Jonathan Schmid (l) von Freiburg und Johannes van den Bergh (r) von Berlin kämpfen um den Ball (Quelle: dpa)

Trendwende verpasst - Hertha holt nur einen Punkt in Freiburg

Nach zwei Niederlagen in Serie hat Hertha BSC die angepeilte Trendwende verpasst. Die Berliner trennten sich am Sonntag vom SC Freiburg mit einem 1:1 Unentschieden und landen damit im Mittelfeld der Tabelle. Weitere Hiobsbotschaft: Herthas Innenverteidiger Anthony Brooks verletzte sich in der ersten Halbzeit am Arm und fällt womöglich länger aus.

Hertha ist am Sonntag beim Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg als Favorit ins Spiel gegangen - doch am Ende hat es nicht zu einem Sieg gegen den Tabellensiebzehnten gereicht. Beide Mannschaften trennten sich nach 90 Minuten mit 1:1.

Die Freiburger erwischten einen optimalen Start: Nach einem Berliner Ballverlust bediente Sebastian Freis per Steilpass Mehmedi. Der Schweizer umkurvte den herauslaufenden Schlussmann Thomas Kraft und schob zur frühen Führung ein. Mehmedi traf bereits im dritten Pflichtspiel nacheinander. Gelson Fernandes hätte nach einem Konter erhöhen können, doch sein Schuss wurde von einem Berliner Abwehrbein abgelenkt.

Hertha BSC musste danach in der 20. Minute die Auswechslung des am Arm verletzten Innenverteidigers John Anthony Brooks verkraften. Der 20-Jährige verletzte sich wohl schwerer: "Es könnte sein, dass er länger ausfällt", sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. "Er ist unglücklich auf seinen Arm gefallen. Wir befürchten, dass es etwas Schlimmeres ist." Klarheit soll eine MRT-Untersuchung am Montag bringen.

Für Brooks kam Lewan Kobiaschwili an einstiger Wirkungsstätte zum Einsatz. Der bis dahin unzufriedene Hertha-Trainer Jos Luhukay, der wieder auf den genesenen Abwehrchef Sebastian Langkamp bauen konnte, sah danach mehr Spielanteile für seine Mannschaft. Die Freiburger wurden viel zu passiv, ohne zunächst ernsthaft in Gefahr zu geraten. Torwart Oliver Baumann musste nur bei einer Flanke von Änis Ben-Hatira eingreifen.

Hertha BSC Trainer Jos Luhukay (Bild:dpa)
Herthas Trainer Jos Luhukay hatte auf einen Sieg gehofft.

Skjelbred mit seinem ersten Bundesligator

Der Ausgleich fiel daher ein wenig überraschend: Bei einem weiten Einwurf von Spielmacher Ronny sah die Freiburger Abwehr schlecht aus, Skjelbred drückte den Ball zu seinem ersten Bundesligator über die Linie. Gegenspieler Christian Günter ließ den Norweger gewähren. Es war Herthas erster Treffer nach zwei Niederlagen ohne Torerfolg.
 
Die mehr als 23.000 Zuschauer sahen auch nach der Pause mehr Bemühungen des Aufsteigers. "Ich hoffe, dass wir selbst erfolgreich sind. Freiburg ist nach wie vor eine gute Mannschaft", hatte Trainer Luhukay vor der Partie erklärt. SC-Trainer Streich befand, die Berliner hätten angesichts ihrer bisherigen Leistungen eher zu wenige Punkte geholt.
 
Das Niveau blieb aber auch in der zweiten Hälfte mäßig, Torszenen gab es kaum. Die Herthaner beherrschten meist das Geschehen, die erste gute Chance besaß allerdings der Freiburger Sebastian Kerk. Sein Schlenzer flog knapp am Dreiangel vorbei. Auf der Gegenseite rettete Baummann bei der bis dahin gefährlichsten Berliner Szene nach dem Wechsel gegen Adrian Ramos in der 74. Minute. Bei Freiburg kam zur Schlussphase Hanke, doch den Sieg vergab in der 90. Minute Fernandes, der den Ball an Torhüter Kraft vorbei an den Pfosten spitzelte.

Manager Michael Preetz war mit der Vorstellung nicht zufrieden. "Es war ein harter Nachmittag", so Preetz. "Wir haben gespürt, dass Freiburg verunsichert ist, am Ende kann man das Spiel auch verlieren. Es war keine gute Leistung von unserer Mannschaft, das erste Mal in dieser Saison." Auch Trainer Jos Luhukay fand: "Ich denke, dass wir glücklich an den Punkt gekommen sind."

Seit zwölf Jahren in Freiburg nicht mehr verloren

Bei der Partie konnte Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp sein Comeback feiern. Sein Einsatz war nicht klar: "Wir haben noch zwei Einheiten, wenn er die gut durchsteht, ist er auf jeden Fall im 18er-Kader", sagte Trainer Jos Luhukay noch am Freitag. Doch der 25-jährige Langkamp blieb beschwerdefrei, nachdem er seit drei Wochen verletzt ausgefallen ist.

SC-Trainer Streich wartet weiter auf den ersten Saisonsieg.

Auch Herthas Routinier Lewan Kobiaschwili kam an seiner alten Wirkungsstätte zum Einsatz. Er wurde nach 20 Minuten eingewechselt. 495 Tage nach der Skandal-Relegation gegen Fortuna Düsseldorf und der anschließenden siebenmonatigen Sperre hat Lewan Kobiaschwili somit sein Bundesliga-Comeback gegeben.

Für den 36-Jährigen war es das erste Pflichtspiel der Saison. Kobiaschwili war vor mehr als einem Jahr für die Rekordzeit von 30 Wochen gesperrt worden, weil er Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem 2:2 in Düsseldorf geschlagen hatte.

Europapokal-Teilnehmer SC Freiburg bleibt nach dem 1:1 auf einem Abstiegsplatz und wartet nach sechs Spieltagen weiter auf den ersten Saisonsieg in der Bundesliga. Für Hertha bleibt nach dem Remis der Trost, dass die Berliner in Freiburg seit über zwölf Jahren ungeschlagen sind.

Statistik zum Spiel

SC Freiburg: Baumann - Sorg, Ginter, Diagne, Günter - Schuster - Schmid, Fernandes, Mehmedi, Kerk (62. Coquelin) - Freis (76. Hanke)
Hertha BSC: Kraft - Pekarik, Langkamp, Brooks (20. Kobiaschwili), van den Bergh - Lustenberger, Hosogai - Skjelbred (75. Wagner), Ronny (68. Allagui), Ben-Hatira - Ramos
Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim)
Zuschauer: 23 200
Tore: 1:0 Mehmedi (6.), 1:1 Skjelbred (38.)
Gelbe Karten: Coquelin (1), Kerk (1) / Ben-Hatira (1), Langkamp (2), Skjelbred (1), Wagner (2)

Quelle: dpa

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