
Fußball | Hertha verliert 2:3 - Wunder von München bleibt aus
Als Bundesliga-Aufsteiger hatte Hertha in München nichts zu verlieren, doch am Ende blieb das von Trainer Jos Luhukay beschworene Wunder aus. Mit 2:3 verliert Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC beim Serienmeister FC Bayern - und zeigt wiederum eine starke Leistung.
Hertha BSC hat das Wunder knapp verpasst. Trotz zweier Tore durch Adrian Ramos und Änis Ben-Hatira unterlag der Bundesliga-Aufsteiger am Samstagnachmittag bei Bayern München mit 2:3. Der Triple-Gewinner setzte sich gegen das als Tabellenvierter angereiste Team aus der Hauptstadt allerdings erst nach neuerlichen Anlaufschwierigkeiten durch und behauptete damit seine Tabellenführung.
Dabei agierte der Serienmeister erneut nicht so souverän, wie man es nach dem jüngsten Champions-League-Erfolg erwarten konnte. Zwar blieben die Bayern auch im 35. Punktspiel nacheinander ohne Niederlage, doch es war vor allem das glückliche Händchen von Trainer Pep Guardiola, der mit seinen Einwechslungen den Weg zum Sieg ebnete. Sowohl Doppel-Torschütze Mario Mandzukic (29. und 51.) mit seinen Saisontreffern sechs und sieben als auch Mario Götze (54.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor im Bayern-Trikot waren erst Mitte der ersten Halbzeit ins Spiel gekommen.
Erstmals zwei Gegentore für Bayern in dieser Saison
Dass mit Hertha nicht zu spaßen ist, hatte der FC Bayern schon in der 4. Minute zur Kenntnis nehmen müssen. Nach Ecke von Per Ciljan Skjelbred markierte Adrian Ramos per Kopf den Führungstreffer - und es dauerte immerhin bis zur 30 Minute, ehe Mario Mandzukic, ebenfalls per Kopf, den Ausgleich erzielen konnte. Damit ging es dann auch in die Pause.
Nur kurz nach der Halbzeit demonstrierten die Bayern dann aber ihren Siegeswillen und gingen mit 2:1 und 3:1 in Führung. Der Treffer von Änis Ben-Hatira (58.) weckte zwar noch einmal Hoffnung auf den Ausgleich - war am Ende aber nicht mehr als Ergebniskosmetik. Allerdings darf sich die Mannschaft von Jos Luhukay zugute halten, als erstes Team in dieser Saison mehr als ein Tor gegen den FC Bayern erzielt zu haben.

Lob von Lahm, Neuer & Co.
Anerkennung bekamen die mutigen Berliner auch von den Bayern. "Das war in dieser Saison der schwierigste Gegner für uns in der Allianz Arena", sagte Torwart Manuel Neuer. "Hertha hat sehr giftig gespielt, Kompliment", meinte Thomas Müller. "Hertha hat sehr gut gespielt, ist sehr viel gelaufen, es war schwierig für uns", bekannte auch Franck Ribéry, der persönlich in der Bundesliga zum 39. Mal nacheinander ungeschlagen blieb und damit den 30 Jahre alten Rekord von Holger Hieronymus (HSV/38 Spiele) übertraf. Wenige Tage nach dem Kantersieg gegen Pilsen in der Champions League lobte auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm die Berliner: "Pilsen und Hertha - das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht!"
Sollte der FC Bayern kommende Woche bei 1899 Hoffenheim erneut ungeschlagen bleiben, würde der Rekordmeister die Bestmarke des Hamburger SV von 36 Spielen in Serie ohne Niederlage einstellen.
Ben-Hatira hatte das 2:0 auf dem Fuß
Berlins Coach Jos Luhukay, der nun gegen Schalke 04, in Hoffenheim und gegen Bayer Leverkusen den starken Saisonstart bestätigen muss, vertraute Nico Schulz und Tolga Cigerci statt Lewan Kobiaschwili und Sami Allagui. München agierte zunächst ähnlich schwerfällig wie in der Vorwoche gegen Mainz. Die Bayern hatten sogar Glück, dass Ben-Hatira bei einem der über die gesamte Spielzeit oft gefährlichen Gegenstöße der Hertha mit einem Heber nur die Latte traf und nicht schon das 2:0 für Berlin markieren konnte (10.).
Nach Mandzukics Ausgleich allerdings waren die Bayern, die in 2013 bislang sämtliche Bundesliga-Heimspiele gewannen, eindeutig tonangebend. Einmal mehr angetrieben vom überragenden Franzosen Franck Ribéry, drängten die Hausherren den Erstliga-Rückkehrer
zunehmend in die Defensive und spielten in der Abwehr auch spürbar kompromissloser.
Im zweiten Durchgang, in dessen Mitte seit dem Supercup-Finale Ende August verletzt ausgefallene Spanier Javi Martinez sein Comeback im Bayern-Team feiern durfte, blieben die Münchner überwiegend konzentriert. Allerdings leisteten sich die Hausherren dennoch vereinzelt Unaufmerksamkeiten in der Defensive, durch die Berlin kurzzeitig Aufwind bekam.

"Das leichteste Spiel des Jahres"
Herthas Torwart Thomas Kraft, der früher selbst mal zwölf Partien für die Bayern bestritten hat, hatte seinem Team vor dem Spiel gegen die scheinbar übermächtigen Münchnern Mut gemacht: "Wir fahren da nicht eingeschüchtert hin", sagte Kraft dem "kicker".
Für den Hertha-Schlussmann war die Partie gegen den FC Bayern das "leichteste Spiel der Saison, schließlich erwartet Fußball-Deutschland nichts von uns." Kraft selbst spielte sieben Jahre für Bayern München. Die Statistik jedoch sprach gegen Kraft - immerhin liegt der letzte Hertha-Sieg in München 36 Jahre zurück.
Für Hertha-Trainer Jos Luhukay wäre daher schon ein Punktgewinn ein kleines Wunder gewesen: "Wir wissen, dass wir am Samstag gegen Bayern eine unglaublich starke Defensive brauchen und auch in der Offensive ein Stück Mut und Überzeugung. Aber es würde ein Wunder sein, wenn wir in Bayern etwas mitnehmen."
Kraft: "Mithalten in der Bundesliga"
Während sich Luhukay als Tiefstapler betätigte, zeigte sich Kraft optimistisch über Herthas Zukunft in der Bundesliga: "Wenn man die Spiele analysiert, muss man sagen: Wir stehen zu Recht dort, wir können mithalten in der Bundesliga." Auch die Stimmung in der Mannschaft passe: Im Vergleich zur Abstiegs-Saison 2011/12 gebe es "viel weniger Egoismen, Kontinuität auf der Trainerposition und deutlich mehr Ruhe und weniger Nebengeräusche im Club", so Kraft.

Manager Preetz verlängert vorzeitig bis 2017
Michael Preetz hat derweil seinen Vertrag mit Hertha BSC vorzeitig verlängert, wie am Donnerstag bekannt wurde. Preetz bleibt damit bis mindestens 2017 Manager des Fußball-Bundesligisten. Trainer Luhukay hatte sich für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Manager eingesetzt. Luhukays eigener Vertrag läuft noch bis 2016.
Preetz hatte 2009 in Berlin den Managerposten von Dieter Hoeneß übernommen, stieg mit dem Hauptstadtclub zweimal in die 2. Liga ab und jeweils direkt wieder in die 1. Liga auf. Sein Kontrakt lief noch bis 2014.
Die Entscheidung für die Vertragsverlängerung mit dem 46 Jahren alten Preetz fiel laut Vereinsangaben im achtköpfigen Hertha-Präsidium einstimmig. Vor allem Präsident Werner Gegenbauer hatte auch in den Krisensituationen nach den beiden Abstiegen 2010 und 2012 an Preetz festgehalten und sogar seine eigenes Engagement für den Verein mit der Person des einstigen Stürmers verknüpft.


