
Glück und Pech beim 2:2 gegen Nürnberg - Hertha verschenkt Tabellenführung in letzter Minute
Nur wenige Minuten haben Hertha gefehlt, um Bundesliga-Tabellenführer zu bleiben, dann versenkte der Nürnberger Kiyotake einen Freistoß im Tor von Thomas Kraft. Doch unterm Strich konnten sich die Berliner nicht beklagen, denn beide Hertha-Tore kamen durch glückliche Umstände zustande.
Aufsteiger Hertha BSC hat am zweiten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison den zweiten Sieg knapp verpasst. Die Berliner mussten sich am Sonntag beim 1. FC Nürnberg dank eines Gegentreffers kurz vor Schluss mit einem 2:2 zufriedengeben.
Josip Drmic (40.) hatte die Gastgeber vor 37.068 Zuschauern in Führung gebracht. Sami Allagui (61.) mit seinem dritten Saisontreffer und Ronny (78.) mit einem umstrittenen Foulelfmeter hatten für die zwischenzeitliche 2:1-Führung der Hertha gesorgt.
Doch Hiroshi Kiyotake (89.) bescherte Nürnberg noch das glückliche Remis. Die Berliner haben nach den engagierten Leistung auch auswärts ihre Erstliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt.
Nach dem fulminanten Saisonstart mit dem 6:1 gegen Eintracht Frankfurt hielten sich die Verantwortlichen der Hertha nicht mit irgendwelchen Träumereien auf. Durch die Verletzung der Außenverteidiger Marcel Ndjeng und Johannes von den Bergh musste Hertha-Coach Jos Luhukay die Viererkette umbauen. Fabian Holland und Peter Pekarik rutschten dafür in die Mannschaft. Der US-Amerikaner John Brooks bekam nach seinem Länderspieldebüt eine schöpferische Pause, für ihn begann Christoph Janker.
Fragwürdiger Elfmeter - wunderschöner Freistoß
Es war ein eher zähes und langweiliges Spiel in der Anfangsphase, keine Seite ließ irgendwelche Gelegenheiten zu, nur ein Pfostenschuss von Nürnberg (20.) sorgte für Aufregung. Hertha hatte in der 1. Halbzeit mehr Spielanteile, Nürnberg gewann dagegen mehr Zweikämpfe. Doch der Club bekam das Spiel zunehmend besser unter Kontrolle und belohnte sich nach einem starken Solo und Pass von Ginczek: Drmic konnte den Ball locker an Hertha-Torwart Thomas Kraft vorbeischieben.
Hertha übernahm dann nach dem Wechsel die Initiative und spielte sich phasenweise in der Nürnberger Hälfte fest. Ein Kopfball von Adrián Ramos flog nur um Zentimeter am Pfosten vorbei (49.), Dabanli rettete gegen den einschussbereiten Kapitän Fabian Lustenberger (55.). Das 1:1 in der 61. Minute fiel mehr als glücklich: Allagui tanzte im Strafraum, legte sich dann Ball zurecht, rutschte beim Schuss weg, traf dabei Dabanalis Brust. Von der aus trudelte der Ball ganz geduldig ins Tor.
Doch Hertha-Trainer Luhukay wollte noch mehr: Wagner kam für Allagui, Ronny für Janker. In der 79. Minute ertönte dann zur Überraschung aller Zuschauer der Elfmeterpfiff: Baumjohann zieht mit Tempo in den Strafraum, Pinola spitzelt den Ball weg, Baumjohann stürzt. Den Strafstoß verwandelt Ronny rechts unten.

Zuvor war Baumjohann nach einem Duell mit Javier Pinola zu Fall gekommen. Dieses Duell gab es auch schon Minuten vorher. Dabei hatte Baumjohann Glück, dass er nur die Gelbe Karte sah, als er Pinola ins Gesicht fasste. "Das ist eine Tätlichkeit und ein klarer Platzverweis", sagte Michael Wiesinger.
Brooks sollte die Abwehr unterstützen und die Tabellenführung retten. Doch dann setzte Kiyotake zu einem wunderschönen Freistoß an - und traf zum 2:2-Endstand.
Zahlen, Daten, Fakten zum Spiel
Nürnberg: Raphael Schäfer - Feulner (58. Chandler), Dabanli, Pogatetz, Pinola - Stark (71. Esswein), Balitsch - Kiyotake, Mak (65. Frantz), Drmic - Ginczek. - Trainer: Wiesinger
Berlin: Kraft - Pekarik, Sebastian Langkamp, Janker (66. Ronny), Holland - Lustenberger, Hosogai - Allagui (66. Wagner), Baumjohann (83. Brooks), Ben-Hatira - Ramos. - Trainer: Luhukay
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)
Tore: 1:0 Drmic (40.), 1:1 Allagui (61.), 1:2 Ronny (78., Foulelfmeter), 2:2 Kiyotake (89.)
Zuschauer: 37.068
Gelbe Karten: Dabanli, Feulner (2), Pinola, Stark (2), Chandler - Pekarik, Baumjohann
Torschüsse: 11:12
Ecken: 4:5
Ballbesitz: 50:50 Prozent (Quelle: impire)
Stimmen zum Spiel
Jos Luhukay: "Wir haben zwei Punkte liegen lassen. Wir hatten das Spiel in der zweiten Halbzeit völlig im Griff gehabt."
Alexander Baumjohann: "Es ist total ärgerlich, hier nur einen Punkt mitzunehmen."
Nürnberg-Coach Michael Wiesinger: "Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zu passiv verhalten. Dadurch haben wir Hertha stark gemacht. Den Rückstand haben wir aber gut weggesteckt. Die Mannschaft hat Leidenschaft gezeigt. Darauf können wir aufbauen."

