Die zwei Säulen des Berliner Olympiastadions mit den Olympischen Ringen (Quelle: dpa)

München bewirbt sich für Olympischen Winterspiele 2022 - Berliner Olympia-Bewerbung rückt in weite Ferne

Nach der Entscheidung für München als Kandidat für die Fußball-EM 2020 erleidet Berlin die nächste sportliche Schlappe gegen die Bayern: Der Olympische Sportbund hat sich am Montag mit großer Mehrheit für eine Olympia-Bewerbung Münchens ausgesprochen. Mögliche Sommerspiele in Berlin sind damit wohl erstmal vom Tisch.

Deutschland will sich ein zweites Mal mit München als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele bewerben. Die Mitgliedsverbände des Olympischen Sportbundes (DOSB) haben am Montag im Anschluss an die Präsentation des modifizierten Konzeptes mit nun vier Wettkampforten mit großer Mehrheit für eine Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 gestimmt. Einzig der Deutsche Alpenverein enthielt sich der Stimme.

Eine im deutschen Sport immer wieder diskutierte Kandidatur Berlins um die Sommerspiele dürfte damit für die kommenden Jahre vom Tisch sein. Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, hatte oft betont, Berlin stehe für eine Bewerbung bereit.

"Das war ein ganz starkes Signal des deutschen Sports. Wir alle haben den Traum, Olympia nach Deutschland zu holen", sagte DOSB-Interimspräsident Hans-Peter Krämer. Dieser Traum bekam vor zwei Jahren bereits einen Dämpfer: München musste sich damals bei der Vergabe der Spiele 2018 gegen Pyeongchang in Südkorea geschlagen geben.

Blick auf das Olympiastadion (Foto:dpa)
Olympische Spiele wird es im Berliner Olympiastadion in naher Zukunft wohl nicht geben.

Eindeutiges Votum für München

"Es ist wahr - wir treten wieder an", verkündete Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in der Münchner Olympiahalle kämpferisch. Zweifel an dem "Ja" zu München hatte es schon vor der Abstimmung nicht mehr gegeben, so eindeutig waren die Redebeiträge. "Lasst uns gemeinsam den Weg nach München gehen. Wir sollten die Chance ergreifen", erklärte Turn-Präsident Rainer Brechtken, der die "einvernehmliche" Unterstützung nicht nur aller Wintersportverbände, sondern auch der Sommersportverbände präsentieren konnte. Auch alle 16 Landessportbünde stimmten für München.

Die Frist zur Anmeldung der Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) endet am 14. November. Das kasachische Almaty hat seine Bewerbung bereits bekanntgegeben. Oslo, Östersund (Schweden), Barcelona, Krakau (Polen), Lwiw (Ukraine) gelten als weitere mögliche Bewerber. Das von Thomas Bach als Präsident angeführte IOC wählt den 2022-Gastgeber am 31. Juli 2015 auf seiner Vollversammlung in Kuala Lumpur.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spricht am 05.10.2011 während der Koalitionsverhandlungen mit den Grünen im Roten Rathaus in Berlin. (Bild: dpa)
Hält Berlin nach wie vor für geeignet: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Wowereit gibt die Hoffnung nicht auf

Berlin gibt seine Hoffnung als möglicher Ausrichter Olympischer Sommerspiele nach den Worten des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nicht auf. Auf die Frage, ob Berlin jetzt endgültig verzichte, nachdem der deutsche Sport sich für eine zweite Winterspiel-Kandidatur Münchens im Jahr 2022 entschieden hat, sagte Wowereit am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa: "Berlin kann nicht verzichten, weil wir uns gar nicht beworben haben. Wir haben immer erklärt, dass der Deutsche Sport darüber entscheidet.   Berlin steht natürlich bereit, auch nach wie vor bereit."

Natürlich könne sich Deutschland nicht um Winter- und Sommerspiele gleichzeitig bewerben, sagte Wowereit an seinem 60. Geburtstag. Man denke aber langfristig: "Berlin ist nach
wie vor internationale Sport-Metropole und für alle sportlichen Großereignisse bestens geeignet."

Erst im August musste Berlin eine herbe Enttäuschung hinnehmen: Bei der Bewerbung um eine mögliche Fußball-Europameisterschaft 2020 hatte München beim Deutschen Fußballbund den Vorzug vor Berlin erhalten. Die Endrunde der EM 2020 soll erstmals nicht in einem oder zwei Ländern ausgetragen werden, sondern in 13 Stadien in 13 Ländern - es ist die erste paneuropäische Turnier überhaupt.

"Es war für uns keine einfache Entscheidung, weil wir mit München und Berlin zwei starke Bewerber hatten, die schon mehrfach nachgewiesen haben, dass sie solche Großereignisse bewältigen können", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach damals.

Der DFB bewirbt sich bei der UEFA mit einer Ausrichterstadt für zwei Veranstaltungspakete. Die erste Option umfasst drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale. Das zweite Paket beinhaltet die beiden Halbfinalspiele und das Endspiel. Die UEFA entscheidet in rund einem Jahr darüber, welche Spiele wo stattfinden.

Das Berliner Olympiastadion

Olympiastadion

Eröffnung
Olympische Spiele 1936, Renovierung 2004

Gesamtinvestition

Renovierung: 242 Millionen Euro

Ausrichtung

Multifunktionsarena

Fassungsvermögen

72.244 Sitzplätze nach Renovierung

Inhaber

Stadtverwaltung

Größte Veranstaltungen

- sechs Partien der Fußball-WM 2006, darunter das Endspiel
- Leichtathletik-WM 2009
- DFB-Pokalendspiele seit 1985
- Messe der Päpste Johannes Paul II. und  Benedikt XVI.

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