (89.)
Zuschauer: 54.376
Gelbe Karten: Flum
(Quelle: sid)




