Jeff Tomlinson, der Eishockey-Trainer der Eisbären Berlin (Quelle: dpa)

Saisonstart für die Berliner Eisbären - Das Unternehmen 8. Stern läuft an

Es funkelt auf dem Trikot der Eisbären Berlin. Sieben Sterne sind darauf - für jede deutsche Eishockey-Meisterschaft ein Stern. Freitagabend beginnt mit dem Auswärtsspiel in Ingolstadt die neue Saison und das Unternehmen "achter Stern". Für den Titelverteidiger wird es hart, auch auch weil der Meister-Coach weg ist. Don Jackson wurde durch Jeff Tomlinson ersetzt. Von Jens-Christian Gussmann

Jeff Tomlinson lernt schnell. Als er vor knapp sechs Wochen als neuer Trainer der Eisbären Berlin vorgestellt wurde, verkündete er noch vollmundig: Die Eisbären seien Staatsfeind Nr.1, sie würden von allen gejagt werden. Jetzt meidet er diese Formulierung bei der Nennung der  Saisonziele genauso wie das Wort Meisterschaft. Wir wollen eine Top-Mannschaft in der DEL sein, heißt es jetzt schon etwas nüchterner. Und: "Wir wollen eine der besseren Mannschaften in Europa sein und so weit wie möglich oben stehen". Dass sein Team das Zeug dazu hat, glaubt Tomlinson in jedem Fall- auch wenn die Vorbereitung ihn ernüchtert hat.

Andre Rankel (dpa-Archivbild)
Kapitän Andre Rankel fühlt den Atem der Konkurrenz im Nacken.

Nach sieben Titeln  in den letzten neun Jahren ist momentan der Biss ein bisschen weg. Es fehlt die letzte Leidenschaft, das letzte bisschen Extra, das die Eisbären in engen Momenten immer wieder über die Konkurrenz triumphieren ließ. In den acht Parteien der European Trophy gelangen den Eisbären gerade mal drei Siege. Verteidiger Constantin Braun, der beste Spieler in den letzten Play-Offs, fehlt wegen seiner Depressions-Erkrankung auf unbestimmte Zeit, und weitere Leistungsträger sind angeschlagen oder  fallen zum Saisonstart aus.

In einer Art Panik-Reaktion verpflichteten die Eisbären noch kurzfristig Stürmer Kris Sparre aus Ingolstadt. Zu diesem Zeitpunkt der Transfer-Saison gibt es keine Top-Spieler mehr. Sparre ist jemand für die 3. Reihe und mehr nicht. Und Drumherum hat die Konkurrenz fleißig aufgerüstet. Den anderen Mannschaften stinke der gute Lauf der Eisbären gewaltig, sagt Kapitän Andre Rankel. "Die wollen endlich selber gewinnen und das macht uns schon zum Staatsfeind Nr.1. und zu den Gejagten".

Der Sommer war zu lang: Let's go!

Da ist es dann doch wieder das Wort vom Staatsfeind. Rankel, der insgesamt siebenmal  Meister wurde mit den Eisbären, mag es aussprechen. Tomlinson meidet den Begriff Meisterschaft auch auf Nachfrage und scheut auch den Vergleich mit den Bayern in der Fußball-Bundesliga. "In der DEL ist die Konkurrenz viel stärker, bei uns gibt es sechs Mannschaften, die wirklich gewinnen können. Aber wir sind eine davon".

Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Tomlinson ist nicht bescheiden, sondern realistisch. Und er spürt bereits vor dem ersten Spiel den Druck, die Erfolge seines Vorgängers wiederholen zu müssen. Deshalb mahnt er sein Team, nicht so viel an die Meisterschaft zu denken, sondern erst mal mit der Arbeit anzufangen. Den Pott zu holen, sei dann noch schwer genug.

So klingt Fracksausen! Aber es hilft nichts, heute Abend beginnt das Unternehmen 8. Stern. Manager Peter John Lee sagt, alle sind "heiß" auf die neue Saison. "Der Sommer war zu lang: Let's go!"

Freitag, 13.09.2013, ERC Ingolstadt vs. Eisbären Berlin, Beginn 19:30

Beitrag von Jens-Christian Gussmann