
Fußball | Hertha rettet Sieg in Dortmund über die Zeit - "Die Mannschaft hat meinen Arsch gerettet"
Nach sieben Minuten sah es nach einem katastrophalen Bundesligaeinstand aus - nach 96 Minuten war er der Mann des Spiels: Marius Gersbeck hat mit Hertha BSC einen sensationellen Sieg bei Borussia Dortmund eingefahren und damit eine starke Hinrunde gekrönt.
Marius Gersbeck beendete seinen Arbeitstag an einem vertrauten Ort. Nach dem 2:1 (2:1) in Dortmund ließ sich der Torhüter von Hertha BSC im Berliner Fanblock feiern. Der erst 18-Jährige, der die Spiele des Aufsteigers in der Vergangenheit häufig inmitten der Anhänger auf der Tribüne erlebt hatte, genoss das Bad in der Menge.
Sichtlich bewegt kommentierte Trainer Jos Luhukay das freudige Treiben um den vom Fan zum Profi beförderten Schlussmann: "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Das freut mich riesig. Ich glaube, heute ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen."
Dabei hatte die Partie für den Schlussmann eher wie ein Alptraum begonnen. Sein voreiliges Herauslaufen leitete das 0:1 durch den Dortmunder Nationalspieler Marco Reus ein. Doch der als Ersatzmann für den verletzten Stammkeeper Thomas Kraft ins Team gerückte Bundesliga-Debütant bewahrte trotz seines Patzers in der siebten Minute die Nerven. Seine fortan tadellose Leistung trug dazu bei, dass die Berliner am Ende einer famosen Hinrunde einen weiteren Coup landeten und auf einem Europapokal-Platz überwintern. "Das 0:1 geht ganz klar auf meine Kappe", kommentierte Gersbeck. "Aber die Mannschaft hat meinen Arsch gerettet."

Vor 80.645 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park sorgten Ramos (23. Minute) und Sami Allagui (45.) am Samstag für den verdienten Sieg des Aufsteigers. Dagegen droht das Team von Trainer Jürgen Klopp trotz der zwischenzeitlichen Führung durch Marco Reus (7.) auf den vierten Tabellenplatz abzurutschen.
Torjäger Ramos zieht mit Lewandowski gleich
Der achte Saisontreffer von Reus verlieh Dortmund keine Sicherheit. Nur fünf Minuten nach der Führung musste Keeper Weidenfeller nach Fehlpass von Kevin Großkreutz in höchster Not gegen Ramos klären. Diese Chance ermutigte die Berliner zu mehr Offensivaktionen.
Den unnötigen Ballverlust des Dortmunder Abwehrspielers Erik Durm nutzte Sami Allagui zu einer Flanke auf Ramos, der aus kurzer Distanz im Stile eines Torjägers eiskalt traf und damit mit dem in der Torjägerliste führenden Dortmunder Angreifer Robert Lewandowski (11 Tore) gleichzog.

Die jungen Spieler prägen das Spiel
Ein Blackout von BVB-Jungprofi Marian Sarr, der wie zuvor schon Bundesliga-Debütant Gersbeck Nerven zeigte, brachte die Berliner in Führung. Kurz vor der Halbzeit verlor der 18 Jahre alte Dortmunder Innenverteidiger in der eigenen Hälfte einen Ball gegen Allagui, der nach schönem Solo für die verdiente Führung der Gäste sorgte.
Auch nach der Pause tat sich der BVB schwer, die von Trainer Jos Luhukay glänzend eingestellte Hertha unter Druck zu setzen. Lange Zeit blieben Torchancen Mangelware. Nur bei einem Schuss des eingewechselten Jonas Hofmann (64.), den Gersbeck parierte, war Dortmunder Torgefahr erkennbar. Den Gästen bereitete es deshalb wenig Mühe, den Sieg über die Zeit zu retten, obwohl Peter Gagelmann aus Bremen rund sechs Minuten nachspielen ließ.
"Das wird ein Weilchen dauern, bis wir das verarbeitet haben", sagte BVB-Coach Jürgen Klopp nach dem Spiel. "Es fühlt sich sehr bescheiden an." Nach nur einem Sieg aus den vergangenen sechs Bundesligaspielen und zwölf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayern München hatte der Fußball-Lehrer der Borussia allen Grund zur Klage.



