
Basketball | Alba Berlin vor Duell gegen Mitteldeutschen BC - Kampf des Trabanten
Auf dem Papier: Ein Pflichtsieg. Am Sonnabend trifft Alba Berlin auf den Mitteldeutschen BC, ein Heimspiel gegen den Drittletzten - was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge, wenn Alba den MBC unterschätzt, ihre Serie von zuletzt vier Siegen könnte die Mannschaft einlullen. Der zweitbeste Schütze fällt verletzt aus. Nun muss das neu zusammengestellte Team beweisen, dass es neben Eurocup auch Arbeits-Kampf kann.
Drei Punkte, sechs Wochen Ausfall, es wurde ein teurer Sieg: Alba Berlin musste das 71:68 gegen den spanischen Topclub Saragossa mit der Verletzung seines Centers Leon Radosevic bezahlen. Im zweiten Viertel knickte Radosevic um, nun fehlt er für mindestens eineinhalb Monate. Seine Verletzung sei "ein schwerer Rückschlag für das gesamte Team", sagte Alba-Trainer Sasa Obradovic. Radosevic ist Albas zweitbester Punktesammler. Am Sonnabend kommt der Mitteldeutsche BC nach Berlin (19.00 Uhr) und Obradovics Spieler müssen zeigen, dass sie sich ihre Punkte auch gegen einen Abstiegskandidaten erarbeiten können - wenn nötig auch ohne Glanz und Esprit. Leicht sehen solche Siege nur von der Tribüne aus.

"Die werden kämpfen ohne Ende"
Alba hat das Spiel gegen die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt als "Ost-Derby" angekündigt, man tritt der Stadt Weißenfels aber nicht zu nahe, vermutet man sie eher außerhalb des Berliner Speckgürtels - 214 Kilometer trennen sie von der Hauptstadt, ein näher gelegener Basketball-Standort im Osten war offenbar nicht aufzutreiben.
Noch nie haben die Berliner in eigener Halle gegen den MBC verloren - aber die letzten Resultate deuten darauf hin, dass das nicht so bleiben muss. Das letzte Spiel in der O2-World gewann Alba mit einem Punkt Differenz - und traf erst Sekunden vor Schluss zum Sieg. "Wenn wir glauben, dass wir einen Gang herunterschalten können, bekommen wir Riesenprobleme", sagte Alba-Manager Marco Baldi vor der Partie am Sonnabend. Jetzt gleich wieder "volles Rohr zu spielen" werde aber sehr schwer.
Das Ziel des MBC ist der Klassenerhalt, zuletzt wurde das Team in eigener Halle von Ulm regelrecht zerlegt - der MBC verlor mit 32 Punkten Unterschied. Die Mannschaft um den Kapitän und Ex-Berliner Sascha Leutloff mag nicht die Mittel haben, um spielerisch zu glänzen. Umso härter und körperbetonter aber tritt sie unter dem Körben auf. "Die werden kämpfen ohne Ende", sagt Alba-Flügelspieler Reggie Redding.
Duell mit einem Kleiderschrank
Albas bester Center Radosevic fällt wegen einer Fußverletzung aus, der Mann der gerne Albas bester Center werden würde hat nun seine große Chance. Jonas Wohlfarth-Bottermann spielte nach seiner Fußverletzung gegen Saragossa groß auf: Er kämpfte eindrucksvoll um die Rebounds, er behauptete sich gegen einen 2,16 Meter großen Kleiderschrank, nebenbei machte er mit schmerzendem Knöchel 15 Punkte. "Das war mit Abstand das beste Spiel, das ich von Jonas gesehen habe. Er ist ein großartiges Talent", schmeichelte ihm sein Trainer Obradovic danach. "WoBo", wie der 23-Jährige angesichts seines ausladendern Nachnamens genannt wird, könnte gegen den MBC den Unterschied machen.
Den letzten entscheidenen Korb zum Sieg gegen Weißenfels traf vor einem halben Jahr übrigens Ali Traoré, der Vorgänger Wohlfarth-Bottermanns. Ein Center, ein Wühler, ein Kämpfer. "WoBo" dürfte es bemerkt haben.



