
"Ich glaube an ein gutes Ende" - Claudia Pechstein vor ihrem Finale der Wiedergutmachung
Auf diesen Tag hat die Berlinerin Claudia Pechstein lange warten müssen: Nach ihrer zweijährigen Sperre wegen Dopings startet in der nächsten Woche der Schadensersatz-Prozess vor dem Landgericht München. Die Eisschnellauf-Olympiasiegerin glaubt, gute Argumente im Gepäck zu haben.
In dunkelblauer Uniform und flankiert von ihren drei Anwälten hat sich die Berliner Eisschnelläuferin Claudia Pechstein auf ihren nächsten Kampf eingestimmt – keinen sportlichen, sondern juristischen: Knapp eine Woche vor dem Schadensersatz-Prozess wegen ihrer zweijährigen Doping-Sperre verkündete ihr Anwalt Thomas Summerer am Donnerstag, was die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und Bundespolizistin vor allem vom Eislauf-Weltverband ISU erwartet.
Gutachter attestieren Pechstein ererbte Blutkrankkeit
Pechstein klagt vor dem Landgericht München auf Schadensersatz in Millionenhöhe gegen den ISU und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Falls am nächsten Mittwoch von der ISU eine Entschuldigung verbunden mit einem gewissen Schadensersatz kämen, sei man bereit, darauf einzugehen, sagte Summerer. Pechstein erklärte, sie freue sich darauf, dass der Fall nun vor einem deutschen Zivilgericht verhandelt werde.
Die mehrfache Olympiasiegerin war 2009 vom ISU anhand von Indizien und ohne Dopingnachweis "wegen Blutdopings" rückwirkend vom 9. Februar 2009 für zwei Jahre gesperrt worden. Nach der Sperre kehrte Pechstein auf's Eis zurück und feierte wieder zahlreiche Erfolge - jetzt fehlt ihr nur noch die Wiederherstellung ihres Rufes vor der Justiz.
Ihre Anwälte rollten vor der Presse den ganzen Fall nochmal auf. Kernpunkt ihrer Aussagen: Mittlerweile herrscht unter medizinischen Gutachtern eindeutig die Meinung, dass Pechstein eine ererbte Blutkrankheit hat, die ihre abnormalen Blutwerte erklärt.
Darum sei der Grundsatz der Unschuldsvermutung verletzt. Das Doping-Verfahren wider besseren Wissens durchzuziehen, habe nur einen Grund gehabt, so die Anwälte, der Weltverband wollte an der Deutschen ein Exempel statuieren.
"Gerechtigkeit für Claudia Pechstein"
Pechstein ist von Beruf Bundespolizistin, deshalb hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu diesem Termin eingeladen – unter dem Motto "Gerechtigkeit für Claudia Pechstein".
Der GdP-Vorsitzende Josef Scheuring forderte, dass sportliche Entscheidungen auch rechtsstaatlichen Prinzipien unterliegen müssten. Diese sehe er im Fall Pechstein verletzt, weil es eine Sperre auf Verdacht und kein Urteil auf Beweis gewesen sei.
Deshalb fordert Pechstein jetzt einen einstelligen Millionenbatrag als Schadensersatz. Konkreter wurde sie bei den Zahlen nicht. Dafür sagte sie, "die Wut komme in ihr nochmal hoch, wenn sie jetzt nochmal alle Details höre". Sie sei unschuldig und glaube an ein gutes Ende.
Mit Informationen von Jens-Christian Gußmann


